Rosmaries Fälle
Der Klingnauer «Rebstock» ist nach Grossbrand einsturzgefährdet

Fazit nach einem der grössten Brände im Aargau: Das Gasthaus «Rebstock» in Klingnau ist im Innern zerstört, drei Bewohner erlitten Rauchvergiftungen, ein Feuerwehrmann wurde verletzt und 35 Personen sind obdachlos.

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«Rebstock» von Einsturz bedroht
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Brand Klingnau
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«Rebstock» von Einsturz bedroht

Hans Lüthi

Es tönt dramatisch und es ist auch so, am Samstag nach 15 Uhr im Städtli Klingnau. Feuerwehrautos rollen im Minutentakt an, ihre Sirenen sind im ganzen unteren Aaretal zu hören. Meterhohe Flammen und die schwarze Rauchsäule neben dem Kirchturm sind weitherum zu sehen. Die Dramatik des Grossbrandes wird durch die Schilderung von Mario Lerf, Kommandant der Feuerwehr Döttingen-Klingnau, unterstrichen: «Genau um 14.56 Uhr geht der Alarm ein, aber die Flammen schlagen schon aus dem Dach, als wir anrücken.» Vizekommandant Marco Koller ist zuerst da und übernimmt das Platzkommando.

Rettung mit Schutzmasken

Zuerst sind in den Wohnungen im 2. Stock des Gasthauses Rebstock an der Schattengasse noch Leute oben. «Eine Person wird über die Leiter gerettet, zwei weitere durch Atemschutz-trupps über die bereits mit Rauch gefüllte Treppe in Sicherheit gebracht», schildert Lerf. Mit Verdacht auf Rauchvergiftung bringt die Ambulanz drei Personen ins Spital, eine davon ist eine schwangere Frau mit einem Schock. Der Feuerwehr ist sofort klar, dass dieser Einsatz in der Altstadt, mit zusammengebauten, sehr hohen Häusern, alles abverlangen wird. «Schon auf der Hinfahrt haben wir die Stützpunktfeuerwehr Bad Zurzach-Rietheim aufgeboten», betont Lerf. Später kommt auch der Stützpunkt Baden dazu, die Feuerwehr Böttstein-Leuggern und eine Gruppe der Axpo-Feuerwehr vom AKW Beznau. Bilanz: 180 Feuerwehrleute mit 18 Fahrzeugen stehen mittlerweile im Einsatz. Dennoch sind die meterhoch aus dem Dachstuhl lodernden Flammen kaum zu ersticken. Mehr als einmal scheint das Feuer unter Kontrolle, bricht aber erneut mit voller Wucht aus. Im Süden ist die Propsteigasse zu eng für Fahrzeuge, dank grosser Autodrehleiter ist ein Angriff von der Unterstadtgasse her möglich. Erst nach zwei Stunden ist das Feuer unter Kontrolle, nach drei Stunden gelöscht. Brandnester flammen immer wieder auf, auch den ganzen Sonntag über. Ein Notdach wird erstellt, die Brandwache bleibt auch in der Nacht auf heute Montag.

35 Personen sind betroffen

Im «Rebstock» ist das ganze Gebäude einsturzgefährdet. Klar ist: Der Schaden beträgt drei Millionen Franken, das Haus Schattengasse 29 ist im oberen Teil auch zerstört, das Haus 27 daneben hat massiven Wasserschaden erlitten. Neun Mietergruppen mit insgesamt 35 Personen haben ihre Wohnung verloren, alle sind aber nicht anwesend. «Rund 20 Personen werden durch die Gemeinde betreut und in den Hotels Picone, Engel, Bahnhof Monti sowie privat untergebracht», sagt Gemeindeammann Peter Bühlmann. In den stark belegten Wohnungen über dem «Rebstock» lebten viele Ausländer, betonen die Nachbarn.

«Es steht eindeutig fest, dass der Brand in der Wohnung im zweiten Stock über dem Restaurant Rebstock ausgebrochen ist», schreibt die Kantonspolizei. Die genaue Ursache sei aber nach wie vor unbekannt. Übrigens: Am 12. September 1883 ist im «Rebstock» ein Brand ausgebrochen, die ganz Häuserzeile im Städtli bis zur Liegenschaft Bürli wurde zerstört.

Küchenbrand in Koblenz

Um 15.44 Uhr kommt es am Samstag auch noch zu einem Küchenbrand am Rütenenweg in Koblenz. Die eigene Feuerwehr kann alles rasch löschen, Sachschaden entsteht für 60000 Franken. Bei der Ursache steht laut Kapo ein technischer Defekt an einem Küchengerät im Vordergrund.

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