Obwohl es ein Sonntag im August war, als der Frauenturnverein Villmergen auf die Reise ging, hing an jenem Morgen bereits Nebel über dem Freiamt. In Wohlen war es dann nicht allein der Nebel, der den Bahnhof in weisse (Rauch-)schwaden hüllte, nein, die Dampflok Beinwyl wurde gerade startklar gemacht für ihren Einsatz am SlowUp am Hallwilersee.
Die Villmergerinnen warteten auf dem Perron auf ihren Zug, als die Durchsage kam, der Zug nach Lenzburg falle aus technischen Gründen aus und die Fahrgäste würden gebeten, auf den nächsten Zug in einer halben Stunde zu warten. Ein grosses Rätselraten um die Anschlusszüge brach unter den Anwesenden aus - da meldete sich die Zugsbegleiterin des Dampfzuges auf dem Gleis nebenan und fragte die Turnerinnen, ob sie bis Lenzburg mitfahren möchten. Was für eine Frage - natürlich wollten sie das! Zwar durften sie nur in die Holzklasse einsteigen - in den andern Wagen sassen die extra zahlenden Gäste beim Frühstück - doch das schmälerte die Freude über diese unverhoffte Nostalgiefahrt in keiner Weise.
In Lenzburg blieb genügend Zeit, um das Restaurant Gmüetliberg, wo für Kaffee und Gipfeli reserviert war, über die Verspätung zu informieren. Nach der Fahrt mit der SZU bestaunte man vom rund 870 m ü. M. gelegenen Hausberg der Zürcher die wunderbare Aussicht auf Zürich und seinen See hinunter. Auf dem Weg zum Aussichtsturm begegnete man mehreren eigenartigen Fabelwesen, Hirschskulpturen vom berühmten Bruno Weber, deren Geweih als Lampenhalter dienen. Auf dem Höhenweg von der Station Üetliberg bis zur Felsenegg kann man in etwa zwei Stunden ein Modell des Sonnensystems durchwandern. Da begegnet man Merkur, Venus, Jupiter und anderen Planeten und erfährt viele Details zu den Gestirnen. Jeder Meter, den man auf dem Planetenweg zurücklegt, entspricht einer Million Kilometer im Sonnensystem. Und zu jedem Planeten gibt es interessante Informationen.
Beim ehemaligen Berggasthaus Balderen, das schon seit längerer Zeit verwaist ist, wurde Mittagsrast gemacht. Der Nebel des Freiamts hatte der strahlenden Sonne Platz gemacht, sodass man noch so gerne im Schatten der Kastanienbäume picknickte. Zwar standen dort statt Bänken und Tischen nur noch die Betonsockel der früheren Gartenwirtschaft und so richtig bequem waren diese nicht, doch immerhin konnte man sitzen.
Der Wanderweg führte häufig durch Buchenwälder und an Waldrändern entlang, doch trotzdem war es sehr heiss und schwül. So entschieden sich zwei Turnerinnen bei der Felsenegg, mit der Seilbahn nach Adliswil hinunterzufahren und dann den Bus auf den Albis zu nehmen.
Die restliche Gruppe freute sich nun auf die Buchenegg, wo ein Desserthalt geplant war. Auch von dort hat man wieder einen spektakulären Blick auf Zürichsee und Alpen.
Es folgte ein kurzes steiles Wegstück an der prallen Sonne, bevor man den ersehnten kühlen Schatten erreichte und nach einer weiteren Stunde gemütlichen Wanderns auf dem Albispass ankam. Dort traf man die beiden «Abtrünnigen» wieder und gemeinsam gings auf die eher umständliche Heimreise: Bus nach Hausen a. A., Bus nach Affoltern a. A., Bus nach Muri, Zug nach Wohlen und zu guter Letzt - da kein Busanschluss - per Privatautos nach Villmergen. --ml