Was unternimmt der Regierungsrat gegen das Tiefenlager, welches er nicht im Kanton Aargau sehen will? Wie geht der Kanton mit den Schwierigkeiten der Geologie und des Wassers beim Bözberg um? Dazu nahm Regierungsrat Stefan Attiger auf Einladung der Bürgerorganisation „Kein Atommüll im Bözberg“ im Campus Brugg-Windisch an der KAIB-Jahresversammlung Stellung.

„Es gibt keine guten Gründe für ein Atommülllager im Bözberg“ hielt KAIB Präsident Max Chopard-Acklin im Rahmen seines Jahresberichtes zu den umfangreichen Aktivitäten der Bürgerorganisation KAIB an der Jahresversammlung im voll besetzten Saal fest. Er leitete damit auch das von Vorstandsmitglied Elisabeth Burgener moderierte Hauptthema des Abends ein: Wie engagiert sich der Kanton Aargau gegen ein Atommülllager im Bözberg?

Regierungsrat Stefan Attiger zeigte einleitend auf, dass die Entsorgung atomarer Abfälle eine nationale Aufgabe sei. Das Verfahren werde daher vom Bund geleitet. Es sei dem Kanton aber wichtig, sich einzubringen. Besonders auch in Hinblick auf raumplanerische und Umweltaspekte, da gemäss Bundesverfassung die Raumplanung den Kantonen obliegt. Der Aargauer Regierungsrat lehnt ein Atommülltiefenlager auf Kantonsgebiet ab. Er sei aber gewillt, im Standortverfahren konstruktiv mitzuarbeiten. Allerdings würde sich der Aargau mehr Mitwirkungsmöglichkeiten wünschen, als das heutige Sachplanverfahren vorsehe.

Risiken der Erosion

Der Regierungsrat sieht einige offene Fragen im Bereich der Geologie. Hier bestehe auch eine Differenz in der Eignungseinschätzung des Bözberges zur Nagra. Ein wichtiges Thema diesbezüglich ist die Erosion. Denn die Kantone sind bei der Berechnung eigener Szenarien zu höheren Erosionsraten gekommen als die Nagra. Eine Besonderheit im Standortgebiet Bözberg (Jura Ost) sei die relativ geringe Tiefe des Opalinuston zwischen 400 und 500 m unter Terrain. Durch diese Besonderheit sowie durch die hügelige Landschaft sei das Gebiet in der Langzeitbetrachtung eines Tiefenlagers besonders erosionsgefährdet, betonte Attiger.

Konfliktzone Grundwasser, Thermal-/Mineralwasser

Die Bözbergregion ist ein Gebiet mit grossen Wasservorkommen in unterschiedlichen Tiefen.

Der Regierungsrat setze sich konsequent für den Schutz der natürlichen Wasservorkommen ein. Die Flusstäler der Aare und des Rheins sind bedeutende Grundwasserspeicher und –Lieferanten und es gibt viele wichtige Thermalquellen in der Region. „Für eine Betrachtung des Standortgebiets am Bözberg sind die genauen Kenntnisse der hydrogeologischen Verhältnisse unabdingbar. Der aktuelle Kenntnisstand über die lokale und regionale Hydrogeologie reicht nicht“. so Regierungsrat Attiger. Der Kanton Aargau hat daher bei der Nagra zusätzliche Abklärungen eingefordert. „Sollte man bei den Probebohrungen in kritischen Bereichen auf Wasser stossen, heisst das Abbruch der Übung.“ versicherte Attiger.

Nutzungskonflikte

Kritisch äusserte sich Regierungsrat Attiger auch zum vorgesehenen Standort für die Oberflächenanlagen in Villigen neben dem PSI. Da gebe es Konfliktpotenzial zum PSI und zur künftigen Entwicklung des nationalen Innovationsparks. Die Publikumsnachfrage, ob darauf überhaupt noch einmal zurückgekommen werden könnte, bejahte Attiger. Weiter kamen Publikumsfragen und Voten zu Nutzungskonflikten im Erdwärmebereich oder auch zur Aushebelung der direkten Demokratie durch das Sachplanverfahren.

Im geschäftlichen Teil der Jahresversammlung des Vereins Kein Atommüll im Bözberg KAIB, wurde der Vorstand, bestehend aus Max Chopard-Acklin, Nussbaumen, Präsident; Erwin Hermes, Gipf-Oberfrick, Vizepräsident; Silke Treusch, Zürich, Kassierin; David Hunziker, Brugg; Elisabeth Burgener, Gipf-Oberfrick und Sacha Schenker, Bözberg, einstimmig wiedergewählt.

KAIB Kein Atommüll im Bözberg

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