Montenegro
21 Jahre alt und schon 61 Diebstähle

Wegen gewerbsmässigen Diebstahls in 61 Fällen ist ein junger Mann aus Serbien-Montenegro vom Bezirksgericht Kulm verurteilt worden.

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Diebstahl

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Keystone

Der junge Angeklagte, wohnhaft im Oberwynental, hatte sich für 64 Diebstahldelikte vor dem Bezirksgericht Kulm zu verantworten. Er kassierte für seine Vergehen eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten.

Im April wird Alban (Name geändert) gerade mal 21 Jahre alt. Schlank, mit langem blondem Haar, schmalem Bart, sauber gekleidet, sass er vor dem Bezirksgericht Kulm, Vorsitz Gerichtspräsident Christian Märki. Dem Angeklagten wurde von der Staatsanwaltschaft gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vorgeworfen.

Alban ist als 12-jähriger Knabe mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern aus Kosovo im Rahmen des Familiennachzuges ins Oberwynental eingereist. Hier besuchte er die Oberstufe der Kleinklasse und arbeitete nach der obligatorischen Schulzeit temporär bei einem Gerüstbauer. In den letzten Jahren war er auch mehrfach arbeitslos und wurde von seinem Bruder unterstützt.

Im März 2009 wurde Alban für 15 Tage in Untersuchungshaft gesetzt und von der Polizei zu insgesamt 64 Diebstählen befragt. Die meisten der ihm vorgehaltenen Delikte hat Alban gestanden, wenn er sich auch anfangs - so war in der Verhandlung zu hören - nicht immer kooperativ zeigte. Obschon Alban bereits seit 12 Jahren in der Region lebt, liess er sich die Fragen des Gerichtspräsidenten und seine Antworten von einem Dolmetscher übersetzen.

Alban erinnerte sich schlecht

Gestohlen hat Alban vorwiegend Bargeld, Handys, Fotoapparate aus unverschlossenen Autos, aus Wohnungen und Garderoben in Turnhallen. Auch in unverschlossene Einfamilienhäuser ist er eingedrungen, um nach Wertgegenständen zu suchen. Selbst vor dem Stehlen bei betagten Personen schreckte er nicht zurück. So verschaffte er sich unter dem Vorwand, Eier kaufen zu wollen, Zutritt zu einem Bauernhaus und durchsuchte im Beisein der betagten Bewohnerin Schränke und Schubladen.

Vor Gericht zeigte sich, dass sich Alban nicht mehr an alle Vorkommnisse erinnerte, die er in der Befragung durch die Polizei noch gestanden hatte. Jetzt bestritt Alban plötzlich mehrere Vorwürfe mit der Begründung, er sei während der Untersuchungshaft unter psychischem Druck gestanden.

«Ich wollte rasch raus, da habe ich halt mehr gestanden, als ich verbrochen habe.» So äusserte Alban mehrmals: «Es ist schon möglich, dass ich das gemacht habe.» Die Befragung durch den Präsidenten legte offen, dass Alban jedoch gewisse Details kannte, weil er am Ort gewesen war.

Der Pflichtverteidiger warf in seinem Plädoyer den Untersuchungsbehörden mangelnde Tiefe vor und bezweifelte die Höhe der Deliktsumme von 51000 Franken, sie sei viel zu hoch angesetzt. Er plädierte darauf, nur die 35 gestandenen Delikte zu beurteilen, zudem seien die Diebstähle von Alban weder gewerbsmässig noch planmässig verübt worden. Der Anwalt verlangte auch, dass ein bedingter Strafbefehl aus dem Jahre 2008 von 1740 Franken nicht widerrufen werde. Alban zeige Reue und sei bereit, den Zivilklagen nachzukommen.

Gericht folgt mehr der Anklage

Das Gericht verurteilte Alban zu 21 Monaten Freiheitsstrafe bedingt, mit einer Probezeit von 4 Jahren, und zu einer Busse von 600 Franken. Es widerrief die Vorstrafe (sie ist jetzt zu bezahlen). Ebenso muss Alban für die Gerichtskosten und den Pflichtverteidiger aufkommen.

«Alban hat raffiniert und skrupellos gehandelt», sagte der Präsident. Obschon der Angeklagte zuerst wenig Einsicht und Reue zeigte, sei die Prognose nicht schlecht. Alban habe jetzt eine feste Arbeitsstelle und verdiene genügend Geld, um seine Schulden zu zahlen, auch die Forderungen der geschädigten Personen, die auf dem Zivilweg klagten.(psi)