BirdLife - Naturschutz Brugg und Umgebung

Vortrag von Andres Beck über den Biber

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Der Biber ist ein Aargauer

Der Biber ist ein Bewohner von Auenwäldern. Auen gehören zum Kanton Aargau, daher ist der Biber ein «echter Aargauer». Mit Andres Beck, dem kantonalen Biber-Beauftragten, hat BirdLife Brugg einen praxiserprobten Biberschützer und kompetenten Fachmann für den Vortrag vom 22. Februar 2017 engagiert.

Der Biber ist ein aktiver Landschaftsgestalter. Er erschafft Auengebiete mittels Dämmen in Gratis­arbeit. Dämme sind nötig, damit er auch in einer Trockenperiode genügend Wasser zum Wegtauchen hat, aber auch zur Sicherstellung von Transportwegen. In Nordamerika gibt es Dämme von bis zu einem halben Kilometer Länge – unvorstellbar in der engen Schweiz. Wenn der Biber staut, setzt er alles unter Wasser, Hartholzbäume wie Buchen gehen ein. Es gibt dadurch mehr Licht, Weichhölzer wie Weiden wachsen und dienen dem Biber wiederum als Nahrung. Die Biodiversität nimmt zu – es siedeln sich Amphibien und Fische an.

Hierzulande beschränkt sich die Aktivität des Bibers als Dammbauer auf kleinere Fliessgewässer. An den grossen Flüssen legt er meist Bauten in Uferböschungen an, so genannte «Biberburgen». Der Eingang befindet sich immer unter Wasser. Der mit Ästen gebaute Wohnkessel wird mit Schlamm und Wasserpflanzen verdichtet, innen ist der Bau trocken und schön gepolstert, damit der Nachwuchs optimale Bedingungen hat.

Vor 250 Jahren in der Schweiz ausgestorben…

Anhand eines Biber-Präparates erklärte Andres Beck die Merkmale des Bibers. Beeindruckend ist die Grösse: ein ausgewachsener Biber bringt 25 kg auf die Waage. Er ist das grösste Nagetier und hat sich optimal ans Schwimmen angepasst mit einem speziellen Schwanz und mit Schwimmhäuten an den Hinterzehen. Der Biber ist ein reiner Vegetarier, die kräftigen Schneidezähne wachsen ein Leben lang nach. Sein dichtes Fell ist sprichwörtlich: auf einem Quadratzentimeter wachsen 10‘000 Haare. Früher diente das Fleisch der Biber in der Fastenzeit  als willkommene Nahrung,  mit seinem unbehaarten, flachen Ruderschwanz wurde er ganz einfach zum Fisch erklärt.  Vor allem hat man ihn aber wegen seines Fells stark bejagt, vor 250 Jahren ist er in der Schweiz ausgestorben.

…und vor 50 Jahren wieder angesiedelt

In den 1950/60er-Jahren begann man, in der West- und Nordwestschweiz Biber aus Norwegen und Frankreich auszusetzen. Im Aargau wurden 55 Tiere zwischen 1964 und 1971 ausgesetzt. 10 Jahre danach konnten sich nur wenige Tiere halten. Im Umiker Schachen war das Projekt jedoch ein Erfolg. Von dort fand die Ausbreitung Aare-aufwärts statt. Ab 2005 wurden alle grossen Flüsse besiedelt und auch einzelne Bäche. 2008 erstellte man ein erstes nationales Inventar, auch anhand von Nagespuren. An Aare, Rhein, Limmat und Reuss kam man auf eine Anzahl von 250 - 300 Tieren, damit zählt der Biber immer noch zu den seltenen Tierarten.

Ein Tier mit Konfliktpotenzial

Biber geniessen nicht bei allen Menschen uneingeschränkte Sympathie. Wenn er eine alte und stattliche Silberweide an einem Fluss annagt oder fällt, bezeugen viele Leute Mühe damit. Zudem ist es eng geworden für Wildtiere  in der Schweiz. Naturnahe Landschaften im Umfeld von Gewässern fehlen, es gibt keine richtige Uferbestockung mehr. Meistens grenzen Landwirtschaftsland und Strassen unmittelbar an Gewässer. Ebenso finden sich Äcker und Obstgärten in unmittelbarer Nähe und werden demzufolge ab und zu von Bibern «heimgesucht». Dort deckt er sich gerne mit Zuckerrüben als Wintervorrat ein. Ab und zu setzt er Landwirtschaftsland unter Wasser. Dann lesen wir in der Zeitung oft etwas übertriebene Schlagzeilen wie: «Biber setzt Landstrich unter Wasser» oder «Biber verursacht Millionenschäden in der Landwirtschaft».

Lernen, mit dem Biber zu leben

Lösungsansätze bei Problemen sind vorhanden. Kulturen, die zu nahe am Wasser stehen, kann man schützen, beispielsweise Bäume mit Maschendraht, Zuckerrübenfelder mit Elektrozaun. Hier leistet der kantonale Biberbeauftragte viel Aufklärungs-arbeit. «Zum Glück gibt es nicht mehr als 2 – 3 wirkliche Streitfälle pro Jahr», meinte Andres Beck am Schluss seines Vortrags. «Wir müssen wieder lernen, mit dem Biber zu leben. Er erschafft schöne Lebensräume – der perfekte Naturschutz.»

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