Wieder einmal waren spannende Geschichten aus dem Leben angesagt, die jeweils monatlich zum Kaffee beim traditionellen «Zmittagstisch» im Kulturraum des AGZ Ruggacker serviert werden. Nach einem vom Seniorenrat Dietikon organisierten geselligen Essen kramen jeweils Persönlichkeiten in ihren Erinnerungen. Am Dienstag, 11. Juni 2019 war ein Auftritt von Ernst Scherrer angesagt, den viele Dietikerinnen und Dietiker aus dem Zivilschutz, der Feuerwehr oder als Fischer oder Mitglied der Trachtengruppe Dietikon kennen.

«Warum spricht er „Bärndütsch“, wenn er doch aus dem Baselbiet stammt ?»

Ernst Scherrer offenbarte gleich zu Beginn, dass seine Wurzeln im Baselbiet zu finden seien, wo er die ersten Lebensjahre verbracht habe. Die Antwort auf die Dialekt-Frage lieferte Ernst Scherrer auf dem Fusse. Noch in den Kriegsjahren sei seine Familie, die im Baselbiet einen Molkereibetrieb geführt habe, ins Berner Seeland gezügelt, wo sie – ganz am Rande eines wenig bewohnten Gebietes - ein «Heimetli» bezog. Dort sei er zwar nicht mehr frühmorgens von Milchkannen-Geräuschen geweckt worden, doch blieb er dennoch mit der Landwirtschaft bzw. mit der ländlichen Natur verbunden. Geblieben ist auch sein charakteristischer Berner-Dialekt, den er auch nach den 60-er Jahren, das heisst nach seiner Wohnsitznahme in Dietikon, eisern bewahrte.

«In Dietikon habe ich mitgeholfen die Zivilschutzorganisation – mit damals rund 1‘800 Schutzdienstpflichten Männern – aufzubauen». Er wurde damals vom Stadtrat als Chef dieser Organisation ernannt und zugleich als administrativer Leiter angestellt. Es sei eine sehr strenge Zeit gewesen, die er auch gesundheitlich zu spüren bekam. Eigentlich seien sein Hausarzt und ein Fischerkollege schuld gewesen, dass es ihn in die Wildnis verschlagen habe. Der erstere habe ihm aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit verordnet, der zweite habe ihm mit seiner Träumerei bewogen, sich in einer unberührten Natur-Welt zu bewegen. Das habe ihn zur Planung eines mehrwöchigen Urlaubs im fernabgelegenen Britisch-Kolumbien (Kanada) verleitet. Nachdem sie dann einen Dritten gefunden hätten, der Englisch habe sprechen können, sei es dann im Sommer 1984 losgegangen.  

Mittlerweile hat der über 80-Jährige mit seiner Ehefrau Anneliese viele Reisen unternommen, über die er schon viele spannende Vorträge gehalten hat. Auch an diesem
«Zmittagstisch» war es spannend, ihm zuzuhören. So manche der Zuhörenden kamen zum Schluss: Es braucht manchmal eine verordnete Auszeit und ein gutes kollegiales Umfeld, um das Leben nachhaltig bereichern zu können.

Hansjörg Frei