Papierfabrik
Den überhitzten Tank abgekühlt

In der Nacht auf Donnerstag erwärmte sich ein Wasserstoffperoxyd-Tank in der Utzenstorfer Papierfabrik so sehr, dass die Schichtarbeiter die Feuerwehr alarmierten. Das verdünnte Bleichungsmittel wurde in die Emme abgelassen.

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Berner Rundschau

Normalerweise beträgt die Temperatur des Wasserstoffperoxyds im doppelwandigen Tank zehn Grad. Doch als sich das konzentrierte Bleichungsmittel gestern gegen ein Uhr morgens auf 55 Grad erhitzte, schlugen die Mitarbeiter der Papierfabrik Utzenstorf AG Alarm. Wäre nichts unternommen worden, hätte es den Tank zerreissen können.

«Das wäre dann der Supergau gewesen», sagt Ueli Peter, stellvertretender Werkleiter der Papierfabrik. Er war in der Nacht vor Ort, als die 37 Mann starke Feuerwehr «Untere Emme» eintraf. Diese versuchte, den Tank von aussen mit Wasser zu kühlen. Wenig später traf auch noch die Chemiewehr der Berufsfeuerwehr Bern ein. Wasserstoffperoxyd ist wasserlöslich. Deshalb verdünnten die Wehren darauf den Tankinhalt. Zusätzlich fluteten sie den erhitzten Tank.

«Keine Gefährdung der Umwelt»

Das verdünnte Wasserstoffperoxyd wurde im Fabrikkanal erneut verwässert und schliesslich bei Gerlafingen in die Emme abgelassen. Droht nun dem Fluss ein Umweltfiasko? «Nein», sagt Roland Fuchs, Pikettoffizier der Berufsfeuerwehr Bern. Das Peroxyd sei zu stark verdünnt gewesen. Um die Situation bei Gerlafingen zu beurteilen, wurde das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern (AWA) beigezogen. Nach bisherigen Erkenntnissen sehen dessen Experten «keine Gefährdung der Umwelt.»

Bei dieser Aktion leerte die Feuerwehr «Untere Emme» den gesamten Wasserstoffperoxyd-Tank. Die Chemiewehr war bis 4.30 Uhr vor Ort - der lokale Wehrverband eine Stunde länger. Bis Donnerstag Abend blieb der Tank leer. Nun soll er wieder in Betrieb genommen und mit Wasser gefüllt werden. Gegenwärtig ermitteln die Papierfabrik Utzenstorf AG und die Fachstelle Umweltkriminalität der Kantonspolizei Bern die Gründe dieses Vorfalls. Fakt ist: Das Wasserstoffperoxyd muss sich verunreinigt haben. Dadurch entstand eine chemische Reaktion, die zu einem Temperaturanstieg von 45 Grad geführt hat.

Vielleicht war Lieferung verunreinigt?

«Was der Auslöser war, wissen wir. Aber wir haben noch keine Ahnung, wie das geschehen konnte», sagt Peter. Das Peroxyd könnte beispielsweise bereits in der Lieferung verunreinigt gewesen sein. «Es ist ein seltener Fall, aber wir wussten, dass dies passieren kann», versichert Peter. Aus diesem Grund habe man auch die Flutleitungen installieren lassen. Das Wasserstoffperoxyd verwendet die Utzenstorfer Papierfabrik für ihre Produktion, um das Altpapier zu bleichen und daraus beispielsweise Zeitungspapier herzustellen.