Freiämter Weinfreunde

Südamerika – eine Entdeckungsreise im 21. Jahrhundert

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Weingut Errazuriz, gegründet im Jahre 1870 von Don Maximiano Errazuriz.

Errazuriz

Weingut Errazuriz, gegründet im Jahre 1870 von Don Maximiano Errazuriz.

Weingärten in Traumlandschaften

Die Länder, welche Spanier und Portugiesen anfangs des 16. Jahrhunderts entdeckten, bereisen 47 Freiämter Weinfreundinnen und Weinfreunde während sechzehn Tagen im März dieses Jahres. Eine Reise voller bleibender Eindrücke.

Erlebnishungrig landen wir in der Hauptstadt von Chile, das die Quechua-Indianer Chili nannten, was so viel heisst wie: „Wo die Welt zu Ende ist“. Auf dem Weg von Santiago de Chile nach Santa Cruz halten wir beim Weingut Concha y Toro in Pirque. Unter mächtigen Eucalyptus-Bäumen geniessen wir fruchtige Weine und stärken uns am feinen Asado. Aufmerksam folgen wir Rodrigo Carrasco später auf dem Rundgang und staunen über Angaben, wie: „10‘800 Hektar eigene Reben aus elf verschiedenen Lagen ergeben mit zugekauften Trauben 320 Millionen Flaschen Wein. Das Weingut beschäftigt 4‘600 Personen und kultiviert 26 Rebsorten. Den Kultwein Casillero del Diablo trinken wir öfters. Aber nach der Videoshow im Barriquekeller wissen wir über die Teufelssaga Bescheid.

Den Zugang zu vier Weingütern in Chile und sechs Bodegas in Argentinien vermittelt Oenologe und Ehrenmitglied Peter Schürmann. Mitglied Corinne Senn organisiert als Filialleiterin von Knecht Reisen in Wohlen die Hotels, Transporte und deutschsprechende Reiseführer vor Ort.

Top-Adressen im Land des Carmenère

Eingebettet in traumhafte Landschaften mit schneebedeckten Anden-Gipfeln am Horizont liegen die Weingüter Montes, Lapostolle und Errazuriz. Wir befinden uns in der besten Weinregion des Carmenère.

Die Reben auf dem Weingut Montes dürfen sich entwickeln und ausruhen, was Antonio Montes den „Montes-Touch“ nennt. Das Weingut wurde nach dem Feng Shui Konzept erbaut und die Harmonie ist spürbar da. Mit 700 Hektar Rebfläche werden um die drei Millionen Flaschen Wein erzeugt.

Die Urenkelin des Grand Marnier-Erfinders Alexandre Lapostolle benötigte nur fünf Jahre, um im Colchagua Valley eine Weinkellerei aufzubauen. Michel Rolland als weltberühmter Oenologe hat sie dabei begleitet. Alexandras Credo lautete: Chilean by Nature, French by Design. Die Weine vereinen die reife Frucht, das konzentrierte Aroma und den kraftvollen Charakter Chiles mit einem hohen Mass an Harmonie und Eleganz ihrer französischen Schöpfer. Aus 380 Hektar Reben werden ungefähr 1,4 Millionen Flaschen Wein erzeugt.

Don Maximiano gründete 1870 das Weingut Errazuriz. Die ersten Rebstöcke brachte er aus dem Bordeaux mit und pflanzte sie zuhinterst im Tal, am Fusse des Bergest Aconcagua, auf steinigen, kargen Böden. Heute wird das Weingut mit über 1‘000 Hektar Reben von seinem Urenkel Eduardo Chadwick geführt. Es erzeugt pro Jahr rund drei Millionen Flaschen Wein. Der Don Maximiano wird aus 95 Prozent Cabernet Sauvignon und fünf Prozent Cabernet Franc assembliert und zählt zu besten und teuersten Weinen Chiles.

Mit dem Bus über die Anden

Die Strasse führt immer höher. Vorbei am Salto de Soldado erreichen wir über unzählige Serpentinen die Gegend von Portillo, Chiles berühmtes Skigebiet. Auf einer Höhe von 3185 Meter über Meer fahren wir durch einen 3900 Meter langen Tunnel und erreichen Argentinien.

Die Provinz Mendoza im zentralen Westen Argentiniens ist die grösste Weinbauregion des Landes mit mehr als 70 Prozent der argentinischen Rebbauflächen. Das Klima ist trocken, sonnig und kontinental, mit warmen Sommern und relativ kalten Wintern, sowie grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Die jährliche Niederschlagsmenge wird mit 100 und 350 Millimetern angegeben. Die Weingärten liegen zwischen 700 bis 2‘000 Metern über Meer. Ein ausgeklügeltes Tropfensystem versorgt die Rebstöcke sparsam mit Wasser, das aus Flüssen, Kanälen und Tiefbrunnen stammt. Zu den Hauptrebsorten zählen Torrontés (weiss) und Malbec (rot).

Den eigenen Blend kreieren

Kaiken nennen die Mapuche-Indianer die patagonischen Wildgänse, welche die Anden überqueren. Auch den renommierten chilenischen Winzer Aurelio Montes zog es über die Anden nach Argentinien. Weil er in der Folge oft über die Anden flog, nennen ihn seine Freunde „Kaiken“. Aurelio Montes junior ist seit 2011 Geschäftsführer des modernen Tochterweinguts Kaiken in Mendoza. Exportmanager Tomas Marconetti und Winemaker Gustavo Hörman führen uns durch die Rebgärten und die Kellerei. Die Verkostung von acht Weinen aus eigenem Anbau liefert viel Gesprächsstoff. Nach dem Asado fordern uns Marconetti und Hörman zu einem Blend-Spiel auf. Tischweise kreieren wir einen aus drei Basisweinen eigenen Blend und eine Etikette dazu. Die Freiämter Weinfreunde zeigen Engagement und beeindrucken Manager, Winemaker und Personal mit tollen Erzeugnissen und fantasievollen Etiketten.

Trapiche gilt als eines der ältesten Weingüter Argentiniens. Es wurde 1883 von Don Tiburcio Benegas gegründet. 1970 erwarb die Winzerfamilie Pulenta das Weingut in der Absicht, es an die Spitze der Qualitätsweinproduktion zu führen. Im zum Weingut gehörenden Gästehaus geniessen wir feine Weine mit vorzüglichen Speisen. Als Überraschung lässt der Europa-Manager Emiliano Magarinos eine Gruppe Tango-TänzerInnen auftreten.

Yello-Meier’s Weine trinkt Europa

Die Bodega Ojo de Vino SA von Dieter Meier beeindruckt. Mit einem Asado am Speichersee werden wir willkommen geheissen. Die Weine der Puro- und Ojo de Agua-Linie gefallen. Winemakerin Noelia Conzales zeigt uns den nach modernsten Erkenntnissen eingerichteten Keller. Die Weine werden je nach Produktelinie in Betontanks, Stahltanks oder Barriques gekeltert und ausgebaut. Die gesamte Rebfläche wird mit 230 Hektar beziffert und der Ertrag im Schnitt mit 8000 Kilogramm pro Hektar angegeben. Der Haupanteil der Meier-Weine wird nach Europa exportiert.

Die Bodega Santa Julia wurde 1963 von Alberto Zuccardi gegründet. 45 Jahre später teilen drei Generationen die Leidenschaft für den Wein. Sohn José Alberto leitet das Weingut. Enkel Sebastian bestellt die Rebgärten, Tochter Julia kümmert sich um die Besucher und der jüngere Sohn Miguel widmet sich der Produktion von Olivenölen. Die Rebfläche beträgt 700 Hektar und die Vinifikation findet in vielen kleinen Tanks statt.

Terrazas Weine gedeihen je nach Rebsorte auf einem bestimmten Höhenniveau. Jede Lage profitiert von einem unterschiedlichen Microklima und Bodentypus. Die Bodega kultiviert wurzelechte Malbec-Reben. Terrazas Weine reifen für 18 Monate in 3000 französischen Barriques und in 500-Literfässern, sowie weitere zwölf Monate in der Flasche, bevor sie in den Verkauf gelangen. Die Rebfläche wird mit 580 Hektar und die Produktion mit rund drei Millionen Flaschen angegeben.

Colomé – die höchsten Rebgärten der Welt

Im Nordwesten liegt Salta mit ihrer kolonialen Architektur. Von hier fahren wir stundenlang mit Kleinbussen auf schmalen Strassen, die zu Schotterwegen werden über den 3‘457 Meter hohen Altura-Pass ins Calchaqui-Tal zur Bodega Colomé. Das Unbehagen über den Strassenzustand ist rasch verflogen, als uns Conny Bearzi, die Chefin für die Restauration auf der Bodega mit feinen Weinen und auserlesenen Speisen willkommen heisst. Weinbauer Andrew Hoy verkostet mit uns vier Malbecs, die auf den Höhen 1700, 2300, 2600 und 2900 Meter über Meer gewachsen sind. Wir staunen, dass Unterschiede feststellbar sind. Die Rückfahrt führt nach Cafayate und am nächsten Morgen durch die Traumlandschaften der Calchaqui-Täler zurück nach Salta.

Buenos Aires, Iguaçu und Rio de Janeiro

In Buenos Aires beeindruckt die Stadtrundfahrt mit der Besichtigung der Plaza de Mayo, dem Denkmal von Don José de San Martin, der Kathedrale und des Friedhofs La Recoleta mit der Grabstätte von Maria Eva Duarte Peron, sowie der Besuch der Tangoshow mit Abendessen im La Ventana.

In Iguaçu erwandern wir die grössten Wasserfälle der Erde zuerst auf der argentinischen Seite. Darauf bringt uns der Bus über die Grenze nach Brasilien ins Hotel „Das Cataratas“. Das Weltwunder erscheint von dieser Seite noch imposanter. Die Fälle sind 2700 Meter breit und erstrecken sich auf einer Länge von fünf Kilometern. Je nach Wasserstand des Rio Iguaçu stürzen pro Sekunde 1500 bis 7000 Kubikmeter Wasser in die Tiefe.

In Rio de Janeiro endet unsere Entdeckungsreise.. Natürlich fahren wir auf den Zuckerhut, besichtigen die moderne Kathedrale und fahren mit der Zahnradbahn auf den Corcovado. Vom Berg mit der 30 Meter hohen Christusstatue geniessen wir eine tolle Rund- und Fernsicht. Das Farewell-Dinner im Fogo de Chao bleibt für alle unvergesslich. Alle Teilnehmenden kehren gesund und glücklich und mit schönen Eindrücken reich beladen an ihren Ausgangsort zurück.

(Otto E. Sprenger)

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