Der Täter nahm ein Küchenmesser

Betroffenheit nach der Bluttat in Bergdietikon. Die 39-jährige Frau – Mutter von zwei Kindern – liegt schwer verletzt im Spital. Obwohl die Brutalität des Täters untypisch sei, geht die Polizei von einem Einbruch aus. Nachbarn der Familie sind ob der Bluttat geschockt – denn auch bei ihnen wurde schon eingebrochen.

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Tatort Bergdietikon

Tatort Bergdietikon

Aargauer Zeitung

Michael Spillmann

Eine schreckliche Bluttat erschüttert das beschauliche Leben in Bergdietikon. An der Ahornstrasse, im Quartier und im ganzen Dorf sitzt der Schock tief. «Unfassbar, was passiert ist. Wir haben in der Nacht gesehen, wie die Polizei kam. Beobachtet haben wir aber nichts», sagt Hans Keiper, der nur wenige Meter vom Tatort entfernt wohnt. Begreifen kann auch Ruedi Stalder das Geschehene nicht: «Wir kennen die Familie gut».

Er wohnt mit seiner Familie schräg vis-a-vis in einem weiteren Reihenhaus. In der Nacht auf Donnerstag habe auch seine Frau die Hilferufe des Opfers gehört. Später haben Nachbarn die Kinder des Opfers betreut: Der zweijährige Bub und die fünfjährige Tochter mussten hautnah miterleben, wie ihre schwerverletzte Mutter zusammenbrach. Dem Buben - der neben seiner Mutter im Bett schlief - mussten die Nachbarn ein neues Pyjama bringen. «Sein Pyjamawar blutgetränkt», so Ruedi Stalder.

Messer aus der Küche genommen

Auch am Donnerstag waren tagsüber mehrere Kriminaltechniker im Haus an der Ahornstrasse auf Spurensuche. Vor der Haustüre Spuren das Dramas - eingetrocknets Blut. Auch wenn die genauen Hintergründe der Tat noch ungeklärt sind, konnte die Polizei den Tatverlauf grösstenteils rekonstuieren.

Am Donnerstag, um etwa 1.20 Uhr, schreckte die zweifache Mutter aus dem Schlaf - in ihrem Schlafzimmer stand ein mit einer Sturmhaube maskierter Mann. Die 39-Jährige schrie sofort um Hilfe, der Täter stach mit einem Messer brutal zu. Wie oft, konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht sagen. Der Täter flüchtete sofort aus dem Haus. Die Tatwaffe - ein Messer aus der Küche im Erdgeschoss - liess er zurück. Das schwerverletzte Opfer konnte sich selbstständig ins Erdgeschoss schleppen, noch immer schrie sie um Hilfe. Die geschockten Kinder mussten alles miterleben.

Das Opfer war ansprechbar

Die verzweifelten Schreie der 39-Jährigen wurden von den Nachbarn gehört. Eine Frau alarmierte unverzüglich die Kantonspolizei, ihr Mann rannte zum Nachbareingang. Auf dem Weg dorthin sah er kurz, wie der Täter in die dunkle Nacht hinausrannte. Schliesslich fand er im Erdgeschoss die blutüberströmte Frau.

Bis die Ambulanz eintraf, leistete die eingetroffene Polizeipatrouille erste Hilfe. Die Frau war jederzeit ansprechbar und wurde ins Universitätsspital Zürich gebracht, wo sie noch in der Nacht operiert wurde. Ein Nachbar benachrichtigte den Ehemann des Opfers, der gerade auf dem Nachhauseweg war. Nach Polizeiangaben ist der Gesundheitszustand der 39-jährigen Frau stabil.

Die Polizei löste noch in der Nacht eine Fahndung nach dem Flüchtenden aus. Doch bald war klar: Es müssen zwei Männer im Haus gewesen sein. Denn vor dem Eingang blieben zwei Paar Schuhe zurück - die Einbrecher wollten offenbar keinen Lärm machen. «Sie sind wohl in Socken geflüchtet», so Kantonspolizeisprecher Bernhard Graser. Bluthunde konnten eine Spur aufnehmen - die sich aber später im Dorf verlor.

Nach der Bluttat laufen die Ermittlungen in alle Richtungen, die bisherigen Abklärungen der Polizei lassen hingegen auf einen Einbruch schliessen. Trotzdem: Der Fall gibt auch den Ermittlern Rätsel auf. «Es deutet zwar alles auf einen Einbruchdiebstahl hin, aber die Brutalität ist untypisch. Normalerweise ergreifen die Täter die Flucht, wenn sie überrascht werden.» Auch im betroffenen Quartier in Bergdietikon haben bereits Einbrecher zugeschlagen, wie mehrere Betroffene gegenüber der MZ erklärten. «Bei uns sind sie zwei Mal eingebrochen. Schrecklich, das nun so etwas passiert ist», sagt eine Nachbarin.

Die Brutalität des Täters schockiert tatsächlich. Man erinnert sich zurück an die Schlafzimmerräuber-Banden, die in den 90er-Jahren in der ganzen Deutschschweiz für Angst und Schrecken sorgten. «Es gibt keine Hinweise auf einen Raubdelikt», meint Bernhard Graser. Ob die Kriminaltechniker am Haus Einbruchspuren fanden oder etwas fehlt, muss die Polizei noch klären.

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