Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Aargau

Nähatelier Rheinfelden: Die Erfolgsgeschichte eines neuen Integrationsprojektes für Frauen

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Integration

Der Bundesrat bezeichnet die Integration von Ausländerinnen und Ausländer als gelungen, wenn sie in verschieden Integrationsbereichen vergleichbare statistische Werte aufweisen, wie Schweizerinnen und Schweizer. Integration bedeutet gemäss dieser Definition nichts anderes, als die Herstellung von Chancengleichheit und Partizipation. Ausländerinnen und Ausländer, welche sich rechtmässig und dauerhaft in der Schweiz befinden, sollen einen chancengleichen Zugang zum wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Leben erhalten.Entsprechende Massnahmen um dieses Ziel zu erreichen, sogenannte „Integrationsmassnahmen" sind reichlich vorhanden. Exakt handelt es sich dabei um ein Dokument mit genau 45 solcher Handlungen in den Bereichen Sprache, Bildung, Arbeit und soziale Sicherheit, die massgeblich von den bereits vorhandenen Strukturen ausgeführt werden sollen.

Schon alleine die Formulierung lässt vermuten, dass dies mit einem hohen Mass an bürokratischem und administrativem Aufwand verbunden sein wird. Geschweige denn der Zeitaufwand.

Umso mehr freut es daher, wenn ein kleines und relativ spontan entstandenes Projekt wie jenes des Nähateliers in Rheinfelden, innerhalb von kurzer Zeit erste Erfolge verzeichnen kann.

Die Idee, so simpel sie auch klingt, ist in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen, denn sie bewegt sich vor allem in einem Bereich, der durch andere Massnahmen nicht abgedeckt wird. Die Rede ist hier von ausländischen Frauen, welche oft alleine mit ihren Kindern in den eigenen vier Wänden bleiben, und so kaum in Kontakt mit der Aussenwelt kommen.

Das Nähatelier stellt dabei ein sogenanntes „niederschwelliges" Angebot dar, da es ohne grosse Anstrengungen und Hürden aufgesucht werden kann. Im Gegensatz zu Ämtern oder Beratungsstellen bietet das Nähatelier zudem den Anreiz, dass hier Arbeiten verrichtet werden können, welche für die Frauen nicht nur kostensparend sind, wie zum Beispiel das Flicken und Ändern von Kleidern, sondern auch die Kreativität und das künstlerische Schaffen ausgelebt werden können. Das Atelier ist somit ein Ort des Schaffens und Wirkens, sowie eine Möglichkeit des Begegnens und Austausches.

Eingefädelt wurde das Projekt in Rheinfelden von Salome Eisenring, welche bereits in Basel, damals als Flüchtlingsbetreuerin des SRK, ein solches Angebot erfolgreich auf die Beine gestellt hat. Statt nun nach dem verdienten Ruhestand und dem Umzug nach Rheinfelden die Seele baumeln zu lassen, suchte sie nach weiteren Herausforderungen an ihrem neuen Wohnort. Als man auf der Gemeinde nach einer Person für die Betreuung und Integration von Migranten suchte, zögerte sie nicht lange um mit ihrem Projekt vorstellig zu werden. Neben der Stadt Rheinfelden, welche die Infrastruktur zur Verfügung stellt, konnte auch das Schweizerische Rote Kreuz Aargau für ein Nähatelier gewonnen werden. Projektleiterin ist somit Ute Nagel der SRK-Regionalstelle Frick. Salome Eisenring arbeitet auf freiwilliger Basis als Leiterin des Ateliers. Sie war es auch, die mit Olga Gontcharova eine professionelle Schneiderin an Bord holte. Die beiden Frauen kennen sich noch aus Basel und sind beide glücklich, wieder zusammenarbeiten zu können.

Zufrieden schauen sie nun auch auf ein erfolgreiches, abwechslungsreiches und teilweise auch turbulentes erstes Jahr zurück.Angefangen hat alles mit dem Start am 30. April 2009. Bereits am Eröffnungstag platzte die Stube fast aus allen Nähten. 20 Frauen statteten dem Atelier einen Besuch ab und dies obwohl im Vorfeld, ausser einem Inserat beim Migros und Coop, keine Werbemassnahmen ergriffen wurden. Auch in Zukunft wird man nicht mit der Werbetrommel rühren müssen, denn die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert so gut, dass man inzwischen die Öffnungszeiten von einem auf zwei Tage ausweiten konnte. Damit verbunden war auch der Umzug in einen grösseren Raum. Inzwischen wird vom SRK Aargau das gesamte   obere Stockwerk des Familieninformationszentrums (FIZ) an der Zähringerstrasse gemietet, wobei die Räumlichkeiten nun auch für weitere Integrationsarbeiten genutzt werden können. So bietet das dort ehemalig ansässige Betreibungsamt nun Platz für zwei Computer, an denen Asylbewerber arbeiten und lernen können, am Samstag geben hier freiwillige Mitarbeiter des Jugendrotkreuz Aargau fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen Nachhilfeunterricht und jeweils am Mittwochnachmittag betreut eine ehemalige Lehrerin aus Rumänien sowie eine Freiwillige des Jugendrotkreuz die Kinder der Frauen, welche ins Nähatelier kommen. Letzteres ist auch Teil einer vorgesehen Umstrukturierung der Frauengruppen. Ideal wäre dabei, dass jeweils mittwochs nur Frauen mit Kindern und donnerstags jene ohne vorbei kommen würden. Ob dies jedoch funktionieren wird, daran hat Salome Eisenring noch ihre Zweifel. Auch Olga Gontcharova wäre über eine weitere Umorganisation nicht unglücklich. Zurzeit betreut sie im Durchschnitt 7 Frauen gleichzeitig, dies obwohl nur vier Arbeitsplätze vorhanden sind und zudem alle Frauen eine andere Arbeit ausführen. Das Spektrum reicht hier vom simplen Hosen kürzen bis zur selbst genähten Seidenbluse. Das die geduldige und einfühlsame Frau hier teilweise an die Grenzen der Belastbarkeit stösst, leuchtet ein. Einfacher wäre hier, die Frauen anhand ihrer Fertigkeiten in zwei Gruppen aufzuteilen, wobei innerhalb der Gruppe die gleiche Arbeit ausgeführt wird. Eine weitere Idee wäre auch, dass die besten Näherinnen Aufträge von Aussen entgegen nehmen könnten, denn zurzeit nähen die Frauen nur für ihren Eigenbedarf. An Ideen, wie die Integrationsarbeit auch in Zukunft noch verbessert und gestaltet werden kann, mangelt es definitiv nicht. Ebenso wie die Zahl der Besucherinnen, welche stetig zunimmt. Inzwischen sind es schon rund 20 Nationalitäten, darunter auch die Schweiz, welche von der Institution profitieren.

Mit dem Ende der Projektphase im Dezember 2009 ist das Nähatelier nun offiziell Teil des Dienstleistungsangebotes des Schweizerischen Roten Kreuzes Aargau. So ist es nun auch Aufgabe des SKR nach neuen Räumlichkeiten zu suchen, denn der Vertrag läuft Ende September 2010 aus.Eine Einstellung des Betriebes ist angesichts des Erfolges für Salome Eisenring nicht denkbar. Vielmehr sieht sie durchaus noch Ausbaupotential in anderen Städten des Kantons Aargau, denn das Bedürfnis besteht und es braucht auch nicht mehr als ein wenig Unterstützung und eine Portion Kreativität. (mh)

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