Präsident Ruedi Weber-Schmid, Gipf-Oberfrick, konnte am Samstag, 19. Juni 2010 gut zwei Dutzend Mitglieder des Aargauer Heimatschutzes zur ordentlichen Mitglieder-versammlung begrüssen. Der Tagungsort war mit Bedacht gewählt: Zofingen pflegt wie kaum eine Aargauer Stadt ihr bauliches Erbe. Dies dokumentiert das neue Leporello «Zofingen - 200 Jahre Siedlungsentwicklung ausserhalb der Stadtmauern», das in der Reihe «Baukultur entdecken» des Schweizer Heimatschutzes herausgekommen ist und der Öffentlichkeit erstmals präsentiert werden konnte. Der exzellent gemachte Führer ist bei der Stadt Zofingen, beim Aargauer und beim Schweizer Heimatschutz kostenlos er-hältlich.

Obmann Ruedi Weber-Schmid, Gipf Oberfrick, konnte in der Aula des grossartigen Gemeinde-schulhauses Zofingen alle ordentlichen Vereinsgeschäfte zügig abwickeln. Der Aargauer Hei-matschutz steht auf einem soliden Fundament, hat allerdings - wie viele Organisationen mit ideeller Zielsetzung - auch Probleme, kompetente Fachleute zu gewinnen. Im Falle des Hei-matschutzes sind dies die Regionalberater, in der Regel ausgewiesene Architekten, welche Gemeinden und Private bei der Planung, aber auch beim Umbau von schützenswerten Bauten beraten. Diese Dienstleistung, die bei strittigen Vorhaben bisweilen auch zum Mittel der Ein-wendung greift, um gefährdete Bausubstanz, Ortsbilder oder Landschaften zu erhalten, gehört zu den Kernaufgaben des Aargauer Heimatschutzes, der seit über 100 Jahren aktiv ist.

Rücktritt zweier bewährter Regionalberater
An der Jahresversammlung 2010 musste der Präsident den Rücktritt zweier erfahrener Regio-nalberater bekannt geben. Rolf Barben wirkte über 10 Jahre im Heimatschutz-Vorstand mit und betreute nicht nur die Region Baden, sondern koordinierte als Obmann auch die Tätigkeit der Regionalberater. Ruedi Weber, Beinwil am See, blickt auf gut 20 Jahre Heimatschutz-Aktivität zurück. In den Bezirken Lenzburg und Kulm gab es dabei immer wieder viel zu tun. Mit grossem Applaus dankten Versammlung und Geschäftsleitung den beiden nun zurücktre-tenden Mitgliedern. Leider ist es nicht gelungen, dem Vereinssouverän auf die Jahresver-sammlung zwei Nachfolger oder Nachfolgerinnen zur Wahl vorzuschlagen. Immerhin liess Obmann Weber durchblicken, dass die Sondierungen wahrscheinlich auf gutem Wege seien. Um keine Vakanzen entstehen zu lassen, verlieh die Versammlung der Geschäftsleitung die Kompetenz, gute KandidatInnen interimistisch zu wählen und die definitive Wahl dann an der nächsten ordentlichen Jahresversammlung vornehmen zu lassen.

Rundgang «extra muros» um Zofingen
Im Anschluss an die Jahresversammlung führte Kunsthistoriker und ehemaliger Aargauer Denkmalpfleger Jürg Andrea Bossardt die Versammlung zu bedeutenden Baudenkmälern ausserhalb der Stadtmauern: Gemeindeschulhaus, Abdankungshalle, Schützenhaus und Mu-seum, alle innert weniger Jahre Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, zeugen von einer unglaub-lichen Prachtentfaltung der damaligen Stad. Sie sind dank einem permanenten Bewusstsein für Baukultur integral erhalten geblieben. Keiner Stadt sonst im Aargau ist es gelungen, den nahen Bereich «extra muros» so gut zu bewahren wie Zofingen. Per Postauto ging es an-schliessend hinauf zur Reuten und zum Heiternplatz, wo Stadträtin Käthi Hagmann die Gesell-schaft begrüsste und Forstingenieur Ernst Steiner über die grossartige Obstgartenanlage mit über 300 Sorten informierte und die Geschichte des Heiternplatzes, dem einstigen Muste-rungsplatz und heute beliebten Freizeitgelände, erläuterte. Anschliessend offerierte die Stadt Zofingen im Gut Hirzenberg von Christine Siegfried, sie selbst Preisträgerin des Aargauer Heimatschutzpreises 2006, den Apéro zur Vernissage des neuen Führers «Zofingen - 200 Jahre Siedlungsentwicklung ausserhalb der Stadtmauern», der als Leporello in der Reihe «Baukultur entdecken» des Schweizer Heimatschutzes herausgekommen ist. Textautor Jürg Andrea Bossardt erläuterte die schwierige Auswahl der zahlreichen Objekte, von denen einige weitere auch würdig gewesen wären, in den von Architekt Werner Schmutz konzipierten Füh-rer aufgenommen zu werden. Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger freute sich in seinem Gruss-wort über den gelungenen Führer, der nicht nur die historische Altstadt, sondern die ebenso bedeutenden Bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert und der Gegenwart ist rechte Licht rückt.

Bilder: Rolf Barben, Aarau, und Ruedi Weber, Beinwil am See, traten an der Jahresver-sammlung 2010 des Aargauer Heimatschutzes in Zofingen als Regionalberater aus dem Vor-stand zurück.

Das neue Leporello «Zofingen - 200 Jahre Siedlungsentwicklung ausserhalb der Stadtmau-ern» der Reihe «Baukultur entdecken» des Schweizer Heimatschutzes ist im Stadtbüro Zofin-gen, auf der Geschäftsstelle des Aargauer Heimatschutzes, Postfach 358, 4310 Rheinfelden, sowie beim Schweizer Heimatschutz, Postfach 1122, 8032 Zürich, kostenlos erhältlich.