Biberist
Der Hochwasserschutz lässt hoffen

Kantonsvertreter haben dem Gemeinderat das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt an der Emme für 19,1 Mio. Franken vorgestellt. Die Bauzeit wird zweieinhalb Jahre dauern – mit ungewisser Startzeit. Der Rat bangt, ob sich die Emme so lange brav verhält.

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Hochwasserschutz Biberist

Hochwasserschutz Biberist

Solothurner Zeitung

Anne-Regula Keller

Seit dem Hochwasser der Emme im Sommer 2005 haben die Gemeindeverantwortlichen Angst vor neuen Überflutungen. Darum drängten sie den Kanton immer wieder, sich mit der Projektierung des geplanten Emmen-Hochwasserschutzes zu beeilen.

Denn vor vier Jahren wurde klar, dass es bei einem nächsten Mal schlimmer kommen könnte. Nun ist entschieden, was genau mit der Emme passieren soll. «Wir stehen kurz vor der Einreichung des Baugesuchs an den Bund, der das Projekt auch mitfinanzieren soll», sagte Martin Würsten, Chef des Amts für Umwelt (AfU), dem Rat. «Wir hoffen dabei auf die erklärte Unterstützung ihrer Gemeinde.»

Schutz, Mehrwert für Natur und Mensch

Das Konzept habe drei Stossrichtungen, erklärte Ingenieur Roni Hunziker (Aarau): Hochwasserschutz (nur geringe Schäden im Überlastfall), Ökologie (mehr Struktur im Flussbett, Aufwertung des Schachenwalds) und Erholungsgebiet (solche erhalten oder schaffen, Emmenraum zugänglich machen).

Das Konzept sei in Koordination mit dem Kanton Bern, den Gemeinden und den anliegenden Industriewerken erarbeitet worden. Für Biberist mit seinem grossen Gefahrenpotenzial sei die Umsetzung sehr dringend. «Darum wurden Konzept und Planung ausnahmsweise gleich parallel erarbeitet», betonte Hunziker.

Man habe das Schadenpotenzial erhoben und gemäss übergeordnetem Recht die Schutzziele und die ökologischen Anforderungen unter einen Hut zu bringen versucht. Die grössten Sicherheitsdefizite lägen beim zu niedrigen Schutzdamm und beim BLS-Damm, an dem sich überschwemmendes Wasser bis zu zwei Meter hoch stauen könne. Was die Ökologie betreffe, sei der Fluss zu eng und zu wenig strukturiert kanalisiert.

Emme bekommt mehr Platz und Struktur

Die Emme bekommt an der Engstelle Biberist durchgehend mehr Platz. Ihr Bett wird von 30 auf neu 40 bis 50 Meter verbreitert. Der Schutzdamm wird auf der ganzen Länge höher und breiter. Auf seiner Krone soll ein breiter, rollstuhlgängiger Weg Erholungsuchenden einen guten Ausblick auf den Emmenraum ermöglichen.

Es wird darum flussseitig weniger Bäume geben. Bei der Emmenbrücke gibt es eine Treppe zum Flussbett. Die obere Schwelle wird breit unterbrochen und auf der Stahlwerk-Seite ist gezielter Objektschutz geplant. 78 000 m3 Aushub werden für den Damm verwendet und müssen abgeführt werden.

43 000 m3 Steine werden für den Uferschutz gebraucht. Es müssen Werkleitungen verlegt und Altlasten entsorgt werden. Das Hochwasserschutzprojekt von der Berner Grenze bis zum Wehr unterhalb der Emmenbrücke wird darum auf 19,1 Mio. Franken veranschlagt.

Schadenpotenzial eine halbe Milliarde

Gemeinderat und Projektvertreter diskutierten Anliegen. Ein Parkplatz beim Pfadiheim in der Uferschutz- und Waldzone habe kaum Chancen, dämpfte Martin Schönberg, Fachstelle Wasserbau beim AfU, die Erwartungen.

Besser sehe es für einen Spielplatz aus, für den der Dammverlauf etwas angepasst werden könnte. Den Dammunterhalt erledigt der Kanton. Er könne aber Kosten an die Gemeinde abwälzen.

Obwohl gewisse Arbeiten angesichts des Gefahrenpotenzials vorgezogen werden, rechnet Schönberg mit dem eigentlichen Baubeginn - wenn alle Bewilligungen vorliegen - nicht vor 2010: «Zudem arbeitet man zur Sicherheit nur abschnittsweise. Weil oft nur zwei Bagger aufs Mal Platz haben, kann man nicht schneller bauen.»

Gemeindepräsident Martin Blaser entrüstete sich: «Das Schadenpotenzial beträgt 500 Mio. Franken. Dass es da keine klaren Vorgaben vom Bund für schnellere Lösungen gibt!» Der Rat beschloss, zuhanden des Bundes sofort eine positive Stellungnahme zu senden.