Am nasskalten, nebligen, durch einzelne Sonnenstrahlen durchbrochenen Sonntag lud der Musikverein Harmonie Aarau zu seinem jährlich wiederkehrenden Kirchenkonzert ein. Dass der Musikverein über einen respektablen Freundes- und Musikkreis verfügt, bewies der doch grosse Aufmarsch von Zuhörern.

Dem Verein ist es hoch anzurechnen, sich der Aufgabe eines Kirchenkonzertes gestellt zu haben, mit einem Mitgliederbestand welcher auf den Stimmen ohne Ausnahme solistisch besetzt war. Positiv aufgefallen ist vor allem der schöne „Reedsatz“ mit 2 Flöten, 4 Klarinetten und 4 Saxophonen. Der hohe Blechsatz, vertreten durch eine Trompete, welche ihren Einsatz mustergültig vertrat, liess doch gerade in „La Réjoussance“ von Händel einen strahlenden Satz vermissen. Mit „Danserye“ von Susato Tielmann kamen leichte beschwingte höfische Tanze zur Aufführung, welche sehr zu gefallen wussten. Mit dem „Air aus der Suite in D-Dur“ von J.S. Bach wurde ein Stück gewählt, welches auf Grund seines hohen Bekanntheitsgrades hohe Ansprüche an die Ausführenden stellt. Sehr schön ausgespielt vermochte diese Aufführung voll zu überzeugen. Im Geburtsjahr des Musikvereins Harmonie Aarau, fand im Jahre 1892 auch erstmals die Aufführung von der „Nussknackersuite“ in St. Petersburg durch Tschaikowskij statt. Die aufgeführten einzelnen Sätze vermochten sehr zu gefallen. „Drei Miniaturen für Blasorchester“ von Fritz Neuböck fand nach einem doch sehr zaghaften Beginn im Satz „Prolog“ eine stetige Steigerung und endete im Satz „Tanz“ in einem sehr schönen, ausgewogenen Zusammenspiel. Ein sehr interessantes Stück „Schmelzende Riesen“ in 3 Sätzen von Armin Kofler hat der Verein aufgeführt um damit auch am kommenden Kantonalen Musiktag in Niederwil punkten zu können. Das Werk beschreibt die Auswirkungen der Klimaerwärmung und im 1. Satz brillierten Flöten und Klarinetten bevor es in einem spassigen Schlusspunkt endete. Der 2. Satz lies das 1. Es-Horn solistisch voll zur Geltung kommen und zeigte diese Solistin ihrer Aufgabe voll gewachsen. Mit dem 3. Satz endete das Werk fulminant und rhythmisch anspruchsvoll. Mit dieser Wahl hat der Verein eine gute Wahl getroffen und wird den Experten am Musiktag auch zu begeistern wissen. Wer kennt es nicht, wer hat es nicht schon zig Male selber gesungen? „Lueget vo Bärge und Tal“ in einem hervorragend geschriebenen Arrangement von Adrian Falk. In dieser Aufführung zeichnete sich der Verein mit einer hingebungsvollen Intonation aus. Seine Musikanten jederzeit prägnant und sicher führend, ist an dieser Stelle auch der langjährige Dirigent Dominik Rohr zu erwähnen. Mit einem weiteren Evergreen „Waltzing Mathilda“  in einem Arrangement von Mike Sutherland wurde die inoffizielle Landeshymne aus Australien intoniert. Hier hätte man sich von den Ausführenden einen leicht höheren Enthusiasmus gewünscht, ein wenig mehr Spielfreude bei einer jedoch sehr guten Grundstimmung. Warum der Titel im Programm „Viennese Citizens“ aufgeführt wurde, statt einfach wie es der Komponist Carl Michael Ziehrer nannte, nämlich „Wiener Bürger“, entzieht sich unseren Kenntnissen. Doch hier zeigte sich der Verein wieder in seinem vollen Element und beendete damit den offiziellen Teil des Kirchenkonzertes.

Der sympathisch wirkende Andreas Schär führte mit kleinen Anekdoten zu den einzelnen Werken durch das ganze Programm.

Der Sonntag endete mit dem Besuch dieses Konzertes und die Anwesenden Zuhörer zeigten sich dankbar und entliessen die Musiker erst nach zwei weiteren Zugaben. Wie viele andere Musikvereine, kämpft auch die „Harmonie“ um jedes neue Mitglied und es bleibt zu wünschen, dass sich gerade junge Musikanten wieder vermehrt diesem schönen Hobby des gemeinsamen Musizierens verschreiben.

Franz Martin Wettstein