Hinter der Tat wird die Terrorgruppe Boko Haram vermutet, die erst vor wenigen Tagen in dem gleichen Dorf über 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt hatte. Die Einwohner hielten offenbar gerade ein Massenbegräbnis ab, als die Extremisten erneut zuschlugen.

Auf der Brücke befanden sich nigerianische und kamerunische Grenzposten. Die Zahl der Opfer könnte noch weiter steigen. "Ich glaube, dass immer noch Leute unter den Trümmern begraben sind", sagte ein Anwohner.

Kerry appelliert an internationale Gemeinschaft

Die Boko Haram, die im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat einrichten will, hat seit 2009 zahlreiche schwere Anschläge mit über 6000 Toten verübt. Vor knapp einem Monat verschleppten Mitglieder der Gruppe über 200 Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren aus einer Schule. In einem Bekennervideo hiess es, sie sollten als Sklavinnen verkauft werden.

Die Verschleppung veranlasste US-Aussenminister John Kerry zu einem dramatischen Appell. Es seien jetzt nicht nur Worte der internationalen Gemeinschaft gefragt, sondern konkrete Hilfen.

"Die gesamte Welt sollte diese Schandtat nicht nur verdammen, sondern alles nur Mögliche tun, um Nigeria in den nächsten Tagen zu helfen", sagte Kerry am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. Die USA würden alles tun, damit die verschleppten Mädchen wieder zu ihren Familien zurück können.

US-Team engagiert sich gegen Boko Haram

"Wir tun zugleich alles Mögliche, um der Gefahr von Boko Haram zu begegnen." Mitglieder eines US-Teams würden derzeit in Nigeria eintreffen, fügte Kerry hinzu.

Die USA stufen Boko Haram seit Ende vergangenen Jahres als Terroristenorganisation ein. Das Aussenministerium in Washington geht davon aus, dass die Gruppe die Schülerinnen bereits in kleine Gruppen aufgeteilt und ausser Landes gebracht habe, sagte Sprecherin Marie Harf.

Dem entsandten US-Team gehören nach offiziellen Angaben unter anderem Spezialisten der Bundespolizei FBI und des Militärs an. Der stellvertretende Sprecher von US-Präsident Barack Obama, John Earnest, sagte, bei den Amerikanern handle es sich zumeist um Berater. "Wir denken derzeit nicht über eine aktive militärische Operation nach."

Neben den USA und Grossbritannien boten weitere Länder Nigeria Hilfe an, darunter Frankreich, China und Kanada. Die Regierung des westafrikanischen Landes wirkt völlig machtlos im Kampf gegen die Extremisten, die im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten wollen und immer wieder blutige Anschläge verüben.