Flugzeug
Die Schweizer Luftwaffe kommt nach Grenchen

Ein historisches Modellflugzeug eigenhändig pilotieren, das PC-7-Team im Formationsflug beobachten und am Steuerknüppel eines Helikopters sitzen: All das und noch viel mehr bietet der Flughafen mit seinen Partnern in der Woche vom 21. bis 27. Juni.

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Lieber vorausfliegen als hinterherhinken

Lieber vorausfliegen als hinterherhinken

Solothurner Zeitung

Daniela Deck

«Das Kuriose an dem Anlass ist, dass er sich selbst gebildet hat. Wir sind den Ereignissen fast immer hintendreingehinkt», erzählte Flughafendirektor Andreas Wegier gestern an der Medienkonferenz. Zuerst war bloss bekannt, dass die Helikopterpiloten ihre Schweizer Meisterschaften im Präzisionsflug in Grenchen abhalten werden.

Dann fragten die Ballonfahrer für ihre Meisterschaft an, und das, obwohl Grenchen für sie nicht ideal liegt. Sollte in zwei Wochen Bisenlage herrschen, müssen ihre Wettkampfflüge in Bleienbach gestartet werden.

Von Grenchen aus würden die Ballone auf dem Bielersee oder in den Gemüsekulturen des Seelands stranden, wie OK-Präsident Léon André ausführte. Aber selbst ein Bisensturm wird nicht verhindern, dass das Rahmenprogramm und die Siegerehrung der Ballonfahrer in Grenchen stattfinden. Zur Siegerehrung mit Beteiligung von alt Bundesrat Samuel Schmid werden sich am Sonntag, 27. Juni, sogar all diejenigen Flugkategorien einfinden, die ihre Meisterschaften auf anderen Flugplätzen austragen.

In nur drei Monaten organisiert

Doch die grösste Überraschung sollte für die Organisatoren erst noch kommen. Im Februar erhielt Wegier eine E-Mail der Luftwaffe. Darin sei ihm beschieden worden, dass die Luftwaffe in Grenchen zum Ende der Schweizer Meisterschaften ein Airdisplay zeigen werde. «Das hört man natürlich gern.» Nur: «Für einen solchen Anlass hat man sonst ein Jahr Vorlauf. Uns blieben aber nur drei Monate», erklärte Eventmanager Jürg Möri.

Der Flughafen hat die Herausforderung angenommen. Nun sieht er sich für den Samstag, 26. Juni, gerüstet für eine Besucherzahl von 20000 Personen. Um kurzfristig ein Sicherheits-, Transport- und Verpflegungskonzept auf die Beine zu stellen, arbeiten die Flughafenverantwortlichen eng mit der Stadt zusammen.

Diese ihrerseits hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt, ihre Plakatkampagne «Grenchen ...und viel mehr» auf die publikumsträchtige Flugschau der Luftwaffe auszuweiten. An diesem Samstagnachmittag wird die Stadt sich in einem Hangar an einem Infostand präsentieren.

Selbst ein Modellflugzeug fliegen

Die ganze Wettkampfwoche hindurch gibt es auf dem Flughafen viel zu sehen. Die Ballonfahrer starten morgens zwar zu den «unmöglichsten Zeiten» (Léon André), um der Thermik auszuweichen, die sich mit der steigenden Sonne bildet. Doch die Zuschauer werden so viel Abwechslung haben, dass ihnen das Fehlen der Ballone kaum auffallen dürfte. So besteht zum Beispiel auf dem Modellflugplatz, wo ebenfalls Schweizer Meisterschaften stattfinden, ab Mittwoch die Gelegenheit, gratis selbst ein Modellflugzeug zu fliegen.

Damit dieses nicht nach zwei Sekunden ungeübter Führung abstürzt, wird ein erfahrener Fluglehrer das Doppelsteuer führen. Zur Auswahl stehen ein historisches Fesselflugzeug ohne Elektronik aus den Anfängen der Modellfliegerei und ein modernes Modell, das mit den neusten Errungenschaften der Technik ausgerüstet ist.

Im Rahmen der Helikoptermeisterschaften besteht die Möglichkeit, Schnupperflüge zu buchen. 41 Teams werden im Wettkampf zeigen, dass ein Heli zentimetergenau manövriert werden kann. «Leider haben wir relativ wenig Teilnehmer aus der Schweiz», bedauert Organisator Hans Wüthrich. «Im Ausland geniesst die Helikopterfliegerei einen ganz anderen Stellenwert.» Entsprechend messen sich Teams aus ganz Europa, acht davon aus Russland.

Ausstellung von Helis und Flugzeugen

Zum Höhepunkt der Woche, am Samstag, gibt es nicht nur in der Luft Anlass zum Staunen. Am Boden wartet der Flughafen mit einer Ausstellung von Flugzeugen und etwa 25 Helikoptern auf. Angesagt haben sich zum Beispiel die DC 3 und die Beech S-18. Der Antonov-Verein und die ansässigen Helikopterfirmen führen Passagierflüge durch. «Ich werde immer wieder gefragt, warum die Vorführung der Luftwaffe keine Airshow ist wie 2006», sagt Flughafendirektor Wegier. «Damals hatten wir 200 Flugzeuge hier. Diesmal ist am Himmel nur die Luftwaffe zu sehen.»

Der Aufwand ist dennoch beträchtlich. So muss am Samstagnachmittag der Luftraum über Grenchen gesperrt werden. Für den Rest der Woche funktioniert der Flughafen normal – inklusive Segelfliegerei und Schulungsbetrieb der ansässigen Flugschulen.

Das Airdisplay ist für die Zuschauer gratis. Die Kosten der Wettkampfwoche beziffert Wegier mit ungefähr 100000 Franken. Gedeckt werden sie durch die Beiträge von Sponsoren.

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