Die Ambulanzen des Badener Rettungsdienstes haben auf den meisten Einsatzfahrten ein grosses Hindernis zu überwinden. Die Spitalkreuzung in Dättwil ist ein dicht befahrener, mehrspuriger Verkehrsknoten. Hier war es auch, wo am Montag ein Motorradfahrer starb, der mit einer Ambulanz auf dringlicher Einsatzfahrt kollidierte. Deshalb denkt man jetzt im Kantonsspital Baden (KSB) darüber nach, ob man dort die Ampeln für die Ausfahrt der Ambulanzen jeweils umschalten könnte, um das Unfallrisiko so zu minimieren.

«Wir klären jetzt ab, welche technischen Möglichkeiten es gibt», bestätigte am Mittwoch Dieter Keusch, CEO des KSB, einen Bericht von Radio Argovia. Er habe den technischen Dienst des KSB beauftragt, mit dem Kanton und der Stadt Baden dazu Kontakt aufzunehmen, erklärt Keusch, der die Thematik allenfalls aber auch breiter als nur auf Baden bezogen aufrollen will.

Denn es gibt verschiedene denkbare Lösungen für das Problem. Einerseits könnte man nur die Spitalkreuzung mit einem System ausstatten, das den Ambulanzen per Knopfdruck erlaubt, ungehindert zu passieren. Ein solches kennt beispielsweise die Feuerwehr Baden, die für die Ausfahrt von ihrem Magazin auf die Mellingerstrasse die Ampeln für die anderen Verkehrsteilnehmer für 30 Sekunden auf Rot schalten kann.

Busse können es schon lange

Anderseits benützen Verkehrsbetriebe schon länger das System «Sesam», das ihren Bussen mit Sendern und Induktionsschlaufen im Boden automatisch freie Durchfahrt an Lichtsignalen beschert. Könnte so etwas nicht auch für Ambulanzen realisiert werden, oder generell für Blaulichtfahrten, und im ganzen Kanton?

«Technisch ist das absolut machbar», erklärt Werner Müri, Leiter Verkehrs- und Elektrotechnik im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Allerdings wäre dazu ein erheblicher Aufwand nötig. Müsste man doch alle berechtigten Fahrzeuge mit Sendern ausstatten. Zudem müssten an allen 160 Lichtsignalanlagen im Kanton zumindest softwaretechnische Anpassungen erfolgen, damit diese alle Ampeln auf Rot stellen, wenn sich ein Blaulicht-Fahrzeug nähert.

Um wirklich mehr Sicherheit zu gewinnen, müsste die Anlage den Ambulanzfahrern laut Müri aber auch eine Rückmeldung über das Umstellen liefern, wozu ein zusätzliches Signal nötig würde. Nur etwa die Hälfte aller Aargauer Lichtsignale sei heute zudem überhaupt mit dem System ausgerüstet.

Blaulicht-Fachleute äussern sich zur Idee derweil eher skeptisch. «Das nimmt uns die Verantwortung nicht ab», sagt der Badener Feuerwehrkommandant Toni Suter.

Und: «Wir müssten nach wie vor im Schritttempo über so eine Kreuzung fahren», erklärt Rudolf Scherer, Chef der mobilen Einsatzpolizei (Mepo). Denn an der Taktik, die man auf einer dringlichen Einsatzfahrt zu beachten habe, ändere auch so ein System nichts.