Es scheint, dass der Männerchor Leuggern für seine jährlichen Vereinsreisen das Wetterglück auf Jahre hinaus gepachtet hat. Mit was er dies verdient hat, lassen wir dahingestellt. Oder stimmt die These der Engel auf Reisen vielleicht doch?

Auf jeden Fall war auch die Vereinsreise 2011 in jeder Beziehung ein voller Erfolg. Wir durften wieder ein Bilderbuchwetter geniessen, die Organisation unseres Reiseleiters, Antonio Siino, war tadellos und die Stimmung der Mitglieder hätte nicht besser sein können.

Auch heuer hatten wir uns für die Reise in den öffentlichen Verkehrsmitteln entschieden. So fand sich am Samstag, 10. September eine stattliche Gruppe aktiver Sänger vor der Turnhalle in Leuggern ein. Um 07.57 h starteten wir mit dem Postauto nach Döttingen, dann ging es mit der SBB weiter bis Baden und mit dem Regionalexpress bis Olten, wo wir in den Intercity Basel-Interlaken umsteigen mussten. Dank des schönen Wetters waren ganze Heerscharen von Ausflüglern unterwegs und demzufolge waren die für uns reservierten Plätze leider schon besetzt. Ab Bern gab es dann etwas Luft und so konnten wir uns für den Rest der Fahrt wieder zusammensetzen. Mit einer kleinen Verspätung erreichten wir um 11.10 h Interlaken Ost. Hier konnten wir das Ziel unserer Reise, den Harder, aus der Nähe betrachten.

Harder und „Hardermannli"
Über den mystischen Hausberg Interlakens gibt es mehrere Legenden zu berichten. Mit etwas Fantasie kann man nämlich in einer Felsformation im oberen Drittel des Bergs ein Gesicht mit männlichen Zügen erkennen, das so genannte „Hardermannli". Im damaligen Augustinerkloster frönten die Mönche Mitte des 15. Jahrhunderts mehr den weltlichen als den geistigen Genüssen, weshalb das Kloster im Jahre 1484 wegen sittlichen Zerfalls vom Vatikan geschlossen wurde. Nach der Legende soll zu dieser Zeit ein Mönch ein junges Mädchen beim Holzsammeln auf dem Harder bedrängt und verfolgt haben. Das Mädchen floh in Panik und stürzte dabei über die besagte Felswand in den Tod. Der Mönch aber wurde vom himmlischen Richter zur Strafe für sein böses Tun zu Stein verwandelt und muss seither für alle Ewigkeit auf den Ort seiner Freveltat hinunter schauen.

Ein kurzer Spaziergang führte uns vom Bahnhof Interlaken Ost zur Talstation und dank der Verspätung kamen wir sogar zu einer Extrafahrt mit der Standseilbahn auf den Berg. Der Ausblick auf Eiger, Mönch und Jungfrau unter einem wolkenlosen Himmel war atemberaubend und der Brienzer- und der Thunersee leuchteten türkisfarben um die Wette.

Nach einem etwas rustikalen, aber währschaften Mittagessen genossen wir das Zusammensitzen und zum Dank für die gute Bewirtung sangen wir zur Freude der zahlreichen Gäste drei Lieder. Danach war es Zeit zum Aufbruch und ein paar Minuten später waren wir wieder in Interlaken.

Interlaken
Wem eine halbe Stunde Marschzeit nicht zuviel war, der marschierte Aare entlang nach Interlaken West. Wer es bequemer haben wollte, nahm den Zug.
Woher übrigens der Name Interlaken stammt, ist strittig. Zwei Varianten stehen im Vordergrund: «Zwischen dem See» (lateinisch Inter-lacus) ist die eine, «Zwischen den Steinen/Felsen» (Inter-lapis) die andere. Beide erscheinen plausibel angesichts der Topographie und Geschichte.

Auf See
Um 15.00 h versammelten wir uns an der Schiffsanlegestelle um an Bord des Raddampfers „S/S Blüemlisalp" zu gehen. Um 15.15 h setze der Dampfer langsam durch den Aarekanal zurück und drehte in der Seebucht bei. Bei Aufnahme der vollen Fahrt war das Vibrieren der stampfenden Kolben deutlich zu spüren. Auch wenn die Dampfkessel heute nicht mehr mit Kohle, sondern mit Schweröl beheizt werden, ist es doch jedesmal ein besonderes Erlebnis, auf einem historischen Raddampfer mitfahren zu können. Während der etwas mehr als zweistündigen Fahrt konnten wir die langsam vorbeiziehenden Dörfer und Berge geniessen. Und auch kulinarisch wurden wir noch einmal verwöhnt. Eine ausgezeichnete Zwischenverpflegung, ein oder zwei Gläschen Wein und eine freundliche und aufmerksame Bedienung liessen die Stimmung hoch fliegen. Doch unser strenger Dirigent, Herbert Bucher, holte uns bald wieder auf den Boden der Realität zurück und verlangte Konzentration zum Vortag des Seemannsliedes „Schwer mit den Schätzen des Orients beladen". Die anwesenden Gäste verdankten es mit einem kräftigen Applaus.

Thun
Um 17.25 h legte der Dampfer in Thun an. Es verblieb uns leider nur noch etwas mehr als eine Stunde für einen kurzen Rundgang durch die historische Altstadt oder einfach um den Durst in einer der zahlreichen „Terassenbeizen" zu löschen.

Rückfahrt
Gegen 18.30 h versammelten sich alle am Bahnhof. Pünktlich um 18.32 h setzte sich unser Zug in Bewegung und brachte uns sicher nach Olten, wo wir in den Regionalexpress nach Baden umsteigen mussten. Dieses Mal klappte es auch mit den Reservationen. Mit dem Anschlusszug erreichten wir Döttingen und nach der kurzen Postautofahrt trafen wir um 20.41h wieder wohlbehalten in Leuggern ein.

Dank
Diese Vereinsreise war ein voller Erfolg und wird uns sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben. Diesen Erfolg verdanken wir nicht nur dem tollen Wetter, sondern vor allem unserem bewährten Reiseleiter, Antonio Siino, dem ein besonderer Dank für die perfekte Organisation gebührt.