Sein Pocket-Bike ist am Donnerstag einem 13-Jährigen in Menziken zum Verhängnis geworden (MZ von gestern). Er war auf einem mit Fahrverbot belegten Feldweg unterwegs, der vor dem Parkplatz der Badi endet und dort mit einer Kette abgesperrt ist. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat der Bub diese Kette zu spät bemerkt und fuhr in sie hinein. Obwohl er einen Helm getragen hatte, zog er sich dabei so schwere Verletzungen an Hals und Kopf zu, dass er wenige Stunden später im Kantonsspital Aarau verstorben ist. Der Unfall ist Menziken ist der erste tödliche Unfall mit einem Pocket-Bike im Aargau.

Vor einigen Jahren ein Boom
Beschäftigt haben die Mini-Töffs die Polizei aber schon mehrfach. Ab 2005 lagen sie schweizweit im Trend. Viele wollten Tom Lüthi nacheifern, der soeben Motorrad-Weltmeister in der Kategorie 125 ccm geworden war und seine Karriere auf einem Pocket-Bike begonnen hatte.Die Bevölkerung ärgerte sich über die lärmigen Pocket-Biker, die auf öffentlichen Plätzen, Quartier- und Nebenstrassen umher kurvten. «Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht Meldungen über Fahrten mit Pocket-Bikes auf öffentlichem Grund erhalten», erklärte Rudolf Woodtli, Infochef der Kapo Aargau, im Juli 2006. Und Dieter Holliger, Chef der Regionalpolizei Aargau Süd, die auch für das Wynental zuständig ist, sprach im Jahresbericht 2006 von einem «grassierenden Pocket-Bike-Fieber.

Dieses ist abgeklungen: «2006 und auch noch 2007, haben wir mehrere Pocket-Bikes beschlagnahmt, mit denen auf öffentlichen Strassen oder Plätzen gefahren wurde. Einige stehen jetzt noch bei uns im Keller. Jetzt ist der Boom vorbei», sagt Holliger. Seit Herbst 2007 tauchten Pocket-Biker nur noch vereinzelt auf. Er schreibt das unter anderem dem harten Durchgreifen zu: «Den Besitzern war anfänglich wohl zu wenig bewusst, dass mit diesen Fahrzeugen weder auf auf Quartierstrassen und Feldwegen nöch öffentlichen Parkplätzen gefahren werden darf. Als wir angefingen, missbräuchlich verwendete Bikes zu beschlagnahmen, hat das Ganze an Attraktivität verloren.»

Kaum mehr ein Thema
Holligers Feststellungen decken sich mit jenen der Aargauer Kantonspolizei: «Es gibt kaum noch Meldungen wegen Pocket-Bikern», erklärt Mediensprecher Bernhard Graser. In den Nachbarkantonen macht man die gleichen Feststellungen: «In früheren Jahren gab es viele Meldungen über Pocket-Bikes auf Feldwegen, Parkplätzen oder Firmenarealen. Seit Anfang 2009 ist es diesbezüglich ruhig. Auch Unfälle hatten wir nicht mehr zu verzeichnen», sagt Mediensprecher Urs Eggenschwiler von der Kapo Solothurn. Die Kantonspolizei Baselland hingegen hat noch im Frühjahr 2009 ein Pocket-Bike beschlagnahmt, wie Mediensprecher Rolf Wirz erklärt. An gravierende Vorfälle in den vergangenen Jahren vermag er sich nicht erinnern, lediglich an gelegentliche Meldungen über Fahrten in Quartieren. Aus dem Kanton Bern tönt es ähnlich: «Das Pocket-Bike ist im Moment kein Thema, das die Kantonspolizei Bern beschäftigt», sagt Mediensprecherin Rose-Marie Comte.