Schweizerische Kader Organisation

Wenig Lust auf die „BestAgers“ ?

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Versammlung der Kader Organisation SKO in Aarau

Über 50-jährige Kadermitarbeiter finden kaum noch eine Stelle. Sie sind im Vergleich zu jungen Arbeitskräften zu teuer und zu wenig leistungsfähig. Dies denken viele, doch das Bild ist differenzierter. Dies wurde klar an der Podiumsdiskussion „Fundament oder altes Eisen der Wirtschaft?" der Schweizer Kader Organisation SKO, die letzte Woche in Aarau stattfand. Daran teil nahmen Experten aus Praxis und Forschung.

„Wir sind ein junges Team" - so wurde die Absage auf eine Stellenbewerbung begründet. Für Beat Zürcher, Leiter Sozialpartnerschaft bei der SKO, der dies während seiner Arbeitslosigkeit erlebt hat, eine grosse Enttäuschung. Damals war er 55 Jahre alt und lange Zeit arbeitslos. In seinem Eingangsreferat kritisierte Zürcher denn auch, dass die HR-Politik der meisten Unternehmen dem demografischen Wandel kaum Rechnung trage und dass sich die Arbeitgeber bei Personalmassnahmen fantasielos verhielten. Vielfach würden einfach die Ältesten entlassen und Bewerber über 50 gar nicht mehr eingestellt. Fahrlässig werde damit auf Kompetenz und Erfahrung verzichtet. Beat Zürcher forderte neue Beschäftigungsmodelle, einen Verzicht auf Leistungsabbau bei der Arbeitslosenversicherung, ein „In-Placement-Angebot" der RAV für „BestAgers" und Anpassungen der Sozialversicherungen an den flexiblen Arbeitsmarkt.

Uneinheitliches Bild
Die Podiumsdiskussion leitete souverän Sirio Flückiger, Moderator bei Radio Argovia.
Auf die Frage, wie denn die kurzfristige Zukunft des Arbeitsmarktes aussehe, zeichnete René Wehrli, Leiter RAV Baden ein optimistisches Bild. „Die Arbeitslosigkeit geht langsam aber sicher zurück. Die Unternehmen stellen wieder Personal ein." Davon würden auch die über 50jährigen profitieren. Regine Buri-Moser von der Universität Bern relativierte diese Aussage. Nach einer Studie, an der Buri mitarbeitete, „bewerben sich über 90 Prozent dieser Altersgruppe, die ihre Stelle verliert, nicht mehr." Für den Outplacement-Berater Toni Nadig befindet sich das Problem ausschliesslich „im Kopf der Betroffenen." Natürlich sind wir verletzt, wenn wir den Job verlieren. Das persönliche Selbstbild ist erschüttert, und „das tut weh." Daher sei es falsch, sofort nach einer Kündigung Bewerbungen zu versenden. „Wenn ich noch wütend bin, habe ich keine Chance auf dem Stellenmarkt" ist Nadig überzeugt. Zuerst muss man das Ereignis verarbeiten und danach aus der inneren Ruhe die Stellensuche angehen.
Auf die Frage, ob die Neue Aargauer Bank über 50jährige einstelle, meinte Daniel Fahrni, Leiter HR Management der NAB „Natürlich tun wir das. Gerade in unserer beratungsintensiven Branche sind erfahrene und damit ältere Mitarbeiter durchaus willkommen". Entscheiden bei der Anstellung sei auch die Fachkompetenz des Bewerbers, der Bewerberin. Peter Lüscher, Geschäftsleiter der Aargauischen Industrie- und Handelskammer AIHK führt Mitarbeiter, die zwischen 25 und 60 Jahre alt ist. „Diese Mischung aus Erfahrung und neuen Ideen ist sehr konstruktiv und motivierend für alle Beteiligten."
Für Beat Zürcher ist die Situation zwiespältig. Einerseits hängt die erfolgreiche Stellensuche sicher von der persönlichen Einstellung hab, andererseits gäbe es von den Unternehmen keine eindeutigen Signale, auch den älteren Stellensuchenden eine realistische Chance zu geben. „Werden da noch immer Vorurteile wie Teuer oder Unflexibel gepflegt...?


Demografie, Weiterbildung und Netzwerk
Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass aufgrund der demografischen Entwicklung ältere und kompetente Mitarbeitende bald sehr gefragt sein werden. Daher darf auch der erfahrenste Mitarbeiter - ob mit oder ohne Stelle - nicht der Ansicht sein, dass Lebenslanges Lernen für ihn nicht mehr gelte. Weiterbildung heisse nicht unbedingt Seminarbesuche. Der neuste Fachartikel oder Fachvortrag, die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen und Zusammenhänge oder das Gespräch am Netzwerk-Anlass sind auch geeignet, sich à jour zu halten. Die persönlichen Beziehungen, das eigene Netzwerk jedoch ist unabdingbar für eine erfolgreiche Stellensuche. Pro Jahr wechseln in der Schweiz ca. 400‘000 ArbeitnehmerInnen ihren Arbeitsplatz, davon werden in den Medien nur etwa 50‘000 publiziert. Dies zeigt, dass die meisten Stellen nie auf dem Arbeitsmarkt erscheinen. Ein persönliches Netzwerk aufzubauen kann man lernen, so wie eine Fremdsprache oder das Autofahren. Man tut gut daran, damit während den guten Zeiten zu beginnen. Wenn die Arbeitslosigkeit bereits Realität ist, sei es zwar noch nicht zu spät, aber bedeutend schwieriger.

Sandro De Pellegrin, Präsident der SKO Regio Aargau dankte den Podiumsteilnehmern und dem Publikum für die engagierte Diskussion und erinnerte daran, dass der SKO die Förderung des persönlichen Netzwerkes ein Anliegen ist und rief dazu auf, diese Möglichkeit auch zu nutzen.

22042010/SKO/BZ

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