Pünktlich um 18.15 Uhr und mit dem obligaten Glockengebimmel eröffnet Nicole Werder, seit genau einem Jahr Präsidentin der KGA, die 140. Generalversammlung der Kaufmännischen Gesellschaft Aarau. Ort: Weinkellereien Aarau, Lagerhalle für Leergut, jetzt ausgestattet mit Tischen und Bänken, um den 75 anwesenden Mitgliedern der KGA Sitz- und Schreibgelegenheit zu bieten. Weshalb auch noch eine Schreibgelegenheit – darüber später.

Mit Elan führt die Präsidentin durch die Traktandenliste, berichtet von den KGA-relevanten Ereignissen im vergangenen Jahr und den diesjährigen KGA-Anlässen beim KSA und der Eniwa. Gäste werden begrüsst und Neumitglieder herzlich willkommen geheissen. Die aktuelle Anzahl Mitglieder bei der KGA beläuft sich momentan auf 207 - weitere Gäste als potenzielle Neumitglieder sind jederzeit willkommen. Fürs Jahr 2019 kann sie wiederum ein sehr attraktives Programm für die KGA-Anlässe in Aussicht stellen: am 24. April bei der RIBAG Licht AG in Safenwil, am 28. August in der Klinik Barmelweid und am 23. Oktober die GV mit einem Referat zum Thema „Augengesundheit sichern“. Und schliesslich wird auch noch Walter Keller, langjähriger Präsident der KGA und im vergangenen Jahr als Past-Präsident tätig, aus dem Vorstand verabschiedet. Walti, wir werden Dein herzliches und Ideen-sprühendes Temperament, wohl nicht nur im Vorstand, vermissen. Aber Du bleibst uns ja als Mitglied erhalten.

19.15 Uhr übergibt Nicole Werder das Wort an Ulrich Stucky, CEO der Weinkellereien Aarau und unser Gastgeber an der heutigen GV. Mit routinierter Souveränität, gewürzt mit einer Prise launigem Humor, führt er uns in die faszinierende Geschichte der Weinkellereien Aarau ein, ein Familienbetrieb, der sich „seit 1873 der Qualität verschrieben“ hat. Und dass es sich um einen Familienbetrieb handelt, bei dem persönliche Bezogenheit und langjährige Loyalität gross geschrieben werden, lässt sich schon an folgenden Zahlen ablesen: 793 / 56 / 14,2.

793 steht für die Gesamtdauer an Jahren, während derer die aktuellen Mitarbeitenden den Weinkellereien Aarau ihre Diensttreue erweisen. 56 Mitarbeitende sind es im Jahr 2018 insgesamt. Und die durchschnittliche Dauer der Firmenzugehörigkeit beläuft sich zurzeit auf 14,2 Jahre. Dass Ulrich Stucky hierbei der Versprecher „Familienzugehörigkeit“ statt „Firmenzugehörigkeit“ passierte, kommt also nicht von ungefähr. Es gibt wohl nicht viele Firmen, die bei solchen Zahlen dagegenhalten können ...

Nicht nur zu den Mitarbeitenden werden langjährige Beziehungen gepflegt, sondern auch zu den Winzern, den Lieferanten, und zwar zum Teil über zwei bis drei Generationen hinweg – und das ohne schriftlichen Vertrag. Vertrauen ist hier der zentrale Wert. Der Strom, der in den Weinkellereien benötigt wird, stammt zu 100% aus nachhaltigen Quellen. Und obwohl die Weinkellereien in den letzten 70 Jahren 7 mal umgebaut wurden, erscheint der Standort so, wie er sich heute präsentiert, wie „aus einem Guss“. Aus architektonischer Perspektive wohl keine Selbstverständlichkeit. Das Unternehmen hat sich mit Leib und Seele der Nachhaltigkeit verschrieben, in einem Umfeld, in dem sich das Konsumverhalten zu Ungunsten der Weinproduzenten entwickelt – es wird immer weniger Wein getrunken, aktuell 33 Liter pro Jahr und Kopf. Der Klimawandel, die instabilen Wechselkurse und auch die „Aktionitis“ der Detaillisten machen der Firma, wie auch der gesamten Branche, zu schaffen. Und doch scheinen den Weinkellereien Aarau der Erfolg recht zu geben und ihre Strategie aufzugehen. Ulrich Stucky hat sich eines italienischen Sprichworts bedient, um ihre Firmenstrategie auf den Punkt zu bringen: „Chi va piano va sano e va lontano.“ Frei übersetzt: Lieber mit kleinen Schritten und langsam, dafür gesund und weit.

Nach dem anschliessenden Rundgang durch die Tankhalle, die Abfüllanlage und das Hochregallager trifft man sich wieder in der Lagerhalle zum inzwischen innigst erwarteten Degustieren von köstlichen Weinen, die von einem zünftigen Apèro riche begleitet werden. Und wie es die Tradition will, lassen es sich die KGA-Mitglieder gut gehen dabei und geniessen den ungezwungenen Austausch in der „KGA-Familie“.

Was es noch mit der Schreibgelegenheit auf sich hat? Man wäre ja wohl nicht in den Weinkellereien Aarau, ohne die Gelegenheit zu nutzen, sich gleich vor Ort seine Einkaufsliste für den nächsten Besuch im Weinladen bei Claudia Rohr zusammenzustellen.

Und was die KGA und die Weinkellereien Aarau mit Goethe verbindet? Schon der Dichterfürst war der Überzeugung: „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“ Wie wahr, wie wahr ...