Aarburg
Dieser Fünftklässler aus Aarburg hilft schwer verletzten Velofahrerin

So mancher dürfte von seiner Zivilcourage eine Scheibe abschneiden: Der 11-jährige Fabio Lanz aus Aarburg findet eine verunfallte Velofahrerin und alarmiert die Ambulanz.

Silvan Hartmann
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Der 11-jährige Fabio Lanz aus Aarburg fährt am Sonntagnachmittag gegen 13.30 Uhr mit seinem Velo der Zimmerlistrasse entlang nach Hause.

Den Weg kennt er auswendig, doch dieses Mal ist sein Heimweg aussergewöhnlich: Der Aarburger Fünftklässler findet unerwartet eine am Boden liegende Velofahrerin vor. Später wird bekannt, dass es sich beim Opfer um eine 64-jährige Frau aus der Region handelt. Sie zog sich laut Kantonspolizei Aargau schwere Schädelverletzungen zu.

Fabio zeigt umgehend Zivilcourage, obwohl er viel Blut sehen muss: «Sie hat aus den Ohren geblutet und hatte eine grosse Wunde am Kopf.» Er habe sie ruhig gefragt, was passiert sei. «Sie war ansprechbar. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich so schnell wie möglich Hilfe hole und sie liegen bleiben soll», erklärt Fabio der az.

Der 11-Jährige steigt auf sein Velo und rast nach Hause. Mutter Jacqueline Gyger ist zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause, weshalb Fabio von seinem 16-jährigen Bruder Andrea Hilfe anfordert.

Gemeinsam alarmieren sie die Ambulanz, die wenig später vor Ort ist und die 64-jährige schwer verletzte Frau medizinisch erstversorgt und daraufhin mit Blaulicht ins Spital fährt.

Fabio telefoniert zu Hause weinend seinem Mami. Sie tröstet ihren schockierten Sohn, gratuliert ihm gleichzeitig für seine grossartige Zivilcourage. Sie sei nicht erstaunt darüber, dass ihre Kinder vorbildlich Hilfe leisteten: «Ich arbeite selber im Gesundheitswesen und erzähle ihnen viel über meinen Beruf. Ich glaube, dass ihnen daher doch einiges im Gedächtnis bleibt», sagt Gyger stolz.

Autofahrer fuhr an Opfer vorbei

Fabio selbst ist froh, muss er sich im Nachhinein nichts vorwerfen lassen: «Es gibt mir ein gutes Gefühl, weil ich weiss, dass ich jemandem helfen konnte», sagt der Fünftklässler der az.

Vor seiner Heldentat sah er aus der Distanz, wie ein silbernes Auto unbekümmert am Opfer vorbeifuhr. «Das hat ihn noch lange beschäftigt», so Gyger. «Er konnte wegen der angetroffenen Situation am Sonntag lange nicht einschlafen.»

Heute gehts ihm wieder blendend. Und in Zukunft, weiss Fabio, wird er bei Notfällen wieder helfen wollen. Fabios Bruder Andrea liegt nun vor allem etwas am Herzen: Er will den Nothelferkurs absolvieren.

Von den Schulfreunden gefeiert

In der Schule sagte Fabio Lanz tags darauf nichts von seiner Heldentat. Erst als er von einigen Freunden gestern darauf angesprochen wurde, erzählte er darüber.

«Fabio ist eher ein ruhiger Typ, zeigt aber oft Hilfsbereitschaft und erweist sich auch gegenüber Mitschülern als sehr fairer Kamerade», sagt Klassenlehrer Patrick Dick auf Anfrage der az und ergänzt: «Total gut, wie er reagiert hat! Fabios Courage hat uns in der Schule alle sehr gefreut. Wir haben ihn entsprechend gewürdigt.»

Fabio hats gefreut und er hat nun nur noch einen Wunsch: «Ich hoffe, es geht der Frau bald wieder gut.» Offenbar musste die verunfallte Velofahrerin aber ins künstliche Koma versetzt werden. Ihr Zustand sei kritisch, heisst es aus ihrem näheren Umfeld.