Einkaufszentrum
Das «Stücki» ist nicht alleine

Über 90 000 Quadratmeter soll sich das Mega-Shoppingcenter zwischen EuroAirport und St-Louis erstrecken. Die Gemeinden im Südelsass sind mehrheitlich dafür, nur der Bürgermeister von St-Louis kämpft erbittert dagegen.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

In der trinationalen Region Basel scheinen die Behörden das Allheilmittel gegen die Rezession gefunden zu haben: grosse Einkaufszentren. Die Shopping-Malls nach amerikanischem Vorbild haben in der Tat Hochkonjunktur. Entweder sie existieren bereits (Rheincenter in Weil am Rhein), stehen kurz vor der Fertigstellung (Stücki in Kleinhüningen) oder sind in Planung (Rheinarcaden, ebenfalls in Weil am Rhein).

Geht es nach dem französischen Gemeindeverbund «Communauté de Communes des Trois Frontières» (ComCom) wird westlich des Bahnhofs St-Louis bald ein weiteres Einkaufszentrum hinzukommen. Und zwar nicht irgendeines: Mit 90 000 Quadratmetern soll es das mit Abstand grösste der Region werden.

Das Areal «Technoport» zwischen dem EuroAirport und St-Louis schaffte es in den frühen 1990er Jahren bereits einmal in die Schlagzeilen. Die Messe Basel hatte das Gelände im Fall eines Wegzugs aus der Stadt ausgewählt. Daraus wurde allerdings nichts, die heutige MCH Group beschloss bekanntlich, im Kleinbasel zu bleiben.

Zwei Projekte - verschiedene Dimensionen

Im Südelsass sind sich alle einig, dass die knapp 200 Hektaren grosse Fläche entwickelt werden muss. Nur über das «wie» scheiden sich die Geister. Für das Mega-Einkaufszentrum setzt sich ComCom-Präsident Roland Igersheim ein, der eine Mehrheit der Verbandsmitglieder - sie vertreten zehn Grenzgemeinden, unter anderem Bartenheim, Huningue, Kembs und Saint-Louis - hinter sich hat; die Idee eines viel kleineren Projekts (höchstens 20 000 Quadratmeter) verfolgt hingegen St-Louis' Bürgermeister Jean Ueberschlag, der die Sorgen des örtlichen Gewerbes teilt.

Auf den ersten Blick scheint Ueberschlags Kampf aussichtslos, denn das riesige Einkaufszentrum kommt in der Bevölkerung gut an. Der Maire, der gestern in Paris weilte und deshalb für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, ist jedoch ein politischer Fuchs. Schon mehrmals und oft erfolgreich hat er gegen Grossprojekte im Einzugsgebiet seiner Gemeinde protestiert, zuletzt gegen ein neues Flughafenhotel. Jean Ueberschlag hat bereits zum Angriff geblasen: Vergangene Woche fanden sich an einem Informationsabend knapp 200 Gewerbler von St-Louis ein. Dort machte der Maire gewaltig Stimmung gegen das Shoppingcenter.

Bahnt sich also ein Machtkampf Igersheim - Ueberschlag an? «Nein», sagt der Comcom-Präsident und Bürgermeister von Hésingue auf Anfrage, «denn die Idee eines 90 000 Quadratmeter-Projekts kommt ja nicht von mir.» Das französisch-niederländische Immobilien- und Investmentunternehmen Unibail-Rodamco sei Ende 2006 mit einem Vorschlag auf ihn zugekommen. «Ein Vorschlag, kein Projekt», stellt Igersheim klar. Bis Ende 2010 hat Unibail Zeit, ein Projekt auszuarbeiten; zuerst muss sie aber einen Vorvertrag unterschreiben. Wenn das Unternehmen dies nicht tut, ist das Mega-Einkaufszentrum Geschichte.

Für Jean-Marie Zoellé, stellvertretender Maire von St-Louis, geht es nicht weniger als um das «Überleben» der Gemeinde. Er habe nichts gegen ein Einkaufszentrum im Technoport, doch es müsse zur Region passen. «Wird das Unibail-Projekt gebaut, gehen wir von einem zusätzlich verursachten Verkehrsaufkommen in St-Louis von 1500 Fahrzeugen pro Stunde aus. Wo bleibt denn hier die Lebensqualität?» fragt sich Zoellé.