An ein Schülerturnier erinnerten ihn die ersten vier Duelle, die ausnahmslos vorzeitig durch Schultersiege entschieden wurden. Im Nachwuchs noch eher an der Tagesordnung, in der Nationalliga A aber ein Ding der Unmöglichkeit. "Dachte ich jedenfalls bis heute", so Leutert ungläubig.

Kurios war schon der erste Kampf des Abends bis 55 Kilogramm. Freiamts Auslandverstärkung Oleg Lavruvjanec, eigentlich ein Greco-Spezialist, schien Thomas Wisler auch im Freistil unter Kontrolle zu haben. Die erste Runde hatte er mit 5:2 für sich entschieden. Dann aber hörte der Litauer aus unerfindlichen Gründen auf zu kämpfen, geriet schnell in Rückstand - und schließlich in die Schulterlage. "Unerklärlich", konstatierte Leutert, "und eine grosse Hypothek."

Ein emotionales Hin und Her
Schwergewichtler Mirko Silvan - er gab sein Saisondebüt - korrigierte den Fehlstart umgehend. Der Walliser schulterte seinen Gegner Werner Suppiger noch in der ersten Runde. Da schien der psychologische Vorteil wieder auf die Seite der Gäste zu kippen. Dann aber liessen sich sowohl Markus Weibel (60 kg Greco) als auch Pascal Gurtner (96 kg Freistil) von ihrem Gegner überrumpeln - Weibel landete in der zweiten Runde auf den Schultern, Gurtner bereits in der ersten. "Ich muss zugeben, ich war fassungslos", sagte Freiamts Trainer Leutert. Sein Team wurde in der ersten Halbzeit regelrecht zerlegt.

Im letzten Kampf vor der Pause, bis 66 Kilogramm Freistil, deutete Christian Huwiler zwar seine Klasse an. Hergiswils Litauer Vitas Chumakov wurde der Rolle als Auslandverstärkung aber eher gerecht als sein Landsmann Lavruvjanec bei Freiamt und gewann mit 3:1 Punkten. So führte Hergiwil, das notabene noch nie ein Duell gegen Freiamt hatte gewinnen können, bei Kampfhälfte mit 15:5.

Die Ausgangslage für die zweiten fünf Kämpfe war damit klar: Freiamt durfte sich keine Ausrutscher mehr erlauben, zumal im letzten Kampf bis 74 Kilogramm ein Sieg des Schweizer Meisters Thomas Suppiger für Hergiswil budgetiert war.

Den Spiess gedreht - und am Ende doch verloren
Reto Bucher machte bis 84 Kilogramm Greco den Auftakt und setzte ein Zeichen. Mit 6:0 und 6:0 siegte er gegen Urs Zemp vorzeitig durch technische Überlegenheit. Pascal Strebel, wie Bucher gegen Weinfelden noch geschont, nahm die Vorlage auf. Auch er gewann sein Duell gegen Marco Stadelmann mit dem genau gleichen Resultat. Freiamt kam innert Kürze auf 13:
15 heran. "Diese Aufholjagd bleibt nach diesem verrückten Abend als positiver Punkt haften", so Leutert.

Nach den beiden Punktsiegen von Sandro Vollenweider (84 kg F, 3:1) und Ivan Kron (74 kg F, 3:0) führten die Freiämter gar mit 19:16. "Für mich war klar, dass wir nun mindestens ein Unentschieden holen", so Trainer Leutert vor dem letzten Kampf. Seine Mannschaft hatte dem hohen Druck standgehalten und dem Gegner kaum Punkte zugestanden. Der verrückte Kampf hatte eine Wende genommen. Aber keine finale. Denn das letzte Duell des Abends stand noch aus.

"Zuviel hat nicht gepasst"
Thomas Suppiger war gegen Stephan Strebel klarer Favorit. Dem Freiämter war aber ein Punkt zuzutrauen, was der Ringerstaffel im Minimum ein Unentschieden gesichert hätte. Suppiger aber machte kurzen Prozess, gewann durch technische Überlegenheit mit 4:0 und sicherte seiner Mannschaft damit den knappen 20:19-Erfolg. "Dieser letzte Kampf passte dann auch noch in den Abend", meinte Leutert, nahm seinen Kämpfer aber in Schutz: "Die Niederlage an Stephan Strebel festzumachen, wäre aber falsch. Es hat einfach zuviel nicht zusammengepasst."

Freiamt rutscht nach der ersten Niederlage der Saison in der (wenig aussagekräftigen) Tabelle auf den dritten Platz ab.
Nur Hergiswil ist in der NLA ungeschlagen und dank den beiden Siegen gegen Willisau und Freiamt nun erster Anwärter auf einen Finalplatz. "Für uns gilt es, die dumme Niederlage schnell abzuhaken und zum Siegen zurück zu kehren", erklärt Marcel Leutert. Gelegenheit dazu bietet der erste Heimkampf der Saison, am nächsten Samstag gegen Kriessern (20 Uhr,
Bachmatten Muri). --pst

RR Hergiswil - RS Freiamt 20:19 (15:5)

MZH Hergiswil. - 750 Zuschauer. - Schiedsrichter: Grandgirard. - 55 kg Freistil: Thomas Wisler- Oleg Lavruvjanec 4:0 SS (2:5, 7:0). - 60 kg Greco: Patrick Stadelmann - Markus Weibel 4:0 SS (3:3, 2:2). - 66 kg F: Vytas Chumakov - Christian Huwiler 3:1 PS (6:0, 2:1). - 66 kg G: Marco Stadelmann - Pascal Strebel 0:4 TÜ (0:6, 0:6). - 74 kg F: Raphael Kaufmann
- Ivan Kron 0:3 PS (0:3, 0:2). - 74 kg G: Thomas Suppiger - Stephan Strebel 4:0 TÜ (6:0, 6:0). 84 kg F: Alen Kacinari - Sandro Vollenweider 1:3 PS (4:2, 4:7, 0:6). - 84 kg G: Urs Zemp - Reto Bucher 0:4 TÜ (0:6, 0:6). - 96 kg F: Willi Graber - Pascal Gurtner 4:0 SS (4:0). - 120 kg G: Werner Suppiger - Mirko Silian 0:4 SS (0:3).