Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte den Mann aus der Region Bern wegen fahrlässiger Tötung und mehrfachen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten unbedingt.

Der Rentner war stark betrunken unterwegs, als er im November 2011 den Unfall verursachte. Die Polizei errechnete für den Unfallzeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,79 Gewichtspromillen. Sie stoppte den Mann rund zwei Stunden nach dem Unfall, als er nach weiterem Alkoholgenuss nach Worb zurückfuhr.

Der Gerichtspräsident sprach am Donnerstag bei der Urteilseröffnung in Bern von "ganz grober, bewusster Fahrlässigkeit" an der Grenze zum Eventualvorsatz. "Nur mit viel Glück gab es auf dieser Trunkenheitsfahrt keine weiteren Opfer". Der Mann habe Ende 2011 "ein ganz erhebliches Alkoholproblem gehabt".

Aufgrund von drei belastenden Zeugenaussagen, den widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten und aufgrund von zwei Gutachten gebe es "nicht den geringsten Zweifel" an der Schuld des 73-jährigen.

Der Rentner hatte nach dem Unfall zuerst bestritten, überhaupt durch Worb gefahren zu sein. Später gab er es zu und sagte auch, in Worb ein "Rumpeln" bemerkt zu haben. Er habe dies aber nicht als Unfall wahrgenommen. Vor Gericht sagte er, er wisse nicht, wer den Unfall verursacht habe. "Das möchte ich auch wissen".

Der Unfall trug dazu bei, dass der Kanton Bern Anfang 2012 sämtliche 3100 Fussgängerstreifen auf den Kantonsstrassen auf ihre Sicherheit hin überprüfen liess.

Verfahren könnte Untersuchungen beeinflussen

Umfangreiche kriminaltechnische Untersuchungen führten zur Anklage des Mannes im Februar dieses Jahres und nun zur Verurteilung. So untersuchte das Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Bern anhand von dreidimensionalen Aufnahmen des Autos des Rentners und des verunglückten Knaben die am Fahrzeug festgestellten Dellen.

Das IRM stellte unter anderem fest, dass die Spuren am Auto mit der Form des Trottinetts übereinstimmen. Ausgehend von diesen Untersuchungen fand der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Bern dann Mikrospuren von gleicher Beschaffenheit wie das Material des Trottinetts auf dem Auto des Rentners und umgekehrt.

Eine solche gegenseitige Spurenübertragung sei selten und habe eine hohe Aussagekraft, sagte ein Kriminaltechniker vor Gericht.

Erst nach Vorliegen des sogenannten morphometrisch-rekonstruktiven Gutachtens des IRM suchten die Berner Kriminaltechniker an der richtigen Stelle. Das wird laut dem Berner Staatsanwalt Cesar Lopez dazu führen, dass in Zukunft unter Umständen solche Gutachten in Strafuntersuchungen früher in Auftrag gegeben werden als bisher.

Laut Lopez wurden diese Gutachten bisher jeweils am Schluss erstellt, nach dem Sammeln aller Beweismittel. Das Verfahren um den Unfall in Worb könnte also künftige Strafuntersuchungen beeinflussen.

Lopez hatte am Prozess eine Freiheitsstrafe von 46 Monaten verlangt, die Verteidigung einen Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Es bestünden zu viele Zweifel an der Schuld des Rentners.

Berufung offen

Der Anwalt des Rentners, Peter Saluz, sagte nach Prozessende, er werde sicher Berufung anmelden. Ob er die Berufung nach Vorliegen der Urteilsbegründung auch bestätigen werde, sei offen.

Lopez sagte, er sei zufrieden mit dem Urteil und gehe nicht von einem Weiterzug des Urteils aus. Er werde aber Anschlussberufung einlegen, falls die Verteidigung das Urteil weiterziehe.