Bern
«Dürftige Antworten frustrieren»

Die politische Aufarbeitung des Debakels beim Bau der Frauenklinik am Inselspital führte gestern im Grossen Rat zu einem ersten Hick-Hack. Baudirektorin Barbara Egger fühlte sich persönlich angegriffen.

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Barbara Egger

Barbara Egger

Berner Rundschau

Bruno Utz

Wer die Konsequenzen trage aus den gravierenden Baumängeln bei der Frauenklinik, wollte Grossrat Peter Brand (SVP/Münchenbuchsee) gestern wissen. Konkret hatte Brand in seiner Interpellation fünf Fragen gestellt. Von den von der Bau- Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) gegebenen Antworten zeigte sich der Vorstösser nicht befriedigt: «Sie sind dürftig ausgefallen und frustrierend», reklamierte Brand.

Für ihn sei nicht nachvollziehbar, dass die Baudirektorin keinen Handlungsbedarf sehe. Schliesslich seien auch beim Intensiv-, Notfall- und Operationszentrum (INO), beim Mitholz-Tunnel und beim Moutier-Tunnel gravierende Probleme mit hohen Kostenfolgen entstanden.

Update

Die Frauenklinik des Inselspitals wurde von 1998 bis 2002 für 124 Millionen Franken gebaut. Beauftragt damit war eine Generalunternehmung. Die Kosten für die Notmass-nahmen übernahm bisher das Inselspital. Die Haftungsfrage dürfte noch die Gerichte beschäftigen. (uz)

Peitsche und Zuckerbrot

Auch Brands Parteikollege Carlo Kilchherr (SVP/Thun) kritisierte, «in den Antworten ist keine Einsicht spürbar». Und nach Meinung von Walter Neuenschwander (BDP/Rubigen) ist die BVE etwas blauäugig. «Mit ihren Antworten lenkt sie von der wahren Katastrophe ab. So möchte ich wissen, wer für die Bau- und Projektleitung verantwortlich war.»

Zurückhaltender äusserten sich Ueli Arm (SP/Burgdorf) und Erwin Burn (EDU/Adelboden). «Wo gearbeitet wird, passieren Fehler», räumten beide in. Und Burn, der nach eigenen Angaben als Bauunternehmer «laufend mit dem Kanton zusammenarbeitet», meinte weiter, die bisher bekannten Baumängel im Umfang von 1,8 Millionen Franken seien im Vergleich mit der Bausumme von 124 Millionen Franken kein Ereignis ausser Rand und Band.

«Auch ich ärgere mich»

Baudirektorin Barbara Egger (SP) fühlte sich von den kritsischen Votanten persönlich angegriffen. «Auch mich ärgern die Probleme bei der Frauenklinik.» Diese aber gleichzeitig mit dem Mitholztunnel, dem Moutier-Tunnel und dem INO zu nennen, sei undifferenziert.

«Die BVE plant, projektiert und baut nicht selber. Dafür sind alles private, von der BVE beauftragte Firmen verantwortlich. Das Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) beschäftige weder Statiker noch Bauarbeiter. Folglich könne das AGG nicht direkt für Mängel verantwortlich gemacht werden. Eine Privatperson, die ein Haus baue, und wegen eines Berechnungsfehlers des beauftragten Ingenieurs einen Schaden erleide, werde auch nicht dafür verantwortlich gemacht, argumentierte Egger.

Auch Vorwürfe, die BVE habe bei der Frauenklinik die Verantwortung einfach an das Inselspital abgeschoben, wies Egger zurück. «Es bestehen Verträge, dass die Frauenklinik nach der Erstellung ins Eigentum des Inselspitals übergeht.»

Nach den Mängeln beim INO habe sie 2003 ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die darin vorgeschlagenen Verbesserungsmassnahmen seien alle umgesetzt. «Aber das Frauenspital wurde vor dem INO-Gutachten erstellt.» Ob allerdings die Statikprobleme - die Frauenklinik wurde in den vergangenen Wochen für rund eine halbe Million Franken erdbebensicher gemacht - unter der neuen, «wesentlich besseren und griffigeren» Organisation hätten vermieden werden können, wisse sie nicht.

Gutachten Ende Sommer fertig

Egger verwies auf das von ihr im Frühling in Auftrag gegebene Gutachten zur Frauenklinik. Dieses werde vom Berner Uni-Professor und früheren Präsidenten des Bundesgerichtes, Hans Peter Walter (FDP), bis Ende Sommer 2009 erstellt. Dieses werde die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten während der Planungs- und Bauzeit der Frauenklinik sowie nach der Übergabe des Gebäudes an das Inselspital aufzeigen.