Ehrenmord
«Ehre reinigen»: Türkin wegen brisanter Aufforderung vor Gericht

Eine 66-jährige Türkin hat in Briefen den Vater und die Brüder ihrer Schwiegertochter dazu aufgefordert, die Ehre ihrer Familie zu reinigen. Seit Montag steht die Rentnerin wegen Anstiftung zu Ehrenmord vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland.

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Eine 66-jährige Türkin hat in Briefen den Vater und die Brüder ihrer Schwiegertochter dazu aufgefordert, die Ehre ihrer Familie zu reinigen (Symbolbild)

Eine 66-jährige Türkin hat in Briefen den Vater und die Brüder ihrer Schwiegertochter dazu aufgefordert, die Ehre ihrer Familie zu reinigen (Symbolbild)

AZ

Die Frau gab zu, die Briefe verfasst zu haben. Die Aufforderung sei aber anders zu verstehen. Die Schwiegertochter habe ihren Sohn finanziell ausgesogen und habe ihn immer stärker ins Drogenelend getrieben. «Sie hatte vor, ihn langsam aber sicher umzubringen», sagte sie vor Gericht. Der Mann ist vor zweieinhalb Jahren an einer Überdosis von Medikamenten gestorben.

Vor Gericht zeigte sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertocher deutlich. Die beiden Frauen wollten nicht gemeinsam im Gerichtssaal erscheinen.

Die Angeklagte sparte nicht mit Vorwürfen an die 32-jährige Frau, welche sich nach mehreren Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt hatte. Sie sei unendlich geldgierig gewesen, behauptete die Angeklagte. Zudem sei sie der Prostitution nachgegangen.

Die junge Frau ihrerseits sagte vor Gericht, sie könne «die Namen dieser Leute nicht mehr hören.» Sie habe ihre Anzeige 2007 eingereicht und gehofft, alles werde schnell gehen. Sie habe den Kontakt damals abgebrochen, doch noch habe sie keinen Strich ziehen können.

Der Präsident des fünfköpfigen Gerichts brachte die Angeklagte nicht dazu, sich zur Aufforderung zum Ehrenmord zu bekennen. Sie wich den klaren Fragen aus und kam immer wieder auf die Geldgier der Schwiegertochter zu sprechen.

Ihr sei es einzig darum gegangen, ihren kranken Sohn von dieser Frau zu befreien. Sie bekannte allerdings, keine Beweise für ihre sehr weitgehenden Behauptungen zu haben.

Das Urteil ist für Mittwoch vorgesehen. (sda)