Zugunglück in Rafz ZH
Beide Züge wurden von Lokführer-Aspiranten und Ausbildnern geführt

Fünf Personen sind am Freitagmorgen bei einer Zugskollision beim Bahnhof Rafz ZH verletzt worden, eine davon schwer. Eine S-Bahn und ein Interregio-Zug stiessen seitlich zusammen.

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Zugkollision in Rafz (ZH)
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Der Lokführer des Interregios hatte vorschriftsgemäss den Bahnhof Rafz durchfahren
Sekunden später kam es zur Kollision mit der still stehenden S-Bahn.
Die Lok und fünf Wagen der Interregio-Komposition entgleisten beim Unfall.
Der 49-jährige Lokführer des Interregios, der einen Auszubildenden begleitete, wurde schwer verletzt.
Auch fünf Passagiere waren bei der Kollision leicht verletzt worden.
Die Züge kamen auf einer Brücke zum Stillstand.
Die Waggons entgleisten auf einer Brücke
Ein Grossangebot an Rettungskräften war vor Ort.
Die Rega war mit mehreren Hubschraubern vor Ort.
Auch die Rega war vor Ort.
Auch die Rega war vor Ort.
Auch die Rega war im Einsatz.

Zugkollision in Rafz (ZH)

Newspictures

Am Freitagmorgen um 6.43 Uhr stiessen in Rafz zwei Züge bei einer so genannten Flankenfahrt seitlich zusammen. Der Interregio-Zug 2858 von Zürich nach Schaffhausen und der S-Bahn-Zug 18014 von Rafz nach Schaffhausen prallten auf der Ausfahrweiche Richtung Schaffhausen seitlich aufeinander. Fünf Wagen des Interregio-Zuges entgleisten, zwei Wagen befanden sich in Schräglage.

Beim Unfall wurden fünf Personen aus dem Interregio-Zug verletzt – eine schwer, eine mittelschwer und drei leicht. Alle Verletzten wurden hospitalisiert. Vom Unfall waren knapp 50 Passagiere betroffen. Etwa ein Dutzend sass in der S-Bahn, die anderen befanden sich im Schnellzug.

Wie die SBB mitteilten, waren in beiden am Unglück beteiligten Zügen gerade Lernfahrten im Gang. Sowohl in der S-Bahn als auch im Schnellzug waren je ein Ausbildungslokführer und ein Lokführer-Aspirant an der Arbeit.

Ob diese "Sonderbesetzung" etwas mit der Kollision zu tun hat, ist unklar. Wie Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, gegenüber "TeleZüri" sagte, sei die Konzentration bei solchen Fahrten aber immer besonders gross.

Sicher ist, dass die Strecke zwischen Bülach und Schaffhausen erst vor wenigen Jahren erneuert wurde. Eingebaut wurde dabei ein modernes Stellwerk. Gemäss ersten Angaben der SBB entspricht auch das Zugsicherungssystem dem neuesten Stand. Genaue Abklärungen zur Infrastruktur in Rafz sind aber noch im Gang. Bereits in der kommenden Woche wollen die SBB über die mögliche Unfallursache informieren.

Strecke Zürich–Schaffhausen wohl am Samstag wieder in Betrieb

Die Bergung der beschädigten Fahrzeuge und die Instandstellungsarbeiten an den Anlagen begannen am Freitagnachmittag. Rund 60 Meter Fahrbahn müssen erneuert und ein zerstörtes Mast-Fundament ersetzt werden. Bei der sich an der Unfallstelle befindenden Brücke wurden keine Schäden festgestellt. Voraussichtlich per Betriebsbeginn am Samstagmorgen sollten die Gleise 1–3 in Rafz für die Abwicklung des Zugverkehrs wieder zur Verfügung stehen.

Einer der kollidierten Züge wird von den Gleisen gehievt.
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Einer der kollidierten Züge wird von den Gleisen gehievt.

Keystone

Im Rahmen der ZüriNews publizierte TeleZüri am Freitagmittag eine Sondersendung zum Thema. Der Chefarzt der Spitäler Schaffhausen gab Entwarnung bezüglich des Zustandes der eingelieferten Personen. Über den Zustand des schwer verletzten Mannes wurden keine Angaben gemacht. Er wurde mit einem Rettungshelikopter der Rega ins Spital geflogen.

Anwohner und Betroffene geben über ihre Erlebnisse und Eindrücke Auskunft.

Einen Auszug aus der besagten Sondersendung sehen Sie hier:

Im Bahnverkehr zwischen Zürich und Schaffhausen muss bis Betriebsschluss mit längeren Reisezeiten und Zugsausfällen gerechnet werden. Der Regionalverkehr zwischen Hüntwangen-Wil und Jestetten wird mit Bussen sichergestellt. Die Reisenden von Zürich nach Schaffhausen werden über Winterthur gelenkt; ab Winterthur verkehren doppelstöckige S-Bahn-Züge nach Schaffhausen.

Die Interregio-Züge zwischen Schaffhausen und Zürich fallen bis auf Weiteres aus. Die Verstärkungszüge zur abendlichen Hauptverkehrszeit zwischen Zürich und Schaffhausen werden geführt. Internationale Züge verkehren über Winterthur–Andelfingen.

Warum es zu dieser so genannten Flankenfahrt kam, ist noch unklar. Experten der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) waren bereits kurz nach dem Unglück vor Ort und begannen mit ihrer Arbeit. Auch die SBB und die Staatsanwaltschaft suchen nach dem Grund für die Kollision.

SBB: "Wir bedauern den Unfall sehr"

Sicher ist, dass die Strecke zwischen Bülach und Schaffhausen erst vor wenigen Jahren erneuert wurde. Eingebaut wurde zusätzlich zum bisherigen "Integra-Signum" auch das moderne System "ZUB", wie es bei der SBB auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hiess.

Ersteres warnt den Lokführer beim so genannten Vorsignal, wenn der Zug auf ein Haltesignal zusteuert. Hält der Lokführer nicht an, wird der Zug automatisch abgebremst. Das System "ZUB" wiederum überwacht die Geschwindigkeit des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignal.

Wie es dennoch dazu kam, dass die S-Bahn in den Schnellzug prallte, wird nun abgeklärt. "Wir bedauern den Unfall sehr", betonte Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr SBB, vor den Medien. (nch/sda)

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