Bachfischet

Der urtümliche Bachfischet ist lebendig

Bachfischet: Ein alter Brauch in der Stadt Aarau.

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Bachfischet: Ein alter Brauch in der Stadt Aarau.

«De Bach isch cho, de Bach isch cho»: Mit diesem Ruf holt die Aarauer Schuljugend am kommenden Freitag, 18. September, nach altem Brauch den frisch geputzten Stadtbach ab.

Hermann Rauber

«Wir rechnen in diesem Jahr mit einer rekordverdächtigen Teilnehmerzahl, haben sich doch 1750 Schülerinnen und Schüler angemeldet», sagt Urs Bänziger, Bachfischet-Obmann der Heinerich-Wirri-Zunft zue Arau der Stadt, die seit 1923 mit Herzblut und Umsicht für den Erhalt des uralten Brauchtums sorgt. Für das einmalige Lichterspektakel in den verdunkelten Strassen und Gassen bastelt die Schülerschaft jedes Jahr prachtvolle Lampions oder grössere Laternen, seit einiger Zeit auch in den Aarauer Nachbargemeinden, in denen die Offerte, als Gastklasse am Bachfischet teilzunehmen, auf begeistertes Echo stösst.

Hommage an den Stadtbach

Auch wenn der Stadtbach heutzutage zum guten Teil unter dem Strassentrassee verschwunden ist, bleibt er in der Erinnerung der Aarauer haften. Die einst bedeutende Wasserversorgung, die praktisch mit der Stadtgründung von Suhr nach Aarau mit einem Kanal sichergestellt wurde, lebt im Brauch des Bachfischet fort. Es war in historischer Zeit Bürgerpflicht, einmal im Jahr das Bachbett von allerlei Dreck zu räumen, und zwar «nach Sankt Verenen», also nach dem 1. September.

Erhielten die Männer für das «Rumen» des Stadtbachs auf Kosten des Stadtsäckels eine Verpflegung, zog die Jungmannschaft nach getanem Werk hinaus vor die Tore und begrüsste mit lauten Rufen und farbigen Lampions an Haselruten die ersten Wellen im wieder sauberen Bett. Das ist der Ursprung des heute noch zelebrierten Bachfischet, wobei der genaue Zeitpunkt der Premiere im Dunkeln der Geschichte liegt.

Regionale Ausstrahlung

Mehrfach drohte das urwüchsige Spektakel in Vergessenheit zu geraten, letztmals 1922. Im gleichen Jahr gründeten heimatverbundene Männer die Wirri-Zunft, die sich sofort um die «Wiederbelebung» des Bachfischet bemühte. Mit Erfolg, heute ist der Brauch aus dem städtischen Kalender nicht mehr wegzudenken und lockt jeweils tausende von Zuschauerinnen und Zuschauern aus Stadt, Region und gar darüber hinaus an.

Unveränderte Umzugsroute

Der urwüchsige und wilde Zug der Jugend startet am kommenden Freitag punkt 20.15 Uhr, wenn Strassen und Gassen in der Dunkelheit versinken. Die Route führt ab dem Herzogplatz und entlang der Bachstrasse in die Obere und die Vordere Vorstadt, die Lichterschlange taucht beim Obertor in die Altstadt ein, geht durch die Rathausgasse hinunter in die romantische Halde und zum Schluss hinaus in den Schachen. Dort wird kurz nach 21 Uhr der traditionelle Mordschlapf gezündet, mittlerweile ein veritables Feuerwerk, das von der Heinerich-Wirri-Zunft gesponsert wird.

Auf dem Platz vor der Sporthalle lädt nach dem offiziellen Teil eine (vergrösserte) Gartenwirtschaft zum Verweilen ein. Bis jetzt war Urs Bänziger bei den sechs Auflagen als Bachfischet-Obmann stets vom Wetterglück begünstigt. Das soll natürlich auch am nächsten Freitag so sein - die Prognosen jedenfalls lassen auf einen milden und trockenen Abend hoffen.

Die Wirri-Zunft prämiert wie gewohnt die besten Klassen und die schönsten Lampions. Einige Exemplare dieser Kunstwerke können in Schaufenstern von Zentrums-Geschäften noch bis zum 10. Oktober in Ruhe bewundert werden. Für ihren bevorstehenden Internet-Auftritt sucht die Zunft private Fotos zum Bachfischet 2009. Diese sind zu senden an bachfischet@wirrizunft.ch.

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