Ins Gefängnis muss der Mann aber nicht mehr: Das Gericht sprach für 23 von 36 Monaten eine bedingte Strafe aus, und weitere 13 Monate hat der Mann bereits in Untersuchungshaft verbracht. «Es macht keinen Sinn, ihn nochmals hinter Gitter zu schicken», sagte Gerichtspräsident Martin Müller bei der Urteilsbegründung.

Der Verurteilte hat die Tat stets bestritten, sein Verteidiger plädierte auf Freispruch. Ob er das Urteil weiterzieht, liess er vor den Medien ebenso offen wie der Staatsanwalt, der eine fünfjährige Freiheitsstrafe gefordert hatte.

Sohlenprofil entdeckt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Schweizer kosovarischer Abstammung im Januar 2008 die Filiale der Valiant-Bank am Berner Breitenrainplatz überfallen und Bargeld von 640'000 Franken erbeutet hatte. Füge man die einzelnen Indizien zusammen, ergebe sich ein schlüssiges Gesamtbild, sagte Gerichtspräsident Müller.

Unter anderem wurden auf dem Fluchtweg des Täters Spuren eines Sohlenprofils entdeckt, die identisch sind mit einem Schuhpaar des Beschuldigten. Das Handy des Angeklagten wurde zum Zeitpunkt der Tat im Breitenrain geortet. Auch eine Rekonstruktion der Tat durch Zürcher Rechtsmediziner belastete den Angeklagten.

«Es gibt Zufälle im Leben», räumte Gerichtspräsident Müller ein. Aber die Last der Indizien sei im vorliegenden Fall «nahezu erdrückend».

«Tat geplant»

Der Räuber habe mit dem bewaffneten Überfall die Bankangestellten in Angst und Schrecken versetzt - ob die Waffe geladen gewesen sei oder nicht, bleibe zweitrangig. Der Mann habe die Tat geplant, eine gewisse Kaltblütigkeit an den Tag gelegt und einen hohen Geldbetrag erbeutet.

Von einer halben Million Franken fehlt noch immer jede Spur. Das Gericht geht davon aus, dass das Geld «verbraucht, versteckt oder beiseite geschafft» wurde. Klar ist nur, dass der Mann kurz nach dem Raub gut 80'000 Franken an Schulden beglich. Das Geld ging an Gläubiger seines finanziell angeschlagenen Klubs in der Innenstadt.

Der Verurteilte wird sich auch noch in einem Zivilprozess vor Gericht verantworten müssen. Das Regionalgericht hiess eine Zivilklage der Valiant-Bank im Grundsatz gut.

Bruder freigesprochen

Vollumfänglich freigesprochen wurde der 27-jährige Bruder des Verurteilten. Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe wegen Hehlerei gefordert, weil der Mann am Tatabend einen der Klub-Gläubiger ausbezahlt haben soll.

Doch dafür gebe es weder Beweise noch eine überzeugende Indizienkette, befand das Gericht und sprach dem Mann eine Entschädigung von insgesamt 5500 Franken zu.

Der Bruder, der 45 Tage in Untersuchungshaft sass, hatte eine deutlich höhere Forderung gestellt, weil ihm DJ-Jobs entgangen seien. Er konnte diesen Umstand aber nach Ansicht des Gerichts nicht belegen.