Bezirksgericht Zürich

53-jähriger Mann ertrog Arbeitslosengelder und muss nun ins Gefängnis

Zur Strafe muss der 53-Jährige für 27 Monate ins Gefängnis. (Symbolbild)

Zur Strafe muss der 53-Jährige für 27 Monate ins Gefängnis. (Symbolbild)

Ein 53-jähriger Mann hat im Kanton Zürich über mehrere Jahre Arbeitslosengelder und Sozialleistungen für rund 310'000 Franken ertrogen. Nun muss der Betrüger für über zwei Jahre ins Gefängnis. Der Mann zeigte sich am Freitag vor Gericht geständig.

Im Sommer 2004 hatte sich der Betrüger bei einer Arbeitslosenkasse in Dietikon als Erwerbsloser gemeldet. Er habe seine gut bezahlte Stelle bei einer Chemiefirma verloren, gab er an. Bis zum Januar 2006 kassierte der Mann aus Birmensdorf deshalb Entschädigungen für insgesamt rund 130'000 Franken.

Nur: Der Beschuldigte hatte noch nie bei einer Chemiefirma gearbeitet, sondern gefälschte Dokumente eingereicht. Eine inzwischen verstorbene Person aus dem Zürcher Milieu hatte den Birmensdorfer zu den krummen Geschäften überredet - und auch einen Teil der ertrogenen Gelder eingesteckt.

Zwischen März 2007 und September 2008 führte der Angeklagte eine weitere Arbeitslosenkasse hinters Licht und kam zu weiteren 125'000 Franken. Nach einer Unfallmeldung kassierte er zudem Unterstützungsgelder für über 50'000 Franken - ebenfalls illegal, da er in Wahrheit als Mediaberater arbeitete.

Anklage fordert dreijährige Freiheitsstrafe

Vor über zwei Jahren entschloss sich der psychisch angeschlagene Betrüger zu einer Selbstanzeige. Die Staatsanwaltschaft stellte in der Folge einen Deliktsbetrag von rund 310'000 Franken fest.

Die zuständige Anklägerin sprach am Freitag vor Gericht von einem schweren Verschulden des Familienvaters und verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Der Beschuldigte sei äusserst dreist vorgegangen, sagte sie. Das Geld habe er für einen komfortablen Lebensstil aufgewendet und seinem Sohn ein Privatgymnasium finanziert.

Die Verteidigung hingegen schob die Schuld in erster Linie dem Bekannten aus dem Milieu zu und setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten ein. Im schlimmsten Fall sei der Strafvollzug zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufzuschieben, plädierte der Anwalt und verwies auf die seelische Störung des ehemaligen Heimzöglings. Dieser sei als Kind von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden.

Ambulante Psychotherapie

Das Gericht lehnte einen Aufschub der Gefängnisstrafe ab. Der einschlägig vorbestrafte Angeschuldigte hatte bereits vor über zehn Jahren eine letzte Chance im Rahmen einer ambulanten Therapie erhalten - diese jedoch wegen Rückfällen verspielt.

Eine Bewährungsstrafe kam aufgrund der Vorstrafen für das Gericht ebenfalls nicht in Frage. Der Betrüger sei kein willenloses Werkzeug des Bekannten aus dem Milieu gewesen, vielmehr habe es sich um Teamwork gehandelt.

Die Selbstanzeige und das umfassende Geständnis führte aber zu einer Strafsenkung auf 27 Monate Gefängnis. Das Gericht ordnete während des Strafvollzugs eine ambulante Psychotherapie an.

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