Bremgarten
5 Jahre Knast für Pädophilen: «Ich würde so einen selber umbringen»

Ein 41-jähriger Italiener wurde wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind und Pornographie vom Bezirksgericht zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt plädierte auf Verwahrung. Das unfassbare Martyrium eines elfjährigen Mädchens.

Rosmarie Mehlin
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Der 41-jährige Italiener Gino wurde zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt (Symbolbild)

Der 41-jährige Italiener Gino wurde zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt (Symbolbild)

Keystone

Auffällig an dem 41-jährigen Italiener Gino (alle Namen geändert) ist nichts, ausser seine geringe Körpergrösse und dass er während der Befragung durch Gerichtspräsident Lukas Trost weint.

Seit 27 Monaten sitzt der 41-jährige Italiener hinter Gitter, inzwischen im vorzeitigen Strafvollzug.

In einem Bericht der Justizvollzugsanstalt wird er als arbeitswillig und hilfsbereit, aber auch kindlich und unbeholfen beschrieben.

Nachdem sein erlernter grafischer Beruf technischen Entwicklungen zum Opfer gefallen und er arbeitslos geworden war, hatte Gino sein Hobby - das Fotografieren - zum Erwerb gemacht.

Jürgen, der Berufskollege

2009 machte er im Internet Bekanntschaft mit einem Berufskollegen in Deutschland. Dieser Jürgen lud Gino im August 2009 zu sich in die Baden-Württembergische Kleinstadt zu einem Fotoshooting mit seiner Stieftochter ein.

In seinen Mails hatte Jürgen zwischen den Zeilen Klartext geschrieben: Die 11-jährige Lisa wisse schon sehr gut, wie sie Männern Gutes tun könne. . .

Vor Gericht aber behauptete Gino, er sei in gutem Treu und Glauben als seriöser Fotograf nach Deutschland gefahren.

Oral- und Geschlechtsverkehr

Dort war man in Jürgens Fotostudio rasch zur eigentlichen Sache gekommen: Die beiden Männer und die kleine Lisa hatten sich ausgezogen und das Mädchen hatte seinen Stiefvater oral befriedigt, was Gino in einer Vielzahl von Bildern fotografisch festhielt.

Danach wurden die Rollen getauscht: Die Elfjährige befriedigte Gino oral bis zum Samenerguss und Jürgen knipste es.

Danach machte Gino weitere pornographische Aufnahmen von dem Kind. Zurück in die Schweiz speicherte Gino die Bilder sowohl auf seinem PC, wie er sie auch an Jürgen übermittelte.

Fünf Monate danach kam es zu einem Gegenbesuch. In Zürich hatte Gino zunächst legale Aufnahmen von Lisa gemacht.

Später dann in Ginos Wohnung im Bezirk Bremgarten hatte er fotografisch festgehalten, wie Jürgen den Geschlechtsverkehr an seiner Stieftochter vollzog.

Dann hatte Lisa den Italiener erneut oral befriedigt und hatte dieser anschliessend auch wieder weitere Fotos des nackten Mädchens gemacht.

Mit Drohung gefügig gemacht

Im September jenes Jahres war es Ermittlern des Bundeskriminalamt (BKA) gelungen, einen grossen Pädophilen-Ring zu sprengen.

Drahtzieher darin war der 60-jährige Jürgen. Er wurde beschuldigt, seit Lisa neunjährig war, sich mehr als 200 Mal an ihr vergangen, sie auch an andere Männer für bis zu 300 Euro verkauft sowie von den Missbräuchen Videos hergestellt und diese ins Netz gestellt zu haben.

Jürgen hatte Lisa und ihre Mutter aus deren Heimat in Asien nach Deutschland geholt. Hier hatte er seine Stieftochter mit der Drohung gefügig gemacht, dass er sie in ihrer Heimat in ein Kinderheim stecken werde, wenn sie nicht tue, was von ihr verlangt werde.

Vom Landgericht Baden-Baden wurde Jürgen 2012 zu 12 Jahren Haft und anschliessende Sicherungsverwahrung verurteilt; weitere Männer wurden dort ebenfalls zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Für Gino, hier in der Schweiz angeklagt, forderte der Staatsanwalt vor Bezirksgericht Bremgarten eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren mit anschliessender Verwahrung.

Nebst mehrfachen, gemeinsam von mehreren Personen ausgeführten sexuellen Handlungen mit einem Kind und Pornographie, war der 41-jährige auch angeklagt der Schändung sowie der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte.

2006 hatte er intimste Körperteile seiner damaligen Freundin, während diese schlief, gefilmt, die Frau ebenfalls auch ohne ihr Einverständnis im Badezimmer sowie am Schreibtisch aufgenommen.

«Solche Dinge sind schrecklich, hässlich und abartig»

Gino hatte zunächst alles zugegeben, aber - nachdem der Gutachter bei ihm Pädophilie feststellte - teilweise widerrufen.

Auch vor Gericht wies er pädophile Neigungen weit von sich. Er sei Jürgens Ruf nach Deutschland gefolgt, weil er gehofft habe, in Deutschland als seriöser Fotograf Fuss fassen zu können.

Jürgen habe ihn dann aber unter Druck gesetzt; was er getan habe tue ihm sehr leid und er schäme sich: «Diese Dinge sind schrecklich, hässlich, abartig. Wenn ich selber Kinder hätte, würde ich den, der das mit ihnen macht, umbringen», so Gino vor Gericht.

Und auf die Frage von Präsident Trost, ob er sich vorstellen könne, künftig aufs Fotografieren zu verzichten: «Das würde mir sehr schwer fallen. Aber sicher werde ich nie mehr Minderjährige aufnehmen.»

Gino ist vorbestraft: 2008 eine bedingte Geldstrafe wegen Pornographie, im selben Jahr eine unbedingte wegen Exhibitionismus vor Kindern und 2009 eine bedingte wegen Nichtabgabe von Ausweisen.

Kein eingefleischter Sexualstraftäter

Der Staatsanwalt plädierte auf Verwahrung, weil gegen Pädophilie keine erfolgsversprechende Behandlung möglich und die Rückfallgefahr gross sei.

Der Verteidiger betonte, Gino sei kein eingefleischter Sexualstraftäter und durch Jürgen in etwas hineingeschlittert, dass er weder gesucht, noch gewollt habe.

Er kritisierte den Gutachter als «überfordert» und «parteiisch». Gino sei zu lediglich 30 Monaten Haft zu verurteilen und auf keinen Fall verwahrt werden.

Das Verdikt des Gerichts: Fünf Jahre Freiheitsstrafe und eine vollzugsbegleitende Therapie.