Michael Spillmann

Die freiwilligen Helfer schnappen sich eine gelbe Weste, testen ihre Taschenlampen und werfen einen letzten Blick auf Einsatzplan und Postenaufteilung. Es ist Samstag, kurz nach 18 Uhr. Und es ist Halloween-Nacht. Einsatzleiter Urs Tschümperlin schwört die Patrouillen auf ihre Aufgabe ein: «Ihr dürft nur bewachen und wegweisen. Wenn etwas passiert, müsst ihr die Polizei benachrichtigen», erklärt der Hauswartungschef der Gemeinde. Die Lichter in allen Schulhäusern und Kindergärten sind bereits eingeschaltet - zur Abschreckung. Für das Schulgelände wurde ein Betretungsverbot für die ganze Nacht verhängt. Die Zeitung ist eingeladen, um über den speziellen Einsatz zu berichten.

«Ihr dürft den Hund nicht von der Leine lassen», mahnt Roland Habermacher von der Gemeindepolizei Wettingen die zehn Hundeführer. Der Auftrag der privaten Patrouillen sei von präventiver Natur. «Nicht, dass jemand mit Handschellen oder Kabelbinden hantiert», fügt er mit einem Lachen an.

Polizei konfisziert 51 rohe Eier

20 Uhr: Bis jetzt alles ruhig auf den Posten rund um das Schulgelände. Drei Schüler marschieren maskiert über den Platz. Sie seien nur an Süssigkeiten interessiert, versichern sie den Feuerwehrmännern. Mitten auf dem Areal steht Michel Grüniger mit seinem Schäferhund. «Die Tiere sind nur nervös, weil es überall Hunde hat», sagt der Neuenhofer, der vom Hundedressurverein für den Nachteinsatz angefragt wurde. Sogar Gemeindeammann Walter Benz spaziert mit seinem Hund bei den Wachposten vorbei. Er stellt fest: «Bis jetzt ist alles ruhig.» Auf der Hauptstrasse verbuchen Polizisten währenddessen einen ersten Teilerfolg: Sie nehmen einer Gruppe Jugendlicher gleich 51 rohe Eier ab. Polizist Roland Habermacher: «Sie hatten sie bereits wurfbereit in den Händen.» Im Peterskeller - dem Pausenraum - gibts es danach nur noch ein Thema: Die konfiszierten Eier. «Da haben sich die Kosten für den Einsatz bereits gelohnt. Die Reinigung wäre teuer geworden», so Einsatzleiter Urs Tschümperlin.

«Das ist schon ein wenig übertrieben»

21.30 Uhr: Vor der Dreifachturnhalle stehen die Jungwachtleiter Thomas Bianchi und Dominik Bürgler in der Kälte. «Bei uns ist definitiv am meisten los», sagen die beiden 17-Jährigen. In der Halle gibts «Midnight Sport», draussen steht eine grosse Gruppe Jugendlicher. Die beiden Aufpasser müssten immer wieder darauf hinweisen, dass in dieser Nacht der Durchgang über das Schulareal gesperrt ist. Daneben diskutiert Jugendarbeiter Heinz Rosenast mit den Jugendlichen. «Hier ist immer etwas los, das hat nichts mit Halloween zu tun», meint er.

23 Uhr: Es wird kälter. Kurz vor der verdienten Pause sagt Feuerwehrmann Marcel Matter: «Es ist nichts Aufregendes passiert. Aber das ist gut so.» Von der gegenüberliegenden Strassenseite nähern sich der 15-jährige Goran und Danilo (14). «Die Sachbeschädigungen vom letzten Jahr waren blöd. Aber das ist schon ein wenig übertrieben», nervt sich Danilo. Und Goran meint: «Wir wollten nur zur Tankstelle. Jetzt mussten wir einen grossen Umweg machen.»

Die Finte lockte die Eierwerfer nicht

24 Uhr: Die Einsatzleitung probierts mit einem Trick. Sämtliche Lichter in den Schulanlagen werden ausgemacht. «Vielleicht versucht dann doch noch jemand aufs Areal zu kommen», mutmasst Urs Tschümperlin. Fehlanzeige: Es tut sich nichts.

2 Uhr: Die Bürgerwehr-Aktion zu Ende, die Truppe löst sich auf. Nach dem Aufräumen und dem verdienten Feierabendbier freut sich der Einsatzleiter: «Wir machten Patrouillen durchs ganze Dorf - es war ein voller Erfolg.»