Seit der Gründung 1983 im Vorstand dabei

Virtuelle Weltreise mit Peter Schürmann

Viele Weinfreundinnen und Weinfreunde teilen schönste Erinnerungen mit Peter Schürmann. Während 35 Jahren seines Schaffens hat er unzählige Reisen organisiert und viele erlebnisreiche Degustationsabende durchgeführt. Heute besucht er zusammen mit den 160 anwesenden Weinfreunde noch einmal berühmte Weingüter rund um den Globus. Die Menü- und Weinkarte lassen grosse Erwartungen aufkommen.

Präsident Markus Küng läutet mit seinem Glöcklein und es wird schnell still im festlich geschmückten Saal vom Restaurant Hans & Heidi in Wohlen. Die Freude des Präsidenten wird spürbar. Bei der Begrüssung erwähnt er namentlich die Ehrenpräsidenten René Saxer und Markus Aellen, die Ehrenmitglieder Marthe Liechti, Willy Geissmann und Peter Schürmann, den höchsten Weinfreund der Schweiz, ANAV-Präsident Jean-Claude Hofstetter, sowie Josip Blazevic, Kenner der Kroatischen Weinszene, der die Freiämter Weinfreunde letzten Herbst auf den Reisen önologisch begleitet hat.

Bilder auf der Grossleinwand begleiten das Wine & Dine

Peter Schürmann übernimmt das Mikrophon und meint gut gelaunt zum Einstieg: „Durch meine Tätigkeit im Vorstand habe ich gute Menschen kennengelernt und viele Freunde gewonnen. Dass sie heute in so grosser Zahl da sind, und dass Emmy und Werner Kobelt, sowie Reiseunternehmer Edwin Schafer, meiner Einladung folgten, freut mich sehr. Werner Kobelt hat bei uns öfters Wine & Dines kommentiert und uns auf etlichen Reisen önologisch begleitet. Sein grosses Wissen hat der sympathische Weinkenner immer humorvoll und fachlich kompetent vermittelt“.

An die Champagner Reisen von 1988 & 2014 soll der zum Apéro servierte Roger Coulon 1er Cru erinnern. Er gedeiht in der Montagne de Reims, zwischen Reims und Epernay. Dieser Champagner ist die harmonische Verbindung von drei Rebsorten Pinot Noir (Körper), Pinot Meunier (Fruchtigkeit) und Chardonnay (Eleganz und Frische). Dem Champagner wird Geiheiminsvolles zugesprochen, und er gehört zur Grundaustattung jedes Verehrers.

Die erste Reise der Weinfreunde aus dem Freiamt führte 1984 ins Burgund. Burgunderweine haben schon Römer betört, Ludwig der XIV. ins Schwärmen versetzt und Napoléon konnte dank ihnen seine Schlachten vergessen. Der Chardonnay Chablis 1er Cru AOC Beauroy, 2017, von der Domaine Hamelin im Glas kommt gut an.

Auf der Riesling-Reise im Herbst 2012 nach Rheinhessen, Baden, Rheingau, Mosel und Pfalz stoppt der Reisebus zum ersten Halt auf dem Weingut von Alexander Laible im badischen Durbach. Deshalb perlt nun im Glas 2 sein Chardonnay SL, 2018, und lässt tolle Erinnerungen aufleben. Alexander Laible überlässt nichts dem Zufall; er gilt als Tüftler, leistet perfekte Rebarbeit und punktgenaue Verarbeitung im Keller. Seine Weine überzeugen und er hat mit ihnen schon viele Auszeichnungen erworben.

Zur Jahrhundertwende organisierte Reiseunternehmer Edwin Schafer mit Peter Schürmann die Wein- und Kulturreise nach Südafrika. Im Glas 3 lässt der Referent den Chardonnay Glen Carlou, 2016, aus der Region Paarl verkosten. Mit 88‘000 Einwohnern ist Paarl die grösste Stadt im Landesinnern der Kapprovinz. Der Engländer Hugh Johnson hat geschrieben: „Es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, wo man einfacher guten Wein herstellen kann“.

Zur zweiten Vorspeise präsentiert Peter Schürmann einen dreier Flight Rotweine. Mit dem Rioja DOCa Reserva, 2014, von Maqués de Riscal kommen Erinnerungen an die Spanienreise im 1999 auf. Die Zufahrt zum Hotel Haro mit dem 50-Plätzer Car war nur mit Blaulicht-Begleitung der spanischen Polizei durch die Einbahnstrasse möglich!

1985 und 2004 reisten die Freiämter Weinfreunde in die Toscana. Der Brunello di Montalcino DOCG, 2013, von Castello Banfi aus 100 Prozent Sangiovese-Grosso Trauben kultiviert, soll damalige Mitreisende in jene Jahre zurückversetzen. Castello Banfi geniesst weltweit hohes Ansehen. Auf knapp tausend Hektar Reben an besten Lagen werden jährlich 10 Millionen Flaschen Wein produziert. Davon entfallen 400‘000 Flaschen auf Brunello.

Peter Schürmann sagte anlässlich der Gestaltung der Weinkarte für den heutigen Abend, ein schöner Bordeaux-Cru müsse schon dabei sein. Mit dem Château Léoville Barton 2ème Grand Cru Classé, 2011, sollen Erlebnisse an die Bordeaux-Reisen der Jahre 1997 und 2015 wach werden. Das 50 Hektar grosse Weingut produziert in der Appellation Saint-Julien rund 300‘000 Flaschen Wein der Zusammensetzung Cabernet-Sauvignon (74 Prozent), Merlot (23 Prozent) und Cabernet Franc. Wie soll man diesen Wein kommentieren? Peter’s Rat: „Einfach kosten und geniessen“!

Drei Rotweine von drei Kontinenten begleiten den Hauptgang. Der Cabernet Sauvignon Allomi Vineyard, 2016, stammt aus dem Pope Valley vom Weingut Donald Hess. Dazu erscheinen auf der Leinwand Bilder von den Reisen im 1992 und 2011. Der Wein mit Jahrgang 2015 im zweiten Glas stammt ebenfalls von Hess. Der Malbec Estate Bodega Colomé wird mit Trauben aus auf 3000 Metern Höhe wachsenden Reben im Calchaqui Valley erzeugt. Sein dichtes dunkles Rot mit intensiven Aromen von schwarzen Beeren und Gewürzen überzeugt. Aus dem Barossa Valley stammt der The Futures Shiraz, 2013, von Peter Lehmann. Sein Weingut wurde im 2006 auf der Reise nach Australien besucht. Wenn Weinjournalisten über Peter Lehmann schrieben, wurde er oft als australischer Sunny-Boy betitelt. Der Wein ist Sonne im Glas. Das Bouquet ist herrlich reif und er hat Noten die nach Vanille, Zimt und Gewürzen schmecken. Im Gaumen wirkt er intensiv und füllig mit Nuancen von dunklen Früchten, Muskat und Schokolade. Ein schöner Wein zum rosa gebratenen Roastbeef.

Im 2008 führte die Reise nach Portugal, ins Land der Seefahrer und Eroberer. Bilder vom Besuch der Portweinkellerei Taylor in Vila Nova de Gaia erinnern sofort an jene unvergessliche Reise. Mit dem Taylor’s LBV, Late bottled Vintage Port, 2014, zum dunklen Schokoladenmousse mit Cassis-Sorbet setzt Peter Schürmann seinen Schlusspunkt zur aussergewöhnlichen Verkostung.

Aufmerksam folgen die versammelten Weinfreunde den eingebauten Reden der Ehrenpräsidenten. Mitgründer René Saxer beleuchtet die Zusammenarbeit mit Peter Schürmann der ersten 25 Vereinsjahre. Pointen setzt er mit Untertiteln wie: „Urknall, wer hat’s erfunden, nur wer sät, kann ernten und wie habe ich Peter Schürmann erlebt“. Markus Aellen eröffnet seine Homage mit dem Zitat von Albert Einstein: „Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigener Leistung“. Deshalb ist Peter schon im 2008 zum Ehrenmitglied erkoren worden. Die Freiämter Weinfreunde haben durch Peter’s Kontakte Zugang zu bedeutenden Weingütern auf der ganzen Welt erhalten und er ist bis heute ein hervorragender Begleiter und Mentor geblieben.

Jean-Claude Hofstetter spricht von einer Trilogie auf dem Weg in der Association Nationale des Amis du Vin (ANAV), die er seit bald zehn Jahren präsidiert. Ich darf drei Freiämter Präsidenten kennen und gleichzeitig immer denselben Peter schätzen. Es ist der Peter, der in mir das Feuer für den Wein entfacht hat, und es ist auch der Peter, der das Reisen zum Wein initiiert hat. Die Freiämter haben früh nach der Gründung Weinreisen durchgeführt und damit andere Sektionen inspiriert, Reisen auch in ihr Programm aufzunehmen.

Die Überraschung

Kurz nach halb zehn wird’s nochmals mäuschenstill. Die Weinfreunde drehen ihre Köpfe und rücken die Stühle zurecht. Im hintersten Teil des Saales öffnet sich der Vorhang. Bewegende Töne erklingen und auf der improvisierten Bühne erscheint das Quintett Bürger in Konzert- Aufstellung. Während den folgenden dreissig Minuten ertönen bewegende und ergreifende Melodien, gespielt mit den Instrumenten Klavier, Querflöte, Trompete, Cello und Harfe. Wenn die Instrumente ertönen, herrscht totale Stille im Saal. Margrit und Peter Schürmann und die ganze Gästeschar sitzen, hören, staunen und geniessen.

Eine Standing Ovation

Präsident Markus Küng findet kernige Dankesworte für Kommentator Peter Schürmann. Die virtuelle Weltreise ist geglückt. Küche und Service vom Integra-Restaurant haben grosses geleistet. Die Redner, der amtierende Vorstand mit den vorbereiteten Dia-Shows und alle Weinfreundinnen und Weinfreunde haben diesen Abend unvergesslich gemacht. Wenn alle stehen, dankend und anhaltend klatschen, kann die eine oder andere Träne nicht mehr ganz unterdrückt werden.

Otto Sprenger