Der 47-Jährige nahm das Urteil stumm entgegen: Es lautete acht Jahre Gefängnis wegen gewerbsmässigen Drogenhandels und Geldwäscherei (bz vom Mittwoch).

Er hatte im Jahr 2009 insgesamt über 40 Kilogramm Heroin gekauft und jeweils kiloweise an Unterverteiler weiterverkauft, teilweise auch Geld ins Ausland geschafft. Wegen der Verurteilung wegen Geldwäscherei musste das Gericht zwingend zusätzlich eine Geldstrafe verhängen.

Äusserst wortkarg

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren verlangt. Das Strafgericht blieb etwas darunter, weil sie das Geständnis des Angeklagten etwas stärker zu seinen Gunsten würdigte.

Der Mann hatte zuerst den Drogenhandel bestritten, daher wurden ihm in insgesamt 18 Einvernahmen sämtliche überwachten Telefongespräche zwischen ihm sowie seinen Lieferanten und Abnehmern vorgespielt.

Kurz vor der Hauptverhandlung unterschrieb er offensichtlich auf Empfehlung seiner Verteidigerin ein umfassendes Geständnis, zeigte sich an der Hauptverhandlung selbst am Dienstag äusserst wortkarg.

Vermutlich taktisch motiviert

Liselotte Henz war von diesem Sinneswandel wenig begeistert und bezeichnete das Geständnis kurz vor der Hauptverhandlung als vermutlich taktisch motiviert wegen der erdrückenden Beweislage, betonte aber ebenso, dass zumindest in 6 der rund 34 vorgeworfenen Kaufs- und Verkaufsfällen die konkret verkaufte Menge an Heroin nicht genügend nachgewiesen war.

«Es kommt auch äusserst selten vor, dass Personen, die so intensiv in den Handel verwickelt sind, überhaupt etwas zugeben», kommentierte Henz. Über die Hintermänner hatte er stets geschwiegen.

Auch sei in den Telefonmitschnitten klar zu erkennen, dass er ohne jegliche Eigeninitiative lediglich das gemacht habe, was ihm aufgetragen worden sei. Andererseits sei er aber auch nie unter Druck gesetzt worden, der telefonische Umgang mit seinem Auftraggeber sei äusserst «kameradschaftlich» gewesen.

Weiteres Verfahren in Serbien

Der Mann hatte sich ab September 2009 bis zur Festnahme im Dezember 2010 vom Heroinhandel ferngehalten. Dies würdigte das Gericht ebenfalls, wies aber darauf hin, dass es keinen Anspruch auf eine sofortige Verhaftung gäbe:

Das lange Zuwarten habe ermittlungstaktische Gründe gehabt, offenbar wollte die Polizei andere Heroinhändler im Netzwerk nicht vorwarnen.

Unter Anrechnung der Untersuchungshaft dürfte der Mann nach zwei Drittel der Strafe in rund vier Jahren vorzeitig entlassen und dann nach Serbien ausgeschafft werden:

Dort wartet ein weiteres Verfahren auf ihn. Was dann aus der Aufenthaltsgenehmigung seiner Frau und seinen Kindern (2, 18 und 19 Jahre alt) in der Schweiz wird, ist unklar. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.