Am Sonntag 29. Januar ging die Reise der 1. Mannschaft ins Bündnerland nach Chur zur 8. Meisterschaftsrunde. Weil um 14:30 das erste Spiel anstand, musste das Team um 12:00 Uhr los – die Spreitenbacher sassen also just während der entscheidenden Phase des grossen Australian-Open-Finals zwischen King Roger und Rafael Nadal im Auto Richtung Chur. Dank Smartphone und Livestream war man aber immer auf dem Laufenden – und als Federer tatsächlich den 5-Satz-Krimi für sich entschied, brach in den diversen Autos Jubel und ganz spontan ein Hupkonzert auf der A3 aus. Unglaublich! Mit Grand Slam #18 hat sich Roger Federer endgültig unsterblich gemacht. Fucking Legend!

«All-In» vs Lengnau

Zum Unihockey. Die Ausgangslage war ziemlich klar: Spreiti lag vor der Runde 3 Punkte hinter Unterkulm (gegen das man im letzten Spiel 6:6 gespielt hatte) auf dem zweitletzten Platz. Die zwei Letztplatzierten werden im März/April die Auf-/Abstiegsplayouts gegen die 2.Liga-Gruppensieger spielen müssen. So weit so gut. Ebenfalls bereits klar war: Unterkulm hatte heute 3 Punkte geholt. Spreiti brauchte also seinerseits dringend Punkte. Die Gegner heute hiessen aber Lengnau und Blau-Gelb Cazis, zwei ganz harte Brocken.

Doch Spreiti begann gegen Lengnau auf extrem rutschiger Unterlage in der Churer Turnhalle ziemlich stark, liess Ball und Gegner laufen und konnte zweimal in Führung gehen. Jedoch liess man den spiel- und laufstarken Lengnauern in der Folge immer wieder zu viel Platz und Zeit, was diese natürlich auszunutzen wussten. Aus 1:2 wurde 5:2. Dank einem schönen Freistosstor durch Hürlimann führte der Schweizermeister von 2012 zur Pause aber nur mit 5:3. Spreiti war ebenbürtig und spürte, dass da heute durchaus was drin lag. Also ging man «All-In», um es in der Pokersprache zu beschreiben. Nachdem Lengnau das 6:3 erzielte, ersetzte man bereits etwa 12 Minuten vor Schluss den Torhüter durch einen vierten Feldspieler. Zu verlieren hatte man nichts mehr – entweder gelang die Wende oder man verlor hoch, das spielte keine Rolle. «All-In» eben. Doch wer schon mal gepokert hat, weiss: Ein «All-In» kann halt auch mal in die Hosen gehen. So auch hier. Spreiti kam zwar zu mehreren guten Chancen, vermochte diese aber nicht zu nutzen und wurde deshalb immer nervöser. Lengnau kam aggressiv ins Forechecking und konnte schliesslich nach Ballverlusten von Spreiti etliche «Empty Netter» erzielen. Am Ende stand ein 3:11 auf der Tafel, welches die Kräfteverhältnisse mitnichten widerspiegelte. Aber eben: Spreiti war «All-In» gegangen und leider war das 4-gegen-3 heute (einmal mehr!) überhaupt nicht stilsicher und Lengnau mit seiner aggressiven Spielweise eine Nummer zu gross für Spreitenbach.

Zwei Gesichter vs Cazis

Für das zweite Spiel gegen Cazis hatten sich die Spreitenbacher in der Kabine so viel vorgenommen – Paroli bieten wollte man dem ungeschlagenen Tabellenführer. Von wegen! Von aussen konnte man wohl das Gefühl bekommen, Spreiti wolle sich hier Anschauungsunterricht für die Playouts holen. Cazis liess sich nicht zweimal bitten und nutzte die ihnen gebotenen Freiheiten gnadenlos aus. Ein ums andere Mal musste der bedauernswerte und immer wieder völlig im Stich gelassene Reto Zeindler im Tor hinter sich greifen und den 26-löchrigen Ball aus dem Netz holen. Spreiti spielte gar nicht mit und die Spieler liessen nach jedem Gegentreffer den Kopf noch etwas mehr hängen. 1:7 stand es zur Pause, dank einem immerhin erfolgreich abgeschlossenen Breakaway 5 Sekunden vor dem Pausenpfiff. Dieses Tor von Geissmann aber löste – zusammen mit einer Moralpredigt von Coach Grubenmann und Captain Nüesch in der Pause – etwas aus in der Mannschaft. In Halbzeit 2 stand da ein ganz anderes Spreitenbach auf dem Platz. Klar: Man wusste, dass man nun Playout spielen würde. Dennoch – oder gerade deshalb – war man plötzlich gewillt, zu kämpfen. Und Cazis nahm den Kampf an. So entwickelte sich ein ganz anderes Spiel als noch in Halbzeit 1, wo die Bündner quasi gratis ihre ohnehin schon bemerkenswerten Abschlussqualitäten trainieren durften. Spreiti erhob sich und warf den Kampfgeist eines angeschossenen Bären in die Waagschale. Zwar sündigten sie im Abschluss und Cazis auf der anderen Seite zeigte sich als kaltschnäuziger, wodurch die Mitfavoriten auf den Schweizermeistertitel am Ende 12:2 siegten. Doch Spreiti hatte immerhin gekämpft und die Cazner in viele Zweikämpfe und zu vielen Sprints gezwungen. Dieser Kampfgeist, der da plötzlich erwachte, ist kein gutes Zeichen für potentielle Playout-Gegner – Spreiti lebt!

Jedoch hatten die Aargauer in diesem Spiel gegen Cazis zwei Gesichter gezeigt: Zuerst ein ganz, ganz besorgniserregendes: Hängende Köpfe und null Kampfgeist. Dann aber ein positiv stimmendes: Eines mit Kampfeslust. Sollten sie zu dieser Kampfeslust ihre Skorerqualitäten und eine gewisse Coolness wieder- und zu ihrem gefürchteten Tempounihockey zurückfinden, dann sind sie im Playout ganz klar zu favorisieren. Aber eben: Wo ist dieses Tempounihockey? Wo ist die Coolness? Wo sind die Tore? Nun sind die Leadertypen im Team gefragt. Nun sind Leute gefragt, die vorangehen. Denn Spreiti will oben bleiben – um jeden Preis. Aber einfach wird das gegen einen Gegner, der etliche Siege gefeiert haben wird, nicht!

Moral tanken am 19. Februar?

Moral tanken könnte die Mannschaft an der letzten Meisterschaftsrunde am 19. Februar, wo Spreiti auf Niederwil und Regensdorf trifft. Also auf jene zwei Teams, die man im November geschlagen hatte – diese 4-Punkte-Runde ist rückblickend so etwas wie der Knackpunkt der Saison gewesen. Spreiti hatte sich dort über den Trennstrich gehievt und war emotional im Hoch. Doch anschliessend gab es in 8 Spielen nur noch ein mickriges Pünktchen gegen Unterkulm. Viel zu wenig. Natürlich: Die erste Saison in der 1. Liga KF ist schwer, die Mannschaft muss sich an den Rhythmus gewöhnen und einen Lernprozess durchlaufen. Niederlagen gegen Topteams wie Cazis sind kein Problem. Aber es ist zu hoffen, dass in den bald anstehenden Playouts das kampfeslustige Gesicht und nicht das lustlose zu sehen sein wird. Wie gesagt: Die Leadertypen im Team sind gefragt. Einer dieser Leadertypen stand nach dem Spiel vor die Kamera, das Interview gibt es hier: http://bit.ly/2jwiIgB.

Die Playouts werden übrigens am 25./26. März, 1. und evt. 2./8. April gespielt, in einer Best-of-Five-Serie. Bei den Heimspielen braucht das Team unbedingt Support vor Ort! Kommt und unterstützt die Mannschaft, damit Spreitenbach auch in der kommenden Saison in der höchsten Liga der Schweiz vertreten sein wird! Vamos Spreiti!