Gennaro (Name geändert) ist kahl rasiert und ein ganz schöner Brocken. Das Essen hinter Gittern scheint dem Italiener zu schmecken.

Ab Mai 2012 war er in U-Haft, seit Juli wird für ihn in Lenzburg gekocht. Zuvor war er ein Jahr lang in einer deutschen Justizvollzugsanstalt verköstigt worden.

Zur Welt gekommen war Gennaro 1984 im Aargau, zwei Jahre später war die Familie zurück nach Kalabrien gezogen.

Dort hatte Gennaro Carrosserie-Monteur gelernt und offenbar schon früh Betrug zu seinem Hobby gemacht. Jedenfalls war er bereits in Italien vorbestraft, als er 2005 nach Deutschland dislozierte, auch dort delinquierte und im Gefängnis einsass.

Handys, Fernseher, Kamera . . .

Danach war Gennaro in die Schweiz gereist und hatte – als er keinen Job fand – hier erneut intensiv seinem Hobby gefrönt.

Teilweise wurde er dabei von seinem Bruder Giulio unterstützt: Der fälschte in Kalabrien diverse Schweizer Ausländerausweise sowie italienische IDs und erstellte handschriftliche Vollmachten von inexistenten Personen.

Alles zusammen faxte er an hiesige Mobiltelefongeschäfte. Dort liess Gennaro sich Handys aushändigen und schloss, unter Verweis auf die gefälschten Dokumente, Verträge. In zwei Monaten kam er so zu 75 Handys.

Swisscom, Orange und Sunrise entstanden Schäden von rund 94 700 Franken, ein Mobiltelefongeschäft ging Konkurs. Gennaro seinerseits bestritt seinen Lebensunterhalt aus dem Erlös, den er erzielte, indem er die Handys unter ihrem Wert an Drittpersonen verkitschte.

Nach Abschluss der «Aktion Handy» verschaffte sich Gennaro anderweitig Einnahmequellen – und nicht zu knapp: Von Ende November 2011 bis zu seiner Verhaftung im Mai 2012 «poschtete» er Fernseher, Kaffeemaschinen, eine Foto- und eine Wärmebildkamera, einen Roboterstaubsauger usw.

Lauter nützliche Dinge im Wert von knapp 33 000 Franken . . . auf Rechnung oder Mietkauf, frei Haus mitgenommen, postwendend mit rund 70% Rabatt weiterverkauft.

Autos und Übernachtungen

Gennaro balbierte auch neun Garagen, wodurch diesen ein Schaden von 4400 Franken entstand. Zu guter Letzt «leistete» er sich ab und zu Hotelübernachtungen für 7500 Franken. Die Kosten gingen, klar doch, zulasten der Hotels.

So reichte denn die Anklage von A wie rechtswidriger Aufenthalt über gewerbsmässigen Betrug und weitere Punkte bis Z wie Zechprellerei. Der Strafantrag der Staatsanwältin lautete auf 3 1/2 Jahre.

Von den weit über 30 Geschädigten wohnten deren zehn der Verhandlung bei. Auf die Frage von Gerichtspräsident Guido Näf nach allfälligen Zivilforderungen meldete sich einer der betroffenen Garagisten: Er wolle kein Geld, im Gegenteil! Er bezahle dem «Herrn» die Reise nach Kalabrien.

Hauptsache er werde umgehend weggewiesen. Nun, das wird noch ein Weilchen dauern. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwältin: 42 Monate!

Zwar soll sich Gennaro in Lenzburg mustergültig verhalten, aber so rund ein Jährchen wird er trotzdem noch bleiben müssen – immerhin bei freiem Logis und augenscheinlich wohlschmeckender Kost.