Es geht für den heute 59-jährigen Mann um alles oder nichts: Im vergangenen Februar verdonnerte ihn das Strafgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Jahren mit anschliessender Verwahrung. Das hiesse faktisch, dass er bis zu seinem Lebensende im Gefängnis bleiben muss.

Das Urteil hat er zur zweiten Instanz weitergezogen, heute findet der Prozess vor dem Kantonsgericht statt.Der Verurteilte hatte im ersten Prozess betont, er habe nichts falsches getan: Alle paar Monate habe er einer Prostituierten Geld gegeben, um seine Gewaltfantasien auszuleben - so sei er während 25 Jahren nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hatte er argumentiert. Die Zeitspanne bezog sich auf frühere Verurteilungen in den 1980er-Jahren; damals wurde er zweimal wegen einer Vergewaltigung zu Freiheitsstrafen von jeweils 4,5 Jahren verurteilt.

Rollenspiel oder Vergewaltigung?

Tatsächlich wurde die Justiz erst wieder auf ihn aufmerksam, als er im Jahr 2004 im Basler Margarethenpark eine ihm bekannte Drogenprostituierte traf. Laut ihren Aussagen folgte eine brutale Vergewaltigung, laut ihm bloss ein abgemachtes Rollenspiel - sie sei aber sauer geworden, weil er am Geldautomaten hinterher bemerkt hatte, dass er ihr die versprochenen 120 Franken nicht sofort habe bezahlen können. Vier Wochen später starb die Frau an einer Überdosis Drogen, das Verfahren wurde danach eingestellt. Ein Sozialarbeiter hatte damals zu Protokoll gegeben, die Frau habe sich ein stabiles Leben aufgebaut und sei durch diese Vergewaltigung psychisch wieder in den Abgrund getrieben worden.

Im Mai 2009 schliesslich suchte der Mann per Inserat eine Putzfrau. Bei der Besichtigung in seiner Wohnung in Frenkendorf schloss der Mann die Türe ab, fesselte und knebelte die Frau zwei Stunden lang, vergewaltigte sie brutal, verarztete sie hinterher und trank dann mit ihr Kaffee. «Das einzig Positive ist, dass er keine Tötungsfantasien hat», lautete das vernichtende Fazit der Gutachterin vor Gericht. Absurderweise durfte sie (wie auch das Gericht) die Fälle aus den 1980er Jahren für die Beurteilung der Rückfallgefahr nicht mehr berücksichtigen, weil diese Taten bereits zu lange zurückliegen. Für die Diagnose der dissozialen Persönlichkeitsstörung hingegen durfte sie das gesamte Leben des Angeklagten begutachten.

12 Jahre plus Verwahrung

Der Verteidiger hatte betont, es gäbe erheblich härtere Sadomasochistische Praktiken als die, die man seinem Mandanten vorwerfen würde. Auch die angeblich hohe Rückfallgefahr sei völlig aus der Luft gegriffen. Abgesehen von einer Tätlichkeit sei sein Mandant deshalb freizusprechen. Die Staatsanwältin hingegen meinte, der Verurteilte habe das Leben zweier Frauen zerstört. Die verhängte Strafe von 12 Jahren plus Verwahrung entsprachen ihrem Antrag.