Horgener Zwillingsmord
Beschuldigte Zwillingsmörderin: «Ich wollte, dass das Baby stirbt»

Nicht aus Versehen, sondern mit Absicht habe sie ihr sieben Wochen altes Töchterchen getötet, hat die heute 39-jährige Beschuldigte im «Zwillingsmord-Prozess» am Donnerstag vor dem Bezirksgericht zugegeben. Die Kleine sollte «für immer still sein».

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Bianca B. hat ihre Zwillinge und noch ein drittes Kind getötet.

Bianca B. hat ihre Zwillinge und noch ein drittes Kind getötet.

Keystone

Sie habe alles versucht, um ihr Baby zu beruhigen, sagte die Beschuldigte. Aber der Säugling schrie und schrie - und obendrein in einem derart schrillen Ton, dass "es war wie ein extrem lautes Pfeifen in den Ohren".

Das Geschrei interpretierte die damals 26-jährige junge Mutter als Vorwurf an sich selbst, etwas falsch zu machen, nicht zu genügen. Dies, obwohl der Arzt sie beruhigte, alles sei in Ordnung, und zu Fencheltee gegen Bauchweh riet.

Sie war "total überfordert mit dem Mami-Sein", das sie sich einfacher vorgestellt hatte. Dennoch holte sie keine Hilfe, sie wollte alles allein schaffen. Bis sie es am Morgen des 8. Juli 1999 nicht mehr schaffte und dem schreienden Kind den Mund zuhielt, bis es für immer verstummte. Die Behörden nahmen damals plötzlichen Kindstod an - die Mutter widersprach nicht.

Zerfressen von Eifersucht

Nicht Hilflosigkeit, sondern zerstörerische Eifersucht und Wut standen hinter der Tötung der siebenjährigen Zwillinge in der Nacht auf Heiligabend 2007. Nach einer problemlosen Babyzeit sei "Eifersucht immer ein Thema" gewesen, seit die Kinder grösser wurden und immer wieder die Grosseltern besuchen wollten.

Wenn sie dort gewesen seien, oder wenn die Grosseltern in Horgen zu Besuch waren, dann "hiess es immer nur Grosi, Grosi, Grosi. Und ich stand daneben und fühlte mich überflüssig", schilderte die Beschuldigte. Die Grosseltern waren liebevoll zu ihren Enkeln, unternahmen viel mit ihnen und beschenkten sie.

Im Empfinden der Mutter hatten die Kinder alles, was sie in ihrer Kindheit entbehrt hatte. Das machte sie wütend auf die Zwillinge. Vielleicht nicht zufällig explodierte diese Wut in der Nacht auf Heiligabend, nachdem die Mutter die Geschenke für die Kinder unter den Christbaum gelegt hatte. Sie ging in die Kinderzimmer und erstickte beide nacheinander mit ihren Kopfkissen.

"Eine grosse Entwicklung"

Der Gerichtspräsident anerkannte ausdrücklich die "grosse Entwicklung", welche die Beschuldigte in den letzten Wochen durchlaufen habe. Nach jahrelangem Leugnen hatte sie sich letzte Woche zu einem umfassenden Geständnis der Tötungen durchgerungen. Dann habe sie Einblicke in das "Warum" der Taten gegeben, so der Gerichtspräsident. Und nun habe sie auch noch die volle Verantwortung für den Tod des Babys übernommen, indem sie die Tötungsabsicht zugegeben habe.

Am 22. Januar folgen die Plädoyers von Anklage, Verteidigung und dem Rechtsvertreter des Vaters der getöteten Kinder als Geschädigter und Privatkläger. Dann hat die Beschuldigte Gelegenheit zu einem Schlusswort. Das Urteil soll am 29. Januar eröffnet werden.

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