Valery Braun

Der Entscheid entpuppte sich als weise, denn auch in einem Saal können SOLySOMBRA gespürt und gesehen werden. Es begann schon damit, dass Line Loddo vor einen Paravent trat, sonnig warm ausgeleuchtet, in goldgelbem, rot und kupferfarben gehaltenem Kostüm. Sie parlierte dann auch gleich in ihrer Sprache Okzitanisch los -einem Dialekt aus Südfrankreichs Languedoc. Und wenn man auch nicht jedes Wort verstand, trotz etlichen spanisch klingenden Wörtern, so spürte man doch den südlichen, heiteren Flair welchen Loddo schmetterlingshaft um sich versprühte. Marc Hänsenberger mit seinem Akkordeon als ständigem Begleiter, übersetzte in ein breites, gemütliches Berndeutsch welches dieses Sonnen-Schattenspiel noch schärfer hervorhob.

Diese Wechselspiele von leichter Heiterkeit mit den melancholischen Klängen zigeunerhafter Weisen; Fröhlichkeit aber auch Traurigkeit durchzogen den ganzen Abend. Sprühende Virtuosität, ob bei Geige oder Harmonika, war dafür bei allen drei Musikern gebotene Voraussetzung. Juliette Du Pasquier, die dritte Musikerin von „Musique Simili" verleiht ihrem Instrument, ein fast umheimlich scheinendes Leben und man sieht die Finger wie kleine, selbstständige Männchen auf den Saiten tanzen. Ebenso wird oft und viel gesungen und die drei Stimmen ergänzen sich wie die Instrumente. Loddo's Alt tönt so warm wie das herrschende Ambiente.

Verblüffend mit welcher Leichtigkeit die Frauen von Geige zu Bass welchseln, um gleich danach mal eben ein kurzes Intermezzo auf dem Flügel zum Besten zu geben. Als kleine Spasseinlage wurde hinter dem Paravant Kleinkunst geboten. Mit Fingerfiguren werden Vogelschwingen, Enten und sonstige lustige Schattenspiele eingeflochten und das Publikum freute sich sehr. Ueberhaupt war der ganze Abend locker und fröhlich. Die traurigen Zigeunerweisen, die rassigen Geigentempi, das Bearbeiten des Flügels nicht nur via Tasten, der Abstecher zum argentinischen Tango, die kurze Visite bei bulgarischer Musik, ebenso der Einsatz zweier kleiner Bauerngeigen und das Verflechten von bekannten (Edith Piaf's: je suis une fille du port, une nombre de la rue...) und wenig bekannten Melodien wird dem Titel des Abends voll gerecht: SOLySOMBRA ein warmer Abend im „schattigen" Gemeindesaal.