„In der Begegnung meinen Weg erkunden", ein Programm der Reformierten Kirchgemeinde Frick, das bereits Tradition hat, befasste sich mit dem Leben und Wirken des Genfer Reformators, Johannes Calvin, dessen 500. Geburtstag dieses Jahr mit vielen Anlässen gefeiert wird.

Eine Einführung in das Leben und Wirken des Genfer Reformators Johannes Calvin (1509 bis 1564) durch Paul Jäggi im reformierten Kirchgemeindehaus Frick, eine Woche vor der Reise, vermittelte das nötige Wissen über eine bewegte historische Epoche. Eine Epoche, die auf der Reformationswand im Parc des Bastions in Genf anschaulich und ausführlich dargestellt ist. Im Zentrum dieses Denkmals, das vor hundert Jahren geschaffen wurde, tritt Calvin zusammen mit den drei anderen Reformatoren seiner Zeit reliefartig aus der Wand: Guillaume Farel, der ihn nach Genf geholt hatte, zu seiner Rechten; Théodore de Bèze, sein Nachfolger, und John Knox, der schottische Reformator, zu seiner Linken. Dass Calvin eine Bewegung ausgelöst hat, die sich bis an die äussersten Grenzen der Welt verbreitete, ist mit der Darstellung weiterer historischer Figuren und mit eingemeisselten Texten anschaulich gemacht. Man liest über das kurze Aufflammen des reformierten Glaubens in Frankreich unter Henri IV und seinem Toleranz Edikt von Nantes, das dann widerrufen werden musste, als dieser den Thron bestieg; man erfährt weiter, dass Calvins Bewegung Holland, Schottland, Ungarn, Deutschland und sogar, mit dem Auswandern der Pilgerväter auf der „Mayflower", die Neue Welt jenseits des Atlantik erreicht hatte. Der anschliessende Besuch im Reformationsmuseum mit kundiger Führung vermittelte die Bedeutung Calvins für die Stadt Genf. Ohne sein Gebot nach Fleiss und Pünktlichkeit hätte die Rhonestadt nicht den wirtschaftlichen Aufschwung gemacht und ohne die Einwanderung der Mitte des 17. Jahrhunderts aus Frankreich vertriebenen Hugenotten, die zur Elite der Stadt wurden, wäre Genf eine unbedeutende Provinzstadt geblieben.

Ferienstimmung bei strahlendem Sommerwetter
Ein Gang durch die französischen Charme ausstrahlende Altstadt auf den Spuren des Reformators, ein Nachtessen im Freien in einer der schmalen Gassen bei milder Temperatur und ein Konzert mit beschwingten Operettenmelodien und einer temperamentvollen Sängerin im Hof des „Hôtel de Ville" und zum Abschluss des Tages ein Sorbet in einer Gartenwirtschaft in der Nähe des beleuchteten „Jet d‘ eau" liessen Ferienstimmung aufkommen. Und die ging anderntags weiter, als der Wölflinswiler Carmäleon-Bus gemächlich dem schönen See und den reichen Herrschaftssitzen aus der „guten alten Zeit" entlang fuhr. Ziel des zweiten Tages waren die Burgkirche von Raron hoch über dem Tal mit dem Grab von Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926), wohl dem bedeutensten Lyriker der deutschen Literatur, und die Felsenkirche, die in den Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts in den Felsen des Burghügels hineingebaut wurde und 500 Sitzplätze anbietet. Die spätgotische Burgkirche ist ein von weitem über dem Rhonetal sichtbares Wahrzeichen über dem kleinen Dorf Raron und mit dem monumentalen Fresko des Jüngsten Gerichts im Innern ein bedeutendes Kulturgut der Schweiz.

Nächstes Angebot im Programm „Begegnungen": Besuch und Führung im renovierten Bundeshaus in Bern und Polit-Talk mit der aargauischen Ständerätin, Christine Egerszegi, am Dienstag, 22. September.


Fotos: (Aufnahmen Annemarie Schläpfer)