Familiendrama Nachuug
Die Mutter ist tot, der Vater im Gefängnis

Das Familien-Drama vom Montagmorgen in Bellach schockiert die Region: Der 43-jährige Ehemann ersticht nach einem Streit seine gleichaltrige Frau und lässt sich anschliessend festnehmen. Zurück bleiben zwei Kinder im Alter von 19 und 8 Jahren – und viele offene Fragen.

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Ehefrau mit Messer tödlich verletzt

Ehefrau mit Messer tödlich verletzt

Keystone

Astrid Bucher

Pfingstmontag - neue Woche, neuer Monat: «Ich war gerade dabei, das Frühstück vorzubereiten und 100 Meter von unserem Haus entfernt wird eine Frau von ihrem Mann erstochen», erzählt eine Nachbarin, die nahe vom Tatort des Familiendramas am Fuchsweg wohnt. «Das ist doch verrückt, dass so etwas in Bellach passiert», sagt sie geschockt. Die Tat war am Montag das Thema im Quartier: «Meine Nachbarin kam vorbei und fragte, ob ich die Schreie auch gehört hätte, aber mir ist nichts aufgefallen. Schliesslich habe sie aus dem Radio erfahren, was passiert ist. «Solche Familien-Dramen passieren doch meistens in der Nacht, in Bellach passieren sie an einem stinknormalen Montagmorgen», so die Nachbarin.

Die betroffene Familie wohnt dem Vernehmen nach schon seit mindestens zehn Jahren in Bellach: 2004 hat sie das Gesuch bei der Gemeinde für den Bau des Einfamilienhauses am Fuchsweg eingereicht. Es ist das Haus, vor dem die Ehefrau am Montagmorgen, kurz nach 9.30 Uhr, nach einem Streit mit ihrem Mann durch Messerstiche tödlich verletzt wurde. Als die Polizei eintrifft, lässt sich der Ehemann widerstandslos festnehmen.

Beistand für die Kinder beantragt

Das Familien-Drama ist auch für Anton Probst in seiner Funktion als Gemeindepräsident von Bellach eine ganz neue Erfahrung: «Zum Glück musste ich mich bis jetzt in meinem Amt nicht um solch schreckliche Angelegenheiten kümmern.» Es gehe jetzt darum, für die beiden Kinder der Getöteten die beste Lösung zu finden: «Die Kinder befinden sich beide in guten Händen bei Bekannten und werden vom Kinder- und Jugendpsychologischen Dienst umfassend betreut», bestätigt Probst. «Sie müssen diesen Schock zuerst verarbeiten können.» Schritt für Schritt werde dann zusammen mit den Gemeindebehörden weiter geplant, was mit ihnen passiert.

«Die Mutter ist tot und der Vater im Gefängnis», fasst Probst die Situation zusammen. «Wir haben als erster Schritt eine Beistandschaft für die Kinder beantragt», sagt er. Für den achtjährigen Sohn sei eine Beistandschaft die logische Folge der Situation. Die 19-jährige Tochter könne aufgrund ihrer Volljährigkeit selbst entscheiden, ob sie eine Beistandschaft wünscht oder nicht. «Das Geschehene ist noch so frisch, mehr kann ich zu diesem tragischen Fall noch nicht sagen», so Probst. Er sei nicht sonderlich begeistert von der Sensations-Hascherei, die einige Medien betreiben: «Wir alle müssen mit der Situation nun erstmal zurechtkommen.»

Spurensicherungen dauerten an

Warum der Ehemann auf seine Frau einstach, ist bis heute nicht bekannt. Die Polizei konnte noch keine Hintergründe zur Tat liefern. Es kursieren in Bellach Gerüchte, dass die Ehefrau einen Liebhaber hatte und mit ihm durchgebrannt war. Um die genauen Umstände der Tat zu klären, war war am Montag die Spurensicherung während des ganzen Tages vor Ort und das Haus wurde versiegelt. Die Szene im Quartier hätte geradesogut aus einem Kriminalfilm stammen können: Geschockte Nachbarn und Bekannte versammelten sich vor dem Haus, weinten und waren sprachlos. Nach dem Mittag fuhr der Leichenwagen vor. «Alles war abgesperrt und es war kaum ein Durchkommen am Fuchsweg», sagt ein Augenzeuge.