Mordprozess
44-jähriger Tamile steht nach 16 Jahren vor Basler Gericht

Ein Mann aus Sri Lanka, der vor 16 Jahren in Basel seine ehemalige Freundin erstochen haben soll, muss sich seit Mittwoch vor dem Basler Strafgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. Der Angeklagte hüllt sich in Schweigen.

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Das Basler Strafgericht. (Archiv)

Das Basler Strafgericht. (Archiv)

Kenneth Nars

Der heute 44-jährige Tamile wird beschuldigt, im Dezember 2000 an der Klybeckstrasse in Basel seine damals 23-jährige Ex-Freundin in deren Wohnung umgebracht zu haben. Die junge Frau, die ebenfalls aus Sri Lanka stammte, war von ihrer Mutter mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden worden.

Angeklagter schweigt und bestreitet Tat

Vor der Fünferkammer des Basler Strafgerichts verweigerte der Angeklagte jegliche Aussagen, zumal es sehr schwierig sei, nach 16 Jahren präzise Angaben zu machen, sagte die Verteidigerin. Ihr Mandant bestreite aber die Tat. Davon höre er zum ersten Mal, sagte der Staatsanwalt.

Gewaltsam ums Leben gekommen war die Tamilin in der Nacht auf den 13. Dezember 2000. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, seine Ex-Freundin skrupellos mit einem Messer getötet zu haben. Schon vor dieser Tat habe er sie immer wieder bedroht und auch verletzt.

In der Anklageschrift wird der Anklage als sehr eifersüchtig beschrieben. Als sich seine Ex-Freundin von ihm trennte, habe er mit einer Mischung aus verletztem Stolz, massiver Wut und nicht aufgegebener Hoffnung reagiert.

Wenige Stunden nach dem Tod der jungen Frau ergriff der Beschuldigte die Flucht. Der Mann, der zehn Jahre in der Schweiz gelebt und unter anderem als Kellner gearbeitet hatte, verliess das Land und ging schliesslich nach Neuseeland.

Neues Leben mit falscher Identität

In seiner neuen Heimat fing er 2001 mit falscher Identität und gefälschten Dokumenten ein neues Leben an. Er heiratete, wurde Vater von zwei Kindern und führte in Auckland ein Lebensmittelgeschäft. 2004 erhielt er sogar die neuseeländische Staatsbürgerschaft.

Erste Ende 2014 wurde der Angeklagte aufgrund von Hinweisen enttarnt. Seine Auslieferung in die Schweiz versuchte er mit verschiedenen Einsprachen zu verhindern, erfolglos. Seit August 2015 befindet er sich in Basel in Sicherheitshaft.

Die Verteidigung beantragte am Mittwoch eine Zweiteilung des Prozesses, um zuerst die Täterschaft zu klären und erst danach die Tat zu qualifizieren. Diese lehnte das Gericht ebenso ab wie die ebenfalls von der Verteidigung beantragte Befragung der heutigen Ehefrau des Angeklagten.

Deren Aussagen hätten den Beschuldigten in einem besseren Licht erscheinen lassen sollen. Die Staatsanwaltschaft berufe sich in der Anklageschrift ausschliesslich auf Belastungszeugen, kritisierte die Verteidigung.

Urteil am Freitag

Dagegen erlaubte das Gericht dem Angeklagten, seine beiden Kinder an den Prozesstagen vor dem Rücktransport ins Gefängnis für jeweils zehn Minuten zu treffen. Der achtjährige Sohn und die zwölfjährige Tochter haben ihren Vater seit anderthalb Jahr nicht mehr gesehen.

Der Prozess ist auf drei Tage angesetzt. Das Urteil soll am Freitagnachmittag verkündet werden.