Die Kugel ging am Kopf des Taxichauffeurs vorbei

Ob der Taxifahrer, der letztes Wochenende in Wohlen überfallen wurde, jemals wieder Taxi fahren wird, ist nicht klar. Der Schock sitzt tief.

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Taxi

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Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler

Erst im Nachhinein wurde klar, wie gefährlich der Überfall vom letzten Wochenende für den Taxifahrer war. Nachdem der Fahrgast ihn mit einem Pfefferspray ins Gesicht sprühte, schoss sein Komplize von draussen durch die Fensterscheibe. «Die Kugel ging am Kopf des Taxifahrers vorbei», bestätigt Urs Lehmann. Er ist Inhaber des gleichnamigen Taxiunternehmens, bei dem der beraubte Fahrer unter Vertrag steht. «Gottlob hat er sich nicht gewehrt. In so einer Situation gibt man das Portemonnaie her», sagt Lehmann.

Der betroffene Taxifahrer ist seit dem Überfall nicht mehr am Arbeiten. Wann und ob der 61-Jährige jemals wieder in ein Taxi steigen wird, ist unklar. «Als Erstes nach dem Überfall hat er gesagt, so etwas brauche er nicht mehr.» Derzeit sei die Abmachung, dass er sich melden soll, wenn es ihm wieder gut geht. «Obwohl wir Hochsaison haben, muss er selber beurteilen, ob er wieder arbeiten will oder nicht», betont Lehmann. «Schliesslich ist er jede Nacht damit konfrontiert. Wenn er Angst hat, verstehe ich, dass er nicht mehr Taxi fahren will.»

Nachts sind die Taxifahrer vorsichtiger

Dass ein solch brutaler Überfall im Freiamt passiert, überrascht. «Wir sind immer der Meinung gewesen, so etwas gibt es nur in Zürich.» Auch Cornelia Schärer, welche bei Taxi Lehmann angestellt ist, reagiert erstaunt: «Ich bin seit 14 Jahren Taxifahrerin. Mein Kollege sogar seit 33 Jahren. Und nie ist etwas passiert.» Schärer arbeitet in der Tagschicht. «In der heutigen Zeit hätte ich Angst, in der Nacht zu fahren.»

Nicht erst seit dem Überfall vom letzen Wochenende sind die Taxifahrer vorsichtig. «Wir fahren sicher nicht am Morgen um drei Uhr zu einer abgelegenen Waldhütte, wenn wir nicht wissen, dass dort ein Fest ist», erklärt Lehmann. Die meisten Fahrgäste seien zudem nicht anonym, sondern bestellen das Taxi telefonisch. Trotz Vorsicht bleibt eine gewisse Gefahr aber bestehen. «Es ist schwierig, die Menschen zu beurteilen. Der Fahrgast vom Überfall hat anständig ausgesehen», so Lehmann.

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