Würenloser

Träff 55 plus des SRRB

Was machen die Winzer das ganze Jahr hindurch? Auf diese Frage gaben Dorothe und Martin Wetzel den zahlreich Interessierten mit Bildern und Film gerne Auskunft. Wetzels bewirtschaften drei Hektaren Rebberg auf dem ca. 12'000 Reben wachsen. Auf eine Hektare fallen vom Schneiden bis zur Ernte rund 700 Stunden Arbeit pro Jahr. Daneben komme noch das Weinkeltern, der Weinverkauf und das Führen ihres Lokals für Anlässe mit Bewirtung. Das ergebe ein volles Arbeitspensum für die beiden und erfordere zusätzlich die Hilfe von Susanne Mestre für Laub- und Handarbeiten an den Reben.

Das Rebjahr beginnt mit dem Schneiden der Reben ab Eintreffen der ersten Frostnächte bis zum Austreiben im Frühjahr. Die abgeschnittenen Rebruten werden auf den Boden in den Gassen gelegt und von Martin Wetzel mit der Häckselmaschine gleich zu Mulch an Ort verschreddert. Dann kommen die Unterhaltsarbeiten wie Drähte flicken, Pfähle ersetzen, Wege und Mauern pflegen. Die Ruten müssen im Frühling je eine nach rechts und links auf fünf Augen gekürzt an den Draht gebunden werden. Die Triebe, die dann daraus wachsen, werden immer wieder in die Drähte geschlauft, damit sie nicht abbrechen. In den Gassen und an den Böschungen mäht Martin Wetzel das Gras alternierend gemäss Richtlinien der IP-Suisse wegen der Biodiversität und dem Ökosystem, lässt also immer einen Teil blühender Pflanzen stehen und das Gras bleibt auf dem Boden liegen. Auf diese Weise können Nützlinge sich entwickeln, um die Schädlinge zu bekämpfen und auf Insektizide könne praktisch verzichtet werden. Auch Pilzkrankheiten gäbe es weniger. Wetzels spritzen nur mit organischen Präparaten, die sich mit der Zeit zersetzen. Kupfermittel z.B. bleiben im Boden und kumulieren sich, was dem Boden schadet. Bei Biobauern ist Kupfer immer noch erlaubt. Schwefel wird nicht mehr verwendet, da Resistenzen aufgekommen sind.

Die Rebe blüht so um den 20. Juni herum. Die Blüte ist ganz fein und riecht nur schwach, da sie nicht die Bienen anlocken muss sondern selbstbefruchtend ist.

Die Menge der Blätter muss übereinstimmen mit der Anzahl Trauben d.h. ca. 10 Blätter auf eine Traube. Jedes Blatt produziert Energie für die nächsten Jahre. Alle überschüssigen Blätter und Triebe müssen bis Ende Sommer immer wieder abgeschnitten werden. Die elektrische Laubschneidemaschine ist für diese Arbeit bei Wetzels eine grosse Entlastung, da sie bis auf zwei Meter Höhe schneiden kann. Die Trauben können so optimal an der Sonne reifen.

Der Frost im Frühling dieses Jahres habe Einbussen gebracht, sagte Wetzel. Die später noch nachgewachsenen Trauben konnten nicht mehr alle ausreifen und mussten weggeschnitten werden. Das tue weh, aber nur so könne eine gute Qualität garantiert werden.

Auch Tiere lieben die Trauben und es muss mit einem niedrigen Elektrozaun vor Dachsen und Füchsen geschützt werden, mit Netzen gegen Vogelfrass und mit Wespenfallen. Die japanische Kirschessigfliege (KEF) ist schwierig zu bekämpfen, da diese nichts über den Mund aufnimmt, sondern mit einer Säge im Hinterleib die Trauben aufsägt, um ihre Eier in die Beeren zu legen. Mit der Spritzung eines Tonerdepräparates (Kaolin) kann die KEF von der Traube weg gehalten werden, da dieses feine Pulver ihre Säge verschmutzt. Der weisse Belag, der auf den Trauben liege, möge irritieren, sei aber absolut ungiftig und ohne Geschmack. Bei der Kelterung sinkt das Pulver auf den Fassboden und kann vor der Gärung weggenommen werden.

Früher habe man auf grosse Produktion gesetzt, heute auf gute Qualität. Ein grosser Fortschritt für die Schweizer Weine, betont Wetzel.

Beim Vortragen von Dorothe und Martin Wetzel über ihre vielseitigen und intensiven Arbeiten im Rebberg sprang der Funke Leidenschaft, Herzblut und Freude ins Publikum über und wurde mit einem grossen Applaus verdankt, ebenso der anschliessend offerierte Apéro, bei dem der Ertrag und Lohn ihres grossen Einsatzes genussvoll und mit Wertschätzung degustiert werden durfte.

Alexandra Zihlmann