Bezirksgericht Lenzburg
Aargauer Grüsel-Vater vergriff sich an Tochter

Das Bezirksgericht Lenzburg hat einen Vater aus dem Seetal zu zwei Jahren bedingter Haftstrafe und vier Jahren Probezeit verurteilt. Der Grund: Sexuelle Handlungen mit seiner Tochter.

Silvan Hartmann
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Der 45-jährige Schweizer vergriff sich an seiner eigenen Tochter (Symbolbild!)

Der 45-jährige Schweizer vergriff sich an seiner eigenen Tochter (Symbolbild!)

Keystone

Er starrte bei der Urteilsverkündung emotionslos auf den Boden des Gerichtssaals und stützte sich stehend am Stuhl ab. «Ich weiss, dass ich Schlechtes getan habe und es tut mir leid. Ich würde mich gerne bei meiner Tochter entschuldigen», sagte der 45-jährige Vater aus dem Seetal am Donnerstag abschliessend im Gerichtssaal in Lenzburg.

Der Schweizer wurde vom Bezirksgericht zu zwei Jahren bedingter Haftstrafe und vier Jahren Probezeit verurteilt. Zudem muss er seiner Tochter 10 000 Franken Genugtuung bezahlen.

Die Geschichte begann 1999: Das Mädchen erlangte im Alter von 7 Jahren die Kenntnis über die Identität ihres leiblichen Vaters. Sie wuchs jedoch bei ihren Grosseltern im Freiamt auf, da ihre Eltern, die nur wenige Monate zusammen waren, keine Verantwortung übernehmen wollten. Das Mädchen litt stark darunter, sodass sie psychische Probleme bekam und in therapeutische Behandlung musste. «Es ist das Schlimmste für ein Kind, ohne Eltern aufwachsen zu müssen», sagte die heute 19-Jährige vor Gericht.

Sie speicherte ihren Vater «Schatzi»

Mit 9 Jahren sah sie zum ersten Mal ihren Vater. Ab dem 13. Altersjahr erfolgte regelmässiger Kontakt. Und zwei Jahre später schrieben sich der Seetaler Vater und die Tochter regelmässig SMS.

Das Mädchen war froh, endlich einen Vater zu haben, der für sie da war. Eine Bezugsperson, die sie auf keinen Fall wieder verlieren wollte. Doch plötzlich begann er, ihr zweideutige SMS zu senden. «Die kamen aber auch von ihr», betont er vor Gericht.«Ich habe mitgemacht, weil ich meinen Vater nicht verlieren wollte. Gern habe ich es aber sicher nicht gemacht», so die Tochter dazu.

Die damals 17-Jährige speicherte ihren Vater im Handy «Schatzi», da mit der Zeit ein Kontaktverbot bestand und sie die Beziehung zu ihrem Vater tarnen wollte, sodass niemand darauf kommen würde, in welch enger Beziehung sie zu ihrem Vater lebte. Sie versicherte jedoch vor Gericht, dass sie bei den Treffen ihn immer «Papi» nannte. Immer wieder betont sie, dass sie dies alles nur gemacht habe, um ihren Vater nicht zu verlieren.

Kein Sex - wegen Tampon?

Ab Mai 2009 verbrachte die Tochter einmal im Monat ein Wochenende beim Vater. Hierzu holte dieser die Tochter jeweils im Kanton Zürich ab und fuhr über den Hirzel nach Hause.

Auf der Fahrt soll der Vater mehrmals einen Kuss von der Tochter verlangt haben, die oftmals in Zungenküssen endeten, wie beide vor Gericht bestätigten. «Ich wollte das aber nicht. Es war hässlich», so die Tochter. Mehrmals hielt der Vater auf eigene Initiative auf dem Hirzel an und betatschte seine Tochter im Intimbereich.

Einmal soll er seine Tochter oral befriedigt haben, was der Vater jedoch bestreitet. Zu Sex kam es nie, wie auch die Tochter bestätigt. Offenbar versuchte der Vater in einer Nacht im Oktober 2009, als die Tochter bereits im Gästezimmer schlief, ihr einen «Gutenacht-Kuss» zu geben und dann in sie einzudringen. Dies gelang ihm laut Tochter nicht, weil sie einen Tampon trug. Daraufhin onanierte er ihr auf den Bauch.

Spermaspuren auf Pyjama

Der Vater des Opfers bestritt bei den ersten Vernehmungen die sexuellen Handlungen so lange, bis die Beweislast so erdrückend war, dass er ein Teil-Geständnis ablegte. Denn auf dem Pyjama der Tochter konnten von der besagten Nacht Spermaspuren des Vaters asserviert werden.

Das Bezirksgericht stufte den Wahrheitsgehalt der Tochter deshalb höher ein und verurteilte den Vater nach Strafantrag. Er habe seine Stellung und sein Vertrauensverhältnis als Vater missbraucht und ausgenutzt. Seine sexuelle Befriedigung stand stets im Vordergrund und er habe «total egoistisch» gehandelt, befand das Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des Vaters geht jedoch davon aus, dass sein Klientel und er das Urteil akzeptieren. «Ich werde das mit ihm noch anschauen», so der Verteidiger gegenüber der az.

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