Oberlunkhofen
Der Pfefferspray ist schnell gezückt: Unbekannter Mann von Joggerinnen überrascht

Zwei Frauen verteidigen sich auf ihrer Jogging-Runde mit einem Pfefferspray gegen einen unbekannten Mann, der plötzlich aus dem Gebüsch springt. Waffenhändler bestätigen: Pfeffersprays werden in der Schweiz immer beliebter.

Silvan Hartmann
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Pfefferspray

Pfefferspray

sl/keystone

Zwei Frauen gehen am Mittwochmorgen in Oberlunkhofen joggen. Plötzlich springt kurz nach sechs Uhr auf dem Radweg in Richtung Jonen ein unbekannter Mann aus einem Gebüsch. Doch der Mann rechnet offenbar nicht mit der tatkräftigen Reaktion der beiden sportlichen Frauen: Eine der Beiden setzt umgehend einen Pfefferspray ein, den sie mitführt.

Der Mann, der einen schwarzen Kapuzenpullover und Trainerhose trägt, macht sich sofort aus dem Staub. Eine Fahndung bleibt erfolglos. Der Mann soll zwischen 25 und 35 Jahren alt und 180 bis 185 cm gross sein.

Brisant: Ob der Mann die Frauen tatsächlich überfallen wollte, ist noch unklar. «Er hat nicht zu den Frauen gesprochen und sie auch nicht angefasst. Er stand lediglich vor die Joggerinnen», gibt Roland Pfister, Infochef der Kantonspolizei Aargau, zu Bedenken.

«Die Frauen sind sehr erschrocken. Eine der Beiden hat aus Reflex sofort den Pfefferspray verwendet.»

Hat die Frau deshalb den Pfefferspray zu früh gezückt oder wollte der Mann die Frauen tatsächlich überfallen? Laut Polizei komme es eher selten vor, dass ein Mann zwei Frauen, die gemeinsam unterwegs seien, überfällt.

Pfeffersprays bei Frauen beliebt

Dass Frauen sogar während des Joggens einen Pfefferspray mitführen, erstaunt Experten des Waffenhandels nicht: Mehrere Aargauer Waffenhändler bestätigen gegenüber der Aargauer Zeitung, dass Pfeffersprays bei Frauen immer beliebter werden. Sie glauben, dass dies auf das gesunkene Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zurückzuführen sei.

Zum neuerlichen Erfolg des Pfeffersprays kommt hinzu, dass die Waffen für Erwachsene frei zugänglich sind und von Behörden nicht mehr bewilligt werden müssen. Wer im Fachhandel seine Identitätskarte vorweist, besitzt Minuten später einen Pfefferspray.

Die Polizei spricht von einer «guten Methode», sich mit Pfeffersprays gegen Unbekannte zu schützen. Einer, der solche Kleinwaffen verkauft, ist Samuel Bosshard. Er vertreibt auf seiner Onlineplattform www.pfefferspray.ch jährlich über 10 000 solche Sprays.

Fast 40 Prozent der Bestellungen würden von Frauen eingehen. Bosshard glaubt, dass der Wert noch viel höher sein dürfte: «Viele Männer kaufen sich die Pfeffersprays ihren Partnerinnen.»

Der Waffenexperte warnt jedoch vor falscher Anwendung: «Ich lege den Kunden nahe, entsprechende Kurse zu absolvieren. Denn in Stresssituationen wird der Spray oftmals falsch angewendet, sodass man sich sogar selber ausser Gefecht setzen kann.»