Laut Prognosen wird die Bevölkerung im Grossraum Baden in den nächsten 25 Jahren um 65 Prozent wachsen. Es stellt sich die Frage, wie deren Mobilitätsbedürfnisse befriedigt werden können, aber auch, wie dieses Wachstum landschaftsverträglich aufgenommen werden kann.

Mit dem Projekt OASE unternimmt der Aargau einen weiteren Anlauf, die Verkehrsprobleme im östlichen Kantonsteil zu lösen. Die Grünen Obersiggenthal teilen die Ansicht des Kantons, dass etwas geschehen muss; heute herrschen in vielen Gemeinden der Agglomeration unzumutbare Bedingungen – allerdings nicht in erster Linie für die Autofahrer, die im Stau stehen, sondern mindestens ebenso sehr für die Wohnbevölkerung, die den Immissionen ausgesetzt ist.

Lebens- und Standortqualität in Gefahr

Mit dem OASE-Prozess werden Weichen gestellt, die für die Perspektiven des Siggenthals von grosser Bedeutung sind. Die Grünen Obersiggenthal haben sich deshalb an der Anhörung des Kantons zur OASE beteiligt. In ihrer Antwort bringen sie ihre kritische Haltung zu den beiden als «Bestvarianten» bezeichneten Vorschlägen für den Raum Baden, aber auch zum Gesamtprojekt zum Ausdruck. Auf Ebene des Gesamtprojekts kritisieren die Grünen Obersiggenthal die Intransparenz bezüglich der Definition der OASE-Ziele, die einseitige Orientierung an den Interessen des motorisierten Individualverkehrs, das komplette Fehlen von Massnahmen zur Verkehrsvermeidung durch Mobilitätsmanagement und siedlungspolitische Ansätze und das Fehlen konkreter Vorschläge zur Verlagerung auf siedlungs- und umweltverträgliche Verkehrsträger. Die beiden «Bestvarianten» für die Region Baden sind faktisch Autobahnzubringer, die mitten durch unsere Gemeinde führen und die Lebens- und Standortqualität unmittelbar bedrohen. Beide Varianten führen via Siggenthaler Brücke in einen Umfahrungstunnel, der das Zentrum von Baden entlasten soll; Untersiggenthal, Hertenstein und vor allem Nussbaumen droht damit eine massive Zunahme an Verkehr. Dabei erstickt Nussbaumen mit 23 000 Fahrten pro Tag schon heute im Verkehr. Die Grünen Obersiggenthal weisen deshalb beide Varianten als inakzeptabel zurück.

Die Region braucht städtische Infrastrukturen

Die Nummernschilderhebung im Jahr 2012 hat gezeigt, dass im Grossraum Baden 83 Prozent des Verkehrs hausgemacht sind; 44 000 Fahrten pro Tag sind reiner Binnenverkehr, der den Perimeter gar nicht verlässt. Die Vorschläge der OASE würden dieses Problem nicht lösen, sondern lediglich den Engpass im Zentrum Baden beseitigen – dies auf Kosten der umliegenden Gemeinden. Was die Region Baden braucht, ist eine urbane Entwicklung, wie sie auch die Gruppe OASIN fordert. Im Zentrum steht eine innere Verdichtung und Aufwertung. Wenn schon neue Verkehrsinfrastruktur, dann ein Tram fürs Siggenthal und sichere Fusswege und Velorouten, aber keine zusätzlichen Kapazitäten für den motorisierten Individualverkehr.

Schon früh haben die Grünen auf die Bedeutung des OASE-Projekts hingewiesen und versucht, mit Leserbriefen und Vorstössen im Einwohnerrat eine öffentliche Diskussion anzustossen. Auch Gemeindeammann Dieter Martin hat sich engagiert im Planungsverband Baden Regio für die Interessen Obersiggenthals gewehrt. Inzwischen sind auch die anderen Parteien aufgewacht und haben die Tragweite der OASE-Pläne erkannt. 90 Prozent der Einwohnerrätinnen und -räte haben die von den Grünen angeregte Petition gegen einen Tunnel bei der Siggenthaler Brücke unterschrieben.

Die Grünen Obersiggenthal fordern das Departement BVU von Regierungsrat Stephan Attiger auf, von einem Eintrag des gegenwärtigen Planungsstands in den kantonalen Richtplan abzusehen, den OASE-Prozess zu stoppen und auf Feld 1 zurückzukehren. Ziel der OASE muss sein, die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft umwelt- und siedlungsverträglich zu befriedigen und die Bevölkerung vor den negativen Auswirkungen des Verkehrs zu schützen.

Die Anhörungsantwort der Grünen Obersiggenthal ist unter gruene-obersiggenthal.ch einsehbar. Abschreiben erwünscht, die Anhörung endet am 1. Juli!