Bezirksgericht Zürich

Chefin wollte Angestellte mit Gewalt zu Kündigungs-Unterschrift zwingen

Es kam immer wieder zu heftigen Streiterein zwischen der Geschäftsführerin einer Praxis für chinesische Heilkunst und ihrer Angestellten.

Es kam immer wieder zu heftigen Streiterein zwischen der Geschäftsführerin einer Praxis für chinesische Heilkunst und ihrer Angestellten.

Eine chinesische Medizinal-Unternehmerin aus dem Limmattal wurde wegen Nötigung zu Geldstrafe verurteilt. Die Chefin hatte immer wieder Streit mit der Angestellten. Es eskalierte, als sie diese mit Gewalt zwang, die Kündigung zu unterschreiben.

Von wegen sanfte Medizin. In einer Limmattaler Praxis für traditionelle chinesische Heilkunst hat die Geschäftsführerin eine Ärztin körperlich attackiert. Nun wurde die Vorgesetzte wegen versuchter Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt.

«In der Ruhe liegt die Kraft», besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Alles andere als ruhig ging es hingegen in einer Praxis für traditionelle chinesische Heilkunst zu und her. Im Frühjahr 2010 hatte die Geschäftsführerin eine Landsfrau und Ärztin aus ihrer Heimat angestellt. Zuerst verlief die Zusammenarbeit gut. Doch dann traten die ersten Konflikte auf. So stellte die Medizinerin schon bald erhöhte Lohnforderungen. Im Gegenzug verlangte die Arbeitgeberin mehr Einsatz und Pünktlichkeit.

Streit eskalierte

Fest steht, dass die beiden Frauen gegenseitig eine grosse Abneigung entwickelten und nicht mehr miteinander sprachen. Besonders weil es die Ärztin offenbar nicht ertrug, dass sich ihre Vorgesetzte trotz fehlender medizinischer Ausbildung wiederholt in ihre Arbeit einmischte. Laut Anklage kam es am 18. Mai 2011 zum ersten Eklat. Die Ärztin hatte im Rahmen einer Akupunktur-Behandlung gerade die letzten Nadeln in den Rücken eines Patienten gesteckt, als sie sich lauthals über die Arbeitsbedingungen beschwerte. Worauf die aufgebrachte Geschäftsführerin ihre Angestellte am Arm packte und mit einem Polizeigriff nach draussen führte.

Zu Unterschrift nötigen wollen

Am 2. August 2011 kam es zum zweiten Vorfall. Diesmal ging es um eine Kündigung, welche die Ärztin unterschreiben sollte. Sie weigerte sich und flüchtete auf den Balkon. Worauf die Chefin die Geschädigte von hinten am Nacken packte und hineinzerren wollte. Die Ärztin konnte sich losreissen und in ein Zimmer flüchten, wo sie sich einsperrte. Worauf die Beschuldigte wuchtig gegen die Türe trat und sie erneut aufforderte, sofort die Kündigung zu unterschreiben. Ohne Erfolg, da die Medizinerin kurz darauf Strafanzeige erstattete.

Freispruch verlangt

Am Freitag musste sich die Geschäftsführerin wegen Tätlichkeiten sowie versuchter Nötigung am Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihr drohte neben einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 70 Franken eine Busse von 500 Franken.

Die Beschuldigte verlangte einen vollen Freispruch und warf ihrer inzwischen ehemaligen Angestellten reine Lügen vor. Auch die Verteidigung sah die Vorwürfe der Anklage mangels Beweisen als nicht erstellt an.
Zuletzt ohne Erfolg. So kam das Gericht bei der versuchten Nötigung zu einem Schuldspruch und stufte dabei die Belastungen der Ärztin als glaubhaft ein. Hinzu kam, dass die Beschuldigte während der Untersuchung ihre körperlichen Übergriffe noch zugegeben hatte.

Einzig bei den Tätlichkeiten vom Mai 2011 kam das Gericht aufgrund einer fehlenden Intensität zu einem Freispruch und verzichtete deswegen auf eine Busse. Es gehe aber nicht an, jemanden zu einer Unterschrift zwingen zu wollen, befand der Einzelrichter und setzte eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Zudem muss die Beschuldigte sämtliche Gerichtskosten von mehreren tausend Franken tragen. Die finanziellen Forderungen der Privatklägerin wurden auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

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