Acht Jahre Gefängnis hatte Staatsanwalt Tomislav Hazler für den 25-jährigen Haupttäter verlangt, das Basler Strafgericht war ein wenig milder: Es schickte den Mann für fünf Jahre und drei Monate hinter Gitter. Er hatte im April 2011 mit einer Softair-Pistole eine Bijouterie in der Basler Falknerstrasse überfallen und dabei Uhren und Schmuck im Wert von über 50 000 Franken erbeutet. Gerichtspräsident André Equey betonte, die Angestellten der Bijouterie hätten dabei Todesängste ausgestanden, denn für sie war nicht erkennbar, dass die Schusswaffe nicht echt war.

Wesentlich stärker zum Strafmass trug allerdings ein zweiter Überfall bei: Der Mann hatte im Januar 2014 einen 85-jährigen Mann in dessen Wohnung in der Güterstrasse brutal überfallen, geschlagen und bewusstlos liegengelassen. Der 25-Jährige hatte vor Gericht beteuert, er habe den Mann nicht geschlagen, auch sei das Opfer noch bei Bewusstsein gewesen, als er die Wohnung verlassen habe. «Diese Relativierungen sind völlig unglaubhaft. Sie haben ihn rücksichtslos am Boden liegen gelassen», sagte Equey dazu. Auch habe er klar Bargeld aus der Wohnung gestohlen, auch wenn der genaue Deliktsbetrag unklar blieb. Das Opfer machte dazu widersprüchliche Aussagen.

Der 25-jährige Mann lebte damals von Sozialhilfe, zwei Tage nach der Tat schenkte er seiner Freundin ein neues iPhone im Wert von 600 Franken. Seit seiner Verhaftung im Februar 2015 sitzt er im Gefängnis und hat inzwischen den vorzeitigen Strafvollzug angetreten.

Während der Hauptverhandlung diese Woche erstaunte er die Richter: Er verriet überraschend den bislang unbekannten Mittäter des Überfalls an der Güterstrasse. Dieser wurde am vergangenen Mittwoch wegen Verdunkelungsgefahr gleich verhaftet und wird sich in einem eigenen Verfahren nun wegen Raubes vor Gericht verantworten müssen.

Betrug mit Software-Verkauf

Für den 25-jährigen kamen noch diverse Verurteilungen wegen gewerbsmässigen Betruges dazu, er hatte jahrelang über die Verkaufsplattform Ricardo selbstgebrannte DVDs mit Windows oder Microsoft-Office-Programmen als «Originalsoftware» verkauft. Zivilrechtliche Forderungen in diesem Zusammenhang sind noch offen, das Gericht verdonnerte den hoch verschuldeten Mann aber bereits dazu, auch den Aufwand der Microsoft-Urheberrechtsanwälte von 50 Stunden zu je 280 Franken zu übernehmen.

Der 28-jährige Cousin des Haupttäters war an dem Raub in der Bijouterie ebenfalls beteiligt, er kam mit 24 Monaten auf Bewährung davon. Ein Geständnis legte er erst spät ab, das Gericht attestierte ihm dennoch ernsthafte Reue. Er verriet schliesslich den 25-jährigen Haupttäter. Ironie der Geschichte: Der nun neu verhaftete Unbekannte ist der Bruder des 28-Jährigen, und der Tipp für den Geldüberfall in der Güterstrasse kam offenbar aus der Familie des Opfers. Alle Urteile können noch weitergezogen werden.