Aus Bierdepot wird Computer-Museum

Mit Kleinstcomputern machte er Geld, jetzt will er ein grosses Computer-Museum in der Vorstadt realisieren: Felix Kunz hofft, ab Herbst 2011 jährlich 30000 Besucher an die Zuchwilerstrasse zu locken. Dafür soll das ehemalige Feldschlösschen-Depot aufgestockt werden.

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Aus Bierdepot wird Computer-Museum

Aus Bierdepot wird Computer-Museum

Solothurner Zeitung

Wolfgang Wagmann

Es gibts schon einige Jahre, das Computermuseum «enter» an der Oberen Steingrubenstrasse. Der ehemalige Lischerhof ist vollgestopft mit Rechnern aus der «EDV-Steinzeit» bis zu Computern der jüngeren Semester. «Insgesamt sind es etwa 5000 Objekte, ich könnte wohl das Zehnfache an Fläche mit ihnen belegen.» 600 Quadratmeter sinds nur im Lischerhof, 2500 sollen es neu in zwei zusätzlichen Stockwerken über der Halle werden, wo heute das Indoor-Spielparadies «Nilpfi» angesiedelt ist.

Und auch bleiben wird, wie der zweite Hauptmieter Schenker Storen. «Wir versprechen uns sogar gewisse Synergien mit dem ‹Nilpfi›, zumal in den neuen Räumen meine Mutter noch ihr Spielzeugmuseum unterbringen wird», glaubt der Unternehmer und Firmengründer, der im alten Bierdepot «den idealen Standort» mit einer guten Verkehrsanbindung gefunden hat. Andere Standorte wie in einer möglichen «Museumsstadt» auf der Attisholz-Industriebrache hatte Kunz verworfen. Dies, obwohl der Druck für eine baldige Lösung des Platzproblems immer grösser wurde: «Ich habe auch noch Material in Zürich und Luterbach eingelagert. In Luterbach sinds allein 100 Tonnen, von denen wir inzwischen 14 bis 15 Tonnen entsorgt haben.» Fest steht für den künftigen Museumsbetreiber aber schon, dass der Lischerhof, der heute «enter» beherbergt, eine «Dependance» für die Sammlung bleibt – «denn zu reparieren gibts immer etwas».

«Kein Mystery-Park»

Alle 5000 Objekte auf einen Streich wird Felix Kunz nicht präsentieren. «Das können wir nicht und es macht auch keinen Sinn. Wir zeigen eine Auswahl auf zwei Dritteln der Museumsfläche; auf dem restlichen Drittel planen wir durchschnittlich zwei Wechselausstellungen pro Jahr.» Das neue Museum dürfte laut Kunz eine Ausstrahlung über die Schweiz hinaus erreichen, denn «europaweit gibts nicht viel Konkurrenz, vergleichbar ist nur das Nixdorf-Museum in Paderborn». Mit den Wechselausstellungen, Events wie einem «Roboter-Wettbewerb» oder «Computer-Flohmärkten», aber auch einer «Game-Lounge» wollen Felix und Florence Kunz verhindern, dass in Solothurn ein «zweiter Mystery-Park» entsteht, «wo man einmal hinfährt und alles gesehen hat». Geplant is eine Cafeteria für die «Grundversorgung» des Publikums, «aber kein Restaurant», denn Wirt wolle er nicht auch noch werden, betont Kunz.

«Professionelles Hobby»

Für den Bau und Betrieb des neuen Computer-Museums «enter» will Felix Glutz eine Stiftung gründen, die er selbstverständlich auch als Stiftungsratspräsident führen wird. «Ich vermiete als Gebäudeeigentümer die Räumlichkeiten zu sehr günstigen Konditionen an die Stiftung», skizziert der Initiant das künftige Museumskonstrukt. Seine Frau Florence wird sich vor allem um die Bereich PR und Marketing kümmern; zusätzlich sollen «einige Arbeitsplätze» zur Aufrechterhaltung des auf fünf Tage pro Woche – vom Donnerstag bis Sonntag – ausgelegten Museumbetriebs entstehen.

Zu den Baukosten kann sich Felix Kunz noch nicht äussern, da erst geplant werden muss. Er hofft jedoch, später mit den Eintritten den Betrieb
selbsttragend gestalten zu können.

«Sie werden immer kleiner»

Er selbst sieht das Engagement für sein Museum als «professionelles Hobby», daneben bleibt Felix Kunz jedoch VR-Präsident in seiner ehemaligen Firma (vgl. Kasten) und ist weiterhin in der Business-Beratung, beispielsweise für Start-ups, aktiv.

Ein naheliegendes Problem sieht der Computer-Freak im ehemaligen Feldschlösschen-Depot, zuletzt erworben von der Septima AG, jedoch von der lächelnd-lockeren Seite: Dass rasch und ständig neue, schon wieder «museumsreife» Computer für die Sammlung anfallen. «Sie werden ja immer kleiner und brauchen weniger Platz.» Felix Kunz muss ja wissen, wovon er spricht – hat er doch erst vor wenigen Jahren mit seinen Kleinst-Computern den Weltmarkt aufgemischt.

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